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"Keine Eurokrise" Italien bringt Schäuble nicht aus der Ruhe

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Wolfgang Schäuble verweist auf die entspannten Reaktionen der Finanzmärkte.

(Foto: dpa)

Nach dem Nein der Italiener zur Verfassungsänderung übt sich Wolfgang Schäuble in demonstrativer Gelassenheit. Der Bundesfinanzminister will nicht von einer Eurokrise reden. Ins gleiche Horn bläst EU-Wirtschaftskommissar Moscovici.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht durch den Ausgang der Volksabstimmung in Italien keine Gefahr für den Euro. Die Reaktionen auf den Finanzmärkten seien "entspannt", sagte der CDU-Politiker beim Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. "Ich glaube, es gibt keinen Grund, von einer Eurokrise zu reden" und "ganz sicher keinen Grund, sie herbeizureden".

Schäuble riet, das Ergebnis des Referendums "mit einer gewissen Gelassenheit zur Kenntnis" zu nehmen. Hochrechnungen zufolge hatten am Sonntag gut 59 Prozent der italienischen Wähler gegen eine von Ministerpräsident Matteo Renzi vorgeschlagene Verfassungsreform gestimmt. Der sozialdemokratische Regierungschef kündigte daraufhin seinen Rücktritt an.

Möglich ist eine Übergangsregierung unter Renzis Demokratischer Partei (PD). Renzis Gegner fordern nach dem Referendum jedoch sofortige Neuwahlen. Dabei könnte sich die Fünf-Sterne-Bewegung des Populisten Beppe Grillo Hoffnungen machen, stärkste Partei zu werden. Sie will ein Referendum über die Euro-Zugehörigkeit Italiens abhalten.

"Lage in Italien heute besser als vor zwei Jahren"

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici sagte, die EU-Partner hätten "Vertrauen" in die Verantwortlichen in Italien. Das Land sei "solide" und gut ausgestattet, um sich seinen Herausforderung zu stellen. Er zeigte sich "sehr zuversichtlich", dass die Eurozone widerstandsfähig genug sei, um "alle Arten von Schocks" zu verkraften.

Das Referendum habe nichts mit Europa oder dem Euro zu tun, sagte seinerseits der französische Finanzminister Michel Sapin. Es sei um eine "Frage der Innenpolitik" und die Reform der italienischen Verfassung gegangen.

Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna sagte, er sei "traurig wegen des Ergebnisses". Renzis Regierung habe in den vergangenen beiden Jahren "sehr gut gearbeitet" und das Defizit unter drei Prozent der Wirtschaftsleistung gehalten. "Die Lage in Italien ist heute besser als vor zwei Jahren."

Italien ist nach Griechenland das Euroland mit dem höchsten Schuldenstand. Er liegt bei 133 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Sorge bereitet auch der italienische Bankensektor, in dem einige Institute wegen fauler Kredite mit großen Problemen kämpfen.

Quelle: n-tv.de, wne/AFP

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