Kampf gegen Mullah-UnterstützerIsrael erkennt Somaliland an - für eine Basis gegen die Huthi

Israel erkennt Ende vergangenen Jahres als erster UN-Staat weltweit Somaliland als unabhängigen Staat an. Die Entscheidung wirkt merkwürdig, folgt aber einer Logik. Sie hat mit dem Krieg gegen den Iran zu tun, könnte aber auch ein Schachzug im Kampf gegen die Huthi-Terroristen sein.
Israel befindet sich im Krieg. Gegen den Iran, gegen die Hisbollah und gegen die Hamas. Und gegen die Huthi-Milizen im Jemen. Auch sie bedrohen Israel. In der Vergangenheit schoss die Gruppe mehrfach Raketen auf Israel ab. Im Kampf gegen die Huthi-Terroristen könnte Israel aber eine strategische Meisterleistung gelungen sein: Ende vergangenen Jahres hat die israelische Regierung Somaliland als unabhängigen Staat anerkannt.
Somaliland hatte sich im Jahr 1991 von Somalia abgespalten und einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. 30 Jahre zuvor waren Britisch- und Italienisch-Somaliland zum gemeinsamen Staat Somalia zusammengeschmolzen. Das Zusammenleben funktionierte jedoch nicht, ein Bürgerkrieg brach aus. Nach einigen Jahren wandte sich Somaliland von der Zentralregierung in Mogadischu ab.
Seitdem haben sich Somaliland und Somalia in gegensätzliche Richtungen entwickelt. Somalia ist das Synonym für einen "Failed State", einen gescheiterten Staat. Somaliland ist dagegen eine der sichersten Regionen am Horn von Afrika, hat eine eigene Währung, Armee und Polizei sowie ein demokratisches Fundament. Im Vergleich zu Somalia ist Somaliland relativ stabil.
Somaliland fast vollständig isoliert
Doch die fehlende internationale Anerkennung ist ein Problem. Somaliland kann keine Handelsbeziehungen aufnehmen, Verträge abschließen und sich wirtschaftlich entwickeln. Zuletzt hat der Präsident von Somaliland auf der Suche nach Partnern vorgeschlagen, den USA exklusiven Zugang zu Bodenschätzen zu geben. Das zeigt, wie verzweifelt das Land international um Unterstützung wirbt.
Die offizielle Anerkennung durch Israel ist zweifellos ein großer Gewinn für Somaliland, aber auch die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu profitiert. Sie hat die nationale Sicherheit im Blick: Somaliland liegt direkt am Golf von Aden, genau gegenüber der Arabischen Halbinsel. 200 Kilometer nördlich liegt der Jemen mit den Huthi-Terroristen. Die Gruppe ist ein wichtiger Verbündeter des Iran. Huthi-Führer Abdel-Malik al-Houthi sagte jüngst, seine Gruppe habe die "Finger am Abzug" und könne im Krieg gegen Israel und die USA jederzeit eingreifen. Noch halten sie sich im aktuellen Krieg aber zurück.
Das war in der jüngeren Vergangenheit anders. Die Huthi feuerten immer wieder ballistische Raketen auf Israel ab. Das hat Israel und die USA zu Gegenangriffen veranlasst. Voriges Jahr gab es mehrere Attacken seitens Israel und der Amerikaner. Größter militärischer Erfolg waren die israelischen Luftangriffe in Jemens Hauptstadt Sanaa Ende August. Dabei starben 13 hochrangige Huthi-Funktionäre.
Die Huthi sind seitdem spürbar geschwächt, aber dennoch eine große Bedrohung für Israel und die Region. Seit Beginn des Gaza-Kriegs haben die Huthi Handelsschiffe mit angeblichem Bezug zu Israel und israelischen Unterstützern im Roten Meer angegriffen, um den Welthandel zu torpedieren und die Hamas zu unterstützen.
"Idealer Standort für Angriffe auf die Huthi"
Jetzt könnte Israel zurückfeuern: Derzeit denkt Israel Medienberichten zufolge darüber nach, eine Militärbasis an der Küste von Somaliland zu bauen. Der Flughafen in Berbera bietet laut Bloomberg "einen idealen Standort für Angriffe auf die Huthi". Die Start- und Landebahn ist über vier Kilometer lang.
Zwischen 2019 und 2021 wurde der Flughafen mithilfe der Vereinigten Arabischen Emirate aufwendig restauriert. Die VAE engagieren sich schon seit 2017 in Somaliland. Der Hafen von Berbera wurde von einer emiratischen Firma zu einem Tiefseehafen ausgebaut. Seitdem werden 30 Prozent mehr Container von Berbera aus verschifft als vorher. Außerdem haben die VAE bereits das, was die Israelis gerne wollen: einen eigenen Militärstützpunkt in Somaliland.
Weil die Emirate schlechte Beziehungen zu Somalia haben und Mogadischu Partnerschaften mit der Türkei und Emiraten-Erzfeind Katar pflegt, unterstützen sie seit einigen Jahren Somaliland. Die Vereinigten Arabischen Emirate könnten schon bald ebenfalls Somaliland als offizielles Land anerkennen. Das hat neben Israel bisher nur Taiwan gemacht.
Aber das Manöver von Netanjahu kommt nicht überall gut an. Vor allem die Afrikanische Union befürchtet, dass die ohnehin instabile Region am Horn von Afrika noch weiter destabilisiert werden könnte. Israel sieht dagegen die strategischen Vorteile durch eine enge Anbindung an Somaliland. Der Militärstützpunkt der Vereinigten Arabischen Emirate wird laut verschiedener Medienberichte sogar schon jetzt von israelischen Streitkräften mitgenutzt.
Beide Länder - Israel und die VAE - haben ein großes Interesse daran, die Handelsroute durch das Rote Meer wieder im großen Stil nutzbar zu machen. Das würde den Schiffen zwischen Asien und Europa zwei Wochen Zeit einsparen. Es wäre ein Segen für die Weltwirtschaft. Dafür müssen aber erst die Huthi beseitigt werden. Aus Somaliland heraus könnte das deutlich einfacher gelingen. Deshalb profitiert Israel vom guten Verhältnis mit den Abtrünnigen.