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Yes, he can Kann Trump Präsident werden?

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Sicher ist: Donald Trumps Wahlkampf gegen Hillary Clinton wird schmutzig.

(Foto: REUTERS)

Alle Versuche, Donald Trump zu stoppen, sind gescheitert. Der Milliardär hat die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner so gut wie sicher. Zwischen ihm und dem Weißen Haus steht nur noch Hillary Clinton.

Der US-Bundesstaat Indiana sollte das letzte Bollwerk gegen Donald Trump sein - der Bundesstaat, in dem der Siegeszug des Milliardärs gestoppt wird. Für dieses Ziel hatten sich seine letzten verbliebenen Konkurrenten verbündet, der fundamentalistisch-konservative Ted Cruz und der moderate John Kasich.

Nur darum ging es noch: Blockade, #NeverTrump, wie sich eine von Republikanern gegründete Organisation nennt. In Indiana sollte verhindert werden, dass Trump die Schwelle der 1237 Delegierten erreicht, die nötig sind, um eine Präsidentschaftskandidatur der Republikaner vorzeitig zu sichern.

Der Plan ging gründlich daneben. Trump erhielt in Indiana 53,3 Prozent der Stimmen und mindestens 51 der 57 Delegierten, die aus dem Staat zum Nominierungsparteitag der Republikaner entsandt werden. Cruz zog die Konsequenzen und schied aus dem Rennen aus.

Mit den Delegierten aus Indiana kommt Trump nun auf mindestens 1007 Delegierte. Dazu kommen noch 45 "ungebundene Delegierte", die ebenfalls für ihn stimmen wollen. Ihm fehlen also nur noch 185 Stimmen, um beim Parteitag, der vom 18. bis zum 21. Juli in Cleveland stattfindet, im ersten Wahlgang gewählt zu werden (was für ihn wichtig ist, denn im zweiten Wahlgang könnte es paradoxerweise sein, dass er keine Mehrheit hat).

Kann er das schaffen? Neun Vorwahlen veranstalten die Republikaner noch, 578 Delegierte sind noch zu vergeben, Trumps letzter Gegenkandidat ist Kasich. Der hat bislang nur einen einzigen Bundesstaat gewonnen, Ohio, wo er Gouverneur ist, und er hat nur 153 Delegierte - selbst Senator Marco Rubio, der schon vor einer gefühlten Ewigkeit aufgegeben hat, kommt auf mehr Delegierte. Und Trump hat nicht nur die meisten Delegierten, er hat auch einen Lauf: Sieben Siege in Folge sprechen für sich.

Die Antwort ist also: Ja, Trump wird es schaffen, die Präsidentschaftskandidatur ist ihm nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu nehmen.

Aber kann er auch Präsident werden? Die Zahlen sagen nein. Hillary Clinton, der die Kandidatur der Demokraten nicht mehr zu nehmen ist, liegt in den meisten Umfragen, die von einer Konstellation Trump gegen die frühere Außenministerin ausgehen, vorn.

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(Foto: AP)

Zudem gibt es einige republikanische Politiker, die Trump verhindern wollen. Mark Salter, ein Ex-Berater des republikanischen Senators John McCain, twitterte nach der Wahl in Indiana den Clinton-Slogan "I'm with her", ich unterstütze sie. Viele Republikaner befürchten (und viele Demokraten freuen sich darauf), dass ein Kandidat Trump nicht nur gegen Clinton verliert, sondern den Demokraten auch einen Sieg bei den Kongresswahlen bescheren wird; bislang haben die Republikaner eine Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus.

"Ein pathologischer Lügner"

Trump weiß natürlich, dass er sich jetzt um die Wähler der Mitte kümmern muss. Er ist daher zuletzt gelegentlich etwas gemäßigter aufgetreten. In seiner Siegesrede nannte er Cruz einen "höllischen Konkurrenten", der noch eine fantastische Zukunft vor sich habe. Keine 24 Stunden zuvor hatte Cruz seinen Gegner ausführlich analysiert - und beleidigt: Trump sei ein "pathologischer Lügner", praktisch jedes Wort aus seinem Mund sei eine Lüge, er kenne den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge gar nicht. Trump werfe seinen Gegnern immer genau das vor, was er selbst mache. "Das ist ein Muster, wie aus einem Psychologie-Lehrbuch." Dazu sei Trump ein "Narzisst", wie das Land noch keinen gesehen habe und "vollkommen amoralisch".

Der Grund für Cruz' Wutrede: Trump hatte eine hochgradig dubiose Geschichte des "National Enquirer" aufgegriffen. Das Revolverblatt gehört einem Freund von ihm und hat schon früher eine Schmutzkampagne gegen Cruz organisiert. Jetzt stellte es die Behauptung auf, es gebe eine "Verbindung" zwischen Cruz' Vater und Lee Harvey Oswald, dem Mörder von US-Präsident John F. Kennedy. Am Dienstag verkündete Trump bei Fox News, Rafael Cruz sei mit Lee Harvey Oswald zusammengetroffen, bevor Kennedy ermordet wurde.

Mit dem Vorwurf hat Trump, wieder einmal, zwei Dinge bewiesen: Die Wahrheit interessiert ihn nicht, und er wirft mit jedem Schmutz, den er bekommen kann.

Mit dieser Strategie war Trump bislang sehr erfolgreich. In den Vorwahlen hat er 16 Mitbewerber aus dem Feld geschlagen. Jeb Bush, der vor einem Jahr noch als Favorit galt, wurde von ihm geradezu vernichtet. Im Dezember sagte Bush zu Trump, dieser könne sich den Weg ins Weiße Haus nicht durch Beleidigungen erkämpfen. Doch bislang hat Trump genau das getan. Bush war für ihn der "Niedrigenergie"-Kandidat, Rubio war "Little Marco", Cruz war "Lügen-Ted". Die Etiketten blieben haften, die Kandidaten mussten aufgeben.

Allerdings hat sein schmutziger Wahlkampf viele Wähler abgestoßen. Umfragen zeigen, dass Trump ein außergewöhnlich unbeliebter Kandidat ist. Im Schnitt sagen nur 28,4 Prozent aller Wähler, dass sie Trump mögen; 65,4 Prozent mögen ihn nicht.

Aber: Viel beliebter ist Clinton nicht, bei ihr liegt das Verhältnis bei 38,4 zu 54,9 Prozent. Und im Moment läuft der Trend zu ihren Ungunsten: Immer mehr US-Amerikaner sagen, dass sie Clinton nicht mögen. Auch in den Umfragen, in denen sich die Wähler für Trump oder Clinton entscheiden müssen, holt der Milliardär auf.

Kurzum: Eigentlich ist es nicht wahrscheinlich, dass Trump die Wahl am 8. November gewinnt. Aber vor einem Jahr war es auch nicht wahrscheinlich, dass er die Vorwahlen der Republikaner gewinnt.

Quelle: n-tv.de

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