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Anstifter mehrerer Anschläge Kassim - der neue Strippenzieher des IS?

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Rachid Kassim in einem IS-Propagandavideo - kurz bevor er einen angeblichen Spion hinrichtet.

AP

Nach den beiden vereitelten Anschlägen in Paris führt die Spur der Ermittler ins syrische Kriegsgebiet: Von dort aus soll der 29-jährige IS-Rekrutierer Rachid Kassim junge Franzosen zu bestialischen Bluttaten anstiften. Und sein Netzwerk ist größer als vermutet.

Nach den vereitelten Anschlagsplänen dreier Frauen und eines 15-jährigen Teenagers in Frankreich rückt der Name eines Mannes zunehmend in den Fokus: Der 29-jährige Rachid Kassim soll mit mehreren Beschuldigten über den verschlüsselten Messenger-Dienst Telegram in Kontakt gestanden und sie zu den Attentaten angestiftet haben. Die Ermittler vermuten, dass sich der Islamist derzeit im Irak oder in Syrien aufhält - schon 2012 verließ er demnach Frankreich, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Und womöglich war er nicht nur der Ideengeber für die beiden jüngsten, vereitelten Anschläge.

Ein Propagandavideo, das bereits im vergangenen Juli vom IS-Medienbüro Wilayat Ninawa im Irak veröffentlicht worden ist, soll Kassim mit einem weiteren IS-Kämpfer zeigen. Auf den Bildern ist zu sehen, wie der gebürtige Franzose mit algerischen Wurzeln einen angeblichen Spion enthauptet und den Anschlag von Nizza mit 86 Toten preist. Kassim soll es auch gewesen sein, der mit Inès M., der 19 Jahre alten mutmaßlichen Anführerin des Frauentrios von Notre Dame, in Kontakt stand.

Gemeinsam mit zwei weiteren Terrorverdächtigen, Sarah H. und Amel S., war die junge Frau vergangene Woche von französischen Ermittlern festgenommen worden. Die Gruppe hatte vergeblich versucht, ein mit mehreren Gasflaschen beladenes Auto im Zentrum von Paris in die Luft zu sprengen - offenbar auf Geheiß von Kassim, der IS-Anhängern nach Medieninformationen nur einen Monat zuvor genau dieses Vorgehen für potenzielle Anschläge empfohlen hatte. Der Zeitung "Le Parisien" zufolge ist der Plan nur deshalb gescheitert, weil die Frauen im Wagen in Streit gerieten und schließlich flüchteten, als sie eine Zivilstreife zu sehen glaubten.

"Schwestern, macht weiter! Kämpft!"

Bei ihrer Festnahme war Inès M. mit einem Fleischermesser auf einen Polizisten losgegangen und hatte nur durch mehrere Schüsse von der Polizei gestoppt werden können. Wie "Le Parisien" weiter berichtet, würdigte Kassim den Gewaltakt später in einer Botschaft über Telegram mit den Worten: "Sie schwang ein Messer und traf einen Polizisten. Frauen, Schwestern, macht weiter! Kämpft! Aber wo sind die Männer?"

Unklar ist bisher, inwieweit Kassim als Bindeglied zwischen dem Frauenkommando und dem 15-jährigen Jungen gedient hat, der am vergangenen Wochenende wegen des Verdachts auf einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag in Paris festgenommen wurde. Aus Justizkreisen hieß es, der Teenager habe vorgehabt, mit einem Messer auf Passanten einzustechen und als Märtyrer zu sterben. Er sei ebenfalls von Kassim angeleitet worden und habe zudem mit einer der mutmaßlichen Islamistinnen von Paris Telegram-Nachrichten ausgetauscht.

Kassim - ein Mann "ohne Geschichte"

Wie gefährlich der Einfluss von Kassim als Rekrutierer junger, radikalisierter Franzosen mittlerweile ist, soll den Ermittlungsbehörden durchaus bewusst sein. Medienberichten zufolge glauben sie, dass auch der Mord am Priester der katholischen Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray sowie das tödliche Attentat auf zwei Polizisten in Magnanville im vergangenen Sommer auf Kassim zurückgehen. Dennoch kann derzeit - wie über vieles im Zusammenhang mit Kassim - nur spekuliert werden, wie groß das Netzwerk des Islamisten tatsächlich ist.

Fakt ist: Kassim stammt aus Roanne, einer Kleinstadt nordwestlich von Lyon, und war dort offenbar als Betreuer in einer Sozialeinrichtung für Kinder aktiv. Nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Algerien 2011 begann er offenbar, sich zu radikalisieren. Nur ein Jahr später reiste er mit Frau und Kind über Ägypten nach Syrien. Wo genau er sich jetzt aufhält, ist nicht bekannt. Der französische Sender BFMTV beschreibt den jungen Kassim in einer Reportage als "Schüler ohne Geschichte", aber auch ohne Vorstrafen - und mit einer Vorliebe für Rap-Musik. "Ich bin ein Terrorist", soll er in einem seiner Songs gereimt haben.

Quelle: n-tv.de, jug

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