Ausweitung der Angriffe geplant?Kiew informiert offiziell über "unsicheren russischen Luftraum"

Die Ukraine setzt in ihrem Verteidigungskampf auch auf Angriffe im russischen Hinterland. Meldungen aus Kiew deuten auf eine geplante Ausweitung der Drohneneinsätze hin. Der ukrainische Außenminister Sybiha wendet sich an die Internationale Luftfahrtbehörde und gibt eine Warnung raus.
Die ukrainische Regierung hat die Internationale Zivilluftfahrtorganisation darüber informiert, dass "der russische Luftraum nicht sicher ist". Das gab der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha im Onlinedienst X bekannt und verwies auf die "Zunahme militärischer Aktivitäten" über Russland. Sybiha forderte dazu auf, den russischen Luftraum zu meiden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits am Dienstag eine ähnliche Warnung an Fluggesellschaften, Versicherungsunternehmen und Passagiere ausgesprochen, die den russischen Luftraum nutzen. "In Russlands Luftraum werden sich Drohnen in einem Ausmaß befinden, das berücksichtigt werden muss", erklärte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft in Onlinediensten. "Die sicheren Tage im russischen Luftraum sind vorbei", fügte er hinzu.
"Die Ukraine will nicht, dass unschuldige Menschen ihr Leben verlieren", sagte Selenskyj weiter. Daher würden die Verbündeten seines Landes gewarnt. Die Ukraine bedroht die zivile Luftfahrt "nicht als solche - kein einziges ziviles Flugzeug". Ein "von Drohnen wimmelnder Luftraum" sei allerdings "kein Ort für die zivile Luftfahrt", fügte der ukrainische Staatschef hinzu.
Russlands Präsident Wladimir Putin brandmarkte Selenskyjs Äußerungen daraufhin als "Staatsterrorismus". "Wenn dies laut ausgesprochen wurde, dann ist das schlichtweg eine Erklärung des Staatsterrorismus", sagte Putin in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. "Sollten sich solche Tragödien ereignen, werden wir wissen, wie wir darauf reagieren müssen."
Verheerende Angriffe auf die Ukraine
Mehr als vier Jahre nach Beginn seines Angriffskriegs überzieht Russland das Nachbarland unvermindert mit Angriffen. Dabei setzt die russische Armee auch verstärkt ballistische Raketen ein, die Kiew wegen eines Mangels an Abfangraketen nur schwer abwehren kann. Vor einer Woche teilte Selenskyj während einer Pressekonferenz mit seinem estnischen Amtskollegen Alar Karis allerdings mit, dass die Ukraine einige Patriot-Raketen erhalten habe.
Eine konkrete Zahl nannte er nicht. Sein Land benötige aber weitere Patriot-Raketen, fügte der Staatschef hinzu. Die Lieferung der Abfangraketen machte sich bemerkbar: In der Nacht zum 27. August konnte die ukrainische Luftwaffe mit sieben ballistischen Raketen erstmals seit längerem wieder eine höhere Zahl an Raketen abfangen, in der Nacht zum 1. September schoss die Ukraine nach eigenen Angaben fünf Raketen ab.
Die Ukraine hatte zuletzt ihre Gegenangriffe auf die russische Infrastruktur verstärkt, darunter Raffinerien, Öldepots und Häfen. Kiew sieht diese Anlagen als legitime Ziele, um die Einnahmen Russlands aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seines Krieges in der Ukraine zu reduzieren.