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"Geht schon mengenmäßig nicht"Kassenärzte-Chef erklärt Termingarantie bei Fachärzten zur "Nebelkerze"

09.10.2026, 10:19 Uhr
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Hausärzte sollen bei Bedarf an Fachärzte überweisen.

Die Bundesregierung möchte ein verbindliches System zur Vergabe von Facharztterminen einführen. Aus Sicht des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist das aber kein Allheilmittel. Er weist auf ein konkretes Problem hin.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, warnt vor zu hohen Erwartungen an eine angepeilte "Termingarantie" für Facharztbehandlungen. Dies sei "eine Nebelkerze", sagte er dem Podcast "Lebensretter" der Björn-Steiger-Stiftung. "Weil jeder, der klar denken kann, weiß, das kann ja nicht funktionieren, dass jeder zu jeder Zeit bei jedem Facharzt, wo er hin möchte, einen Termin garantiert bekommt. Das geht ja schon mengenmäßig nicht."

Union und SPD wollen ein verbindliches Steuerungssystem einführen, bei dem man primär - also zuerst - in eine Hausarztpraxis geht. Sie überweist dann bei Bedarf und mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum an Fachärzte. Geht das nicht in einer Praxis, soll man auch zu Fachärzten in eine Klinik gehen können. Das soll eine "Termingarantie" darstellen, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Bei Kindern sollen Kinderärzte erste Anlaufstellen sein. Ergänzt werden soll alles durch eine erste digitale Einschätzung noch vor dem Weg zur Praxis.

Gassen regte an, sich darauf zu verständigen, "dass wir die wirklich dringenden Patienten schneller in die richtigen Versorgungsebenen bekommen, und zwar losgelöst von ihrem Versichertenstatus". Zugleich müsse man sehen, ob man dann vielleicht gewisse Termine auch mit einem längeren Vorlauf als völlig angemessen akzeptieren könne, wie das in anderen Ländern der Fall sei.

Mit Blick auf die geplante Notfallreform für mehr Steuerung bei dringenden Anliegen sprach sich der Kassenärzte-Chef auch erneut für eine finanzielle Lenkung aus. Jemand, der bei längeren Rückenschmerzen nächste oder übernächste Woche einen Termin beim Orthopäden bekomme, aber trotzdem in die Notaufnahme gehe, "der müsste dann diese Behandlung selbst bezahlen". Das könne die Solidargemeinschaft nicht leisten, und es blockiere Ressourcen.

Gassen wandte sich gegen prinzipielle Kritik am Nebeneinander von gesetzlich und privat Versicherten. Bei der Qualität gebe es keine Zweiklassenmedizin. Worüber gestritten werde, seien zum Teil wirkliche Komfortmerkmale. "Das ist eine ähnlich absurde Diskussion, als wenn Sie im Flugzeug diskutieren wollen, warum ein Economy-Platz billiger ist als ein Business-Class-Platz. Das ist der gleiche Flieger, der gleiche Pilot, nur Sie haben ein bisschen mehr Platz zum Sitzen, kriegen anderes Essen." Man müsse hier rhetorisch abrüsten.

Quelle: ntv.de, lme/dpa

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