Politik

"Absolut unsouverän"Karnevalskünstler Tilly fassungslos über Moskaus Prozess gegen ihn

28.01.2026, 14:29 Uhr
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Vier Tage nach dem Angriff auf die gesamte Ukraine: Jacques Tilly steht vor einem Motivwagen mit Putin. (Foto: picture alliance/dpa)

Noch nicht einmal eine Vorladung hat er bekommen. Dennoch startet in Moskau ein Prozess gegen den deutschen Künstler Jacques Tilly. Sein Vergehen: Karnevalswagen mit Kremlchef Putin.

Mit Blick auf den an diesem Mittwoch anstehenden Prozess in Moskau wegen seiner satirischen Spitzen gegen Kremlchef Wladimir Putin hat sich der Düsseldorfer Karnevalskünstler Jacques Tilly kritisch geäußert. Der Prozess um seine satirischen Karnevalswagen sei "jenseits aller Verhältnismäßigkeit", sagte der 62-Jährige dem Westdeutschen Rundfunk. "Ich bin eigentlich sprachlos, muss ich sagen."

Tilly ist Chef-Wagenbauer des Düsseldorfer Rosenmontagszugs und bekannt für politisch freche Wagen. Seit Jahren schon nimmt Tilly insbesondere Putin und dessen aggressive Politik aufs Korn. Im vergangenen Jahr hatte ein russisches Gericht ein Strafverfahren gegen Tilly eingeleitet. Die Verhandlung soll an diesem Mittwoch stattfinden.

Er habe aus Russland "überhaupt nichts gehört, noch nicht mal einen Brief oder eine Vorladung", sagte Tilly weiter. Die Vorwürfe wegen angeblicher Falschmeldungen über die russische Armee seien "unsinnig", betonte der 62-Jährige, der dem Verfahren in Moskau demnach fernbleibt.

In Wahrheit werde "die Möglichkeit der Kritik und der satirischen Kritik an deren geliebtem Zar Putin geahndet". Es sei "absolut unsouverän, satirische Pappfiguren vor den Kadi zu zerren", fügte Tilly hinzu. Die Folgen des Prozesses seien schwer abzuschätzen, sagte Tilly weiter. "Solange ich nicht in irgendwelche Länder reise, die ein Auslieferungsabkommen mit Moskau haben, passiert erstmal nichts." Der Prozess betreffe ihn daher derzeit "nur indirekt".

Putin blutgetränkt und hinter Gittern

2014 hatte ein Mottowagen Putin beim Düsseldorfer Rosenmontagszug als Kraftprotz im Muskelshirt gezeigt. Den Bizeps des Kreml-Chefs ersetzten die Macher dabei mit einer Bombe mit der Aufschrift "Krim", an der bereits die Lunte brennt.

2021 gestaltete Tilly einen Wagen, bei dem der später unter ungeklärten Umständen in einem Straflager in Russland gestorbenen Oppositionelle Alexej Nawalny einem übermächtigen Putin mit einem Grinsen in die Weichteile tritt. Ein Jahr nach dem russischen Angriff auf die gesamte Ukraine ließen Tilly und sein Team Putin in einer blutgetränkten Wanne in den blau-gelben Farben der Ukraine baden. 2024 erregte Tilly mit einer Putin-Figur hinter Gittern Aufsehen, die er auch gut sichtbar vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag platzierte.

Ob am Rosenmontag in knapp drei Wochen erneut Wagen mit Bezug zu Putin zu sehen sein werden, ließ Tilly in dem WDR-Interview offen. Zu Motiven und Themen herrsche "strengste Geheimhaltung". "Darum werde ich nicht verraten, ob wir hier einen oder mehrere Putins fahren lassen", betonte Tilly. Dennoch seien wieder zwölf politische Wagen geplant. "Das wäre auch noch schöner, wenn wir da irgendwie jetzt kuschen würden."

Quelle: ntv.de, ghö/AFP

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