Politik

Brexit sorgt für Reisechaos Johnson schimpft auf lahme Passbehörde

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Fünf Millionen offene Passanträge: Premier Johnson soll "entsetzt" sein.

(Foto: picture alliance/dpa/Pool PA/AP)

Den Briten steht Stress vor den Sommerferien ins Haus: Die seit dem Brexit nötigen Reisepässe lassen auf sich warten. Die Meldebehörde begründet die Hängepartie mit Corona-Rückstaus. Premierminister Johnson droht den säumigen Bürokraten mit Privatisierung.

Wegen des Brexits und eines Rückstaus bei der Bearbeitung von Anträgen auf Reisepässe droht der Urlaub vieler Briten in diesem Sommer ins Wasser zu fallen. Seit dem endgültigen EU-Austritt des Vereinigten Königreichs müssen britische Staatsbürger einen Reisepass zur Einreise in die EU vorlegen, der mindestens drei Monate über das Ausreisedatum hinaus gültig ist. Doch viele haben das Dokument noch nicht beantragt und die Bearbeitungszeiten sind derzeit deutlich länger als üblich.

Wie die "Times" unter Berufung auf Regierungsquellen berichtete, haben fünf Millionen Menschen aufgrund der Corona-Pandemie ihren Antrag auf einen neuen Reisepass hinausgezögert. Das führe nun zu einem nie da gewesenen Ansturm auf die zuständige Behörde, zitierte das Blatt den Innenstaatssekretär Kevin Foster. Er rief die Menschen demnach auf, ihre Anträge nun "so schnell wie möglich" einzureichen. Ein dpa-Journalist konnte mit Betroffenen sprechen, die wegen des Rückstaus unter anderem eine geplante Reise nach Südafrika nicht antreten konnten.

Premierminister Boris Johnson schäumte angesichts des bevorstehenden Reise-Chaos angeblich vor Wut. Wie die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf eine Regierungsquelle meldete, drohte Johnson der mit der Bearbeitung der Anträge beauftragten Behörde mit Privatisierung, sollte sie ihr Preis-Leistungs-Verhältnis nicht verbessern. Johnson sei "entsetzt" über die Berichte zu dem Rückstau, hieß es weiter.

Johnson prangert "Post-Covid-Kultur" an

Das Passamt rechtfertigte den Rückstand zwar mit dem Corona-Rückstau, allerdings bezweifelten Abgeordnete bei einer Debatte im Unterhaus diese Erklärung. Das Problem sei völlig "vorhersehbar" gewesen und erkläre auch nicht, warum die Bürger Schwierigkeiten hätten, eine Reisepass-Hotline zu erreichen. Auch seien viele über den Fortschritt ihrer Anträge belogen worden. Ein neues Zehn-Wochen-Ziel für die Bearbeitung von Passanträgen sei wiederholt nicht erreicht worden, zitierte die "Times" aus der Debatte. Im Passamt herrsche ein "absolutes Durcheinander".

Premier Johnson kündigte vor seinem Kabinett an, er wolle nun die "Post-Covid-Aufschiebe-Kultur" angehen. Die Regierung werde alle Behörden verstärkt unter die Lupe nehmen, die immer noch die Pandemie für ihren schleppenden Dienst verantwortlich machten.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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