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"Kein Interesse an Eskalation" Israel attackiert iranische Ziele in Syrien

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Die israelische Armee hat Dutzende iranische Militärziele in Syrien angegriffen, wie hier nahe Damaskus.

(Foto: REUTERS)

Die Spannungen zwischen Israel und dem Iran erreichen einen neuen Höhepunkt. Nach mutmaßlichen Raketenattacken des Iran verübt die israelische Armee einen massiven Gegenschlag in Syrien. Der Verteidigungsminister hofft, dass nun "jeder verstanden hat".

An der syrisch-israelischen Grenze eskaliert der Konflikt zwischen Israel und dem Iran. In der Nacht griffen iranische Revolutionsgarden nach israelischen Angaben Armeeposten auf den Golanhöhen an. Die israelische Luftwaffe reagierte mit massiven Vergeltungsangriffen auf syrische Militäreinrichtungen und iranische Stellungen in Syrien.

Nach Angaben von Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hat die israelische Armee bei ihren Angriffen "nahezu die gesamte iranische Infrastruktur" beschossen. Er hoffe, dass die "Episode" nun vorbei sei und "jeder verstanden hat". Lieberman verwies auf das Sprichwort: "Wenn der Regen auf uns fällt, der Sturm über sie kommen wird."

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Israelischen Armeeangaben zufolge feuerten die Quds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, insgesamt rund 20 Raketen des Typs Grad und Fadschr-5 auf israelische Armeeposten entlang der Grenze ab. Laut dem israelischen Armeesprecher Jonathan Conricus war dies "der bisher schwerwiegendste Versuch der Quds-Brigaden, die israelische Souveränität anzugreifen". Keine der abgefeuerten Raketen des Typs Grad und Fadschr-5 habe ihr Ziel getroffen. Mehrere seien von dem israelischen Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen worden. Es habe auch keine israelischen Opfer gegeben.

Als Reaktion griff Israel nach eigenen Angaben Dutzende iranische Ziele in Syrien an. Die Vergeltungsangriffe gehörten zu den "größten, die Israels Armee gegen iranische Ziele unternommen hat", sagte Conricus. Man habe dem iranischen Militär schweren Schaden zugefügt. Es seien Einrichtungen des Geheimdienstes, der Logistik, Militärposten, Lagerräume und Spähposten getroffen worden. Man habe auch das Gefährt zerstört, von dem aus die Raketen auf die Golan-Höhen abgefeuert wurden. Es habe sich in 30 bis 40 Kilometern Entfernung von Damaskus befunden. Der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind bei den israelischen Luftangriffen mindestens 23 Kämpfer getötet worden. Die russische Armee teilte mit, bei dem Einsatz seien 28 israelische Kampfflugzeuge beteiligt gewesen, die 70 Raketen abgeschossen hätten.

"Sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet"

"Wir haben die Syrer gewarnt, sich nicht einzumischen, aber sie haben es trotzdem getan", sagte Conricus. Israel sei "auf verschiedene Szenarien vorbereitet". "Wir sind nicht an einer Eskalation interessiert, aber weitere Versuche, Israel zu attackieren, werden eine schwerwiegende Reaktion zur Folge haben." Russland, das Machthaber Baschar al-Assad in Syrien unterstützt, sei vorab von den Angriffen informiert worden.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana bestätigte die israelischen Luftangriffe. Dabei seien unter anderem fünf syrische Luftabwehrstellungen, eine Radarstation und ein Munitionslager in der Grenzregion Kuneitra getroffen worden, hieß es. Syriens Luftabwehr fing demnach Dutzende israelische Raketen über Damaskus, Homs und Sueida ab.

Die Angriffe erfolgten einen Tag nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Mittwoch den russischen Präsidenten Wladimir Putin besucht. Dieser hatte angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran zu einer Lösung des Konflikts aufgerufen.

Die islamistische Führung in Teheran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah wichtigster Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und hat Tausende Kämpfer nach Syrien entsandt. Geheimdienste warnen seit einigen Tagen vor einem iranischen Luftangriff von Syrien aus auf Israel. Dabei solle ein Luftangriff vergolten werden, bei dem in Syrien sieben iranische Militärangehörige getötet worden waren. Mit Hinweis auf die Warnungen hatte Israels Armee vor kurzem Reservisten mobilisiert. Die Armee hatte zudem Ortschaften auf den Golanhöhen angewiesen, die Luftschutzbunker zu öffnen. Die Armee wies die Einwohner am Donnerstag an, ihrer normalen Routine nachzugehen. Schulen und Kindergärten blieben geöffnet.

Quelle: n-tv.de, cri/rts/dpa/AFP

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