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Schweinefleischverbot in Kitas Juden und Muslime befremdet Wut-Debatte

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Das Schweinfleischverbot auf dem Speiseplan führt zu Drohungen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zwei Leipziger Kitas nehmen Schweinefleisch vom Speisplan und ernten einen Sturm der Empörung. Der Zentralrat der Juden findet, die Einrichtungen seien beim Minderheitenschutz über das Ziel hinausgeschossen. Der Zentralrat der Muslime wundert sich, wie viel Wut diese angebliche Rücksicht auslöst.

In der Debatte über den Verzicht auf Schweinefleisch in Kitas aus Rücksicht auf muslimische Kinder haben die jeweiligen Zentralräte der Juden und der Muslime vor Überreaktionen gewarnt. "Das Letzte, was wir brauchen, ist Hetze gegen Minderheiten, nur weil in einer Einrichtung über den Speiseplan nachgedacht wird", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, in Dresden. Grundsätzlich halte er es für positiv, dass mit höherer Sensibilität als früher darüber nachgedacht werde, religiöse Gepflogenheiten oder Bedürfnisse von Minderheiten zu berücksichtigen: "Ich denke allerdings, dass ein Verbot von Schweinefleisch übers Ziel hinaus geschossen wäre."

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Zwei Kitas in Leipzig hatten angekündigt, fortan mit Rücksicht auf muslimische Kinder kein Schweinefleisch mehr auf den Speiseplan zu setzen und etwa auf Gelatine in Süßigkeiten bei Feiern zu verzichten. Fromme Muslime sollen nach den Regeln des Islams kein Schweinefleisch essen.

Der Zentralrat der Muslime thematisierte vor allem die dadurch ausgelöste Empörung. "Erstaunlich welch angebliche Rücksichtnahmen erfolgen, obgleich sie nicht mal von Muslimen ausgehen. Und wie die Empörungswelle um ein Vielfaches höher ist als bei den derzeitigen, schrecklichen täglichen Schändungen und Bombendrohungen gegen deutsche Moscheen von mutmaßlich Rechtsradikalen", erklärte Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland.

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Schuster sprach von einer "aufgeregten Debatte" und riet zu mehr Gelassenheit: "Es reicht meines Erachtens, wenn Kindern, die aus verschiedenen Gründen ein bestimmtes Essen nicht zu sich nehmen können, eine Alternative angeboten wird. Das gilt ja zum Beispiel auch für Allergiker. Jüdische Kinder, die sich koscher ernähren, wissen, dass sie normale Gummibärchen nicht essen können oder nicht mit ihren Freunden beim Fast-Food-Restaurant einkehren. Das gehört zu ihrem Alltag. Sie empfinden das aber nicht als Diskriminierung."

Nach Bekanntwerden der Pläne der Kitas folgte am Dienstag bundesweit eine Debatte. Besonders heftig reagierte die AfD. Aber auch die CDU sprach von einer inakzeptablen Entscheidung. Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli, selbst Muslimin, twitterte: "Wenn Kitas, Schulen und sonstige Einrichtungen lieber vegetarisch statt Fleisch servieren - fine with me. Ich bin nur dagegen, wenn es heißt: aus Rücksicht auf Muslime", schrieb die Sozialdemokratin.

Am Abend ruderte der Leiter der Kitas angesichts der massiven Kritik zurück - und setzte den Verzicht auf das Schweinefleisch zumindest vorerst aus. Zugleich äußerte er sein Unverständnis über die Aufregung. Denn die Mehrheit der Eltern habe diese Entscheidung begrüßt.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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