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30 Anschläge seit Monatsbeginn Israel baut weitere Mauer in Ost-Jerusalem

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Eine der Mauern, die Juden und Muslime trennen soll, in Jerusalem.

(Foto: picture alliance / dpa)

Neben harten Antworten des Militärs setzen die israelischen Behörden darauf, durch Bauten Fakten zu schaffen. In Jerusalem soll eine Mauer ein palästinensisches und ein israelisches Viertel trennen und am Brennpunkt Tempelberg soll es keine Kompromisse geben.

Angesichts der jüngst wieder zunehmenden Gewalt hat die israelische Polizei in Ost-Jerusalem mit dem Bau einer weiteren Mauer begonnen. Die neue Sperranlage zwischen dem palästinensischen Viertel Dschabal Mukaber und dem jüdischen Viertel Armon Hanaziv könnte nach Angaben der Kommunalverwaltung bis zu 300 Meter lang werden. Zunächst wurden sechs Mauerteile von je 2,50 Metern Höhe und zwei Metern Breite aufgestellt. Eine Aufschrift am Sockel der Mauerteilen lautete "vorübergehende mobile Polizeiabsperrung".

Aus dem palästinensischen Viertel heraus waren zuletzt mehrfach Brandsätze und Steine auf das jüdische Nachbarviertel geworfen worden. Drei Bewohner von Dschabal Mukaber hatten bei zwei verschiedenen Attacken in Jerusalem drei Israelis getötet, bevor sie von israelischen Sicherheitskräften erschossen wurden. Wenig später wurde ein 16-jähriger Palästinenser an einem Kontrollposten bei Dschabal Mukaber nach einer Messerattacke auf israelische Grenzschützer erschossen.

Eine weitere Attacke ereignete sich heute in der südisraelischen Stadt Beerscheba an einer Bushaltestelle. Ein Palästinenser, bewaffnet mit einer Pistole und einem Messer, tötete einen israelischen Soldaten und verletzte zehn weitere Menschen, wie die Polizei mitteilte. Unter den Verletzten seien vier weitere Soldaten. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen. Ein unbeteiligter Afrikaner wurde von den Sicherheitskräften fälschlicherweise für einen Komplizen des Attentäters gehalten und angeschossen.

Keine neutralen Beobachter auf dem Tempelberg

Die Spannungen zwischen Palästinensern und Israelis hatten zuletzt wieder deutlich zugenommen, insbesondere im von Israel besetzten Westjordanland und im annektierten Ost-Jerusalem. Bei rund dreißig Anschlägen von Palästinensern mit Messern oder Schusswaffen starben seit Monatsbeginn sieben Israelis. Auf palästinensischer Seite gab es mehr als 40 Tote, fast die Hälfte waren erwiesene oder mutmaßliche Angreifer.

Zum letzten Freitagsgebet eskalierte die Gewalt. Randalierende palästinensische Jugendliche griffen das Josefsgrab in Nablus an und setzten es in Brand. Zuvor hatte die Hamas zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen.

Die aktuelle Auseinandersetzung dreht sich vor allem um den Status des Tempelbergs. Palästinenser werfen den israelischen Sicherheitskräften dort "Provokationen" vor und kritisieren zunehmende Besuche gläubiger Juden auf dem Areal. Nach der derzeit gültigen Regelung dürfen Juden und andere nicht-muslimische Besucher den Tempelberg zwar besuchen, nicht aber dort beten.

Daraufhin hatten französische Diplomaten angeregt, dass sich der UN-Sicherheitsrat für eine internationale Beobachter auf dem Hochplateau in der Jerusalemer Altstadt ausspricht. Dieser Vorschlag wurde nun von Israel zurückgewiesen. "Israel ist nicht das Problem auf dem Tempelberg, Israel ist dort die Lösung", sagte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu bei einer Kabinettssitzung. Netanjahu kritisierte, dass der Vorschlag Frankreichs keinen Bezug nehme "auf die Aufstachelung der Palästinenser zu Gewalt und Terrorismus". Das israelische Außenministerium warf Paris vor, mit seinem Vorschlag den "Terrorismus zu belohnen".

Quelle: n-tv.de, dka/AFP

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