Politik

Nordkorea nennt Test erfolgreich Kim lässt Wasserstoffbombe zünden

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un setzt weiter auf Eskalation und testet angeblich eine Wasserstoffbombe - eine besonders starke Nuklearwaffe. Nachbarländer messen heftige Beben auf der koreanischen Halbinsel. Merkel und Gabriel verurteilen den Test.

Trotz aller Sanktionen hat Nordkorea seinen bisher größten Atomwaffentest unternommen. Wie Staatsmedien in Pjöngjang berichteten, sei eine Wasserstoffbombe getestet worden, die weit stärker als herkömmliche Atomsprengsätze ist. Der Test sei erfolgreich verlaufen. Das staatliche Atomwaffeninstitut sprach von einem "perfekten" Test.

Es habe sich um einen bedeutsamen Schritt zur Vollendung des Atomwaffenprogramms gehandelt, hieß es weiter. Mit der Bombe könne auch eine neue Interkontinentalrakete (ICBM) bestückt werden, berichtete Nordkoreas Staatsfernsehen laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Südkorea und Japan bestätigten den neuen unterirdischen Atomversuch.

Der sechste Atomtest seit 2006 ist eine massive Provokation des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in den stark gewachsenen Spannungen mit den USA und den Ländern in der Region. US-Präsident Donald Trump hat "militärische Optionen" nicht ausgeschlossen, um Nordkorea daran zu hindern, sein Atom- und Raketenprogramm weiter zu entwickeln. Auch hatte der US-Präsident mit "Feuer und Wut" gedroht, was Sorgen vor einem verheerenden bewaffneten Konflikt anfachte.

Erste seismische Hinweise auf den unterirdischen Atomversuch gab ein Erdbeben der Stärke 6,3 in der Provinz Nord-Hamgyong im Nordosten, wo auch frühere Nuklearversuche unternommen worden waren. Die Stärke des heftiges Bebens könnte Seismologen zufolge ein Indiz für eine Wasserstoffbomben-Explosion sein. Das Beben war auch in der 650.000 Einwohner zählenden chinesischen Grenzstadt Yanji spürbar. Das chinesische Erdbebenamt berichtete wenig später ein zweites Erdbeben der Stärke 4,6 in Nordkorea, bei dem offenbar Hohlräume in der Erde zusammengebrochen waren.

Neue Sanktionen im Gespräch

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Seismische Aufzeichnungen japanischer Behörden zeigen die Detonation.

(Foto: REUTERS)

Nordkorea hatte auch nach dem Test im Januar des vergangenen Jahres von einem Wasserstoffbombentest gesprochen. Experten hatten allerdings stark die Angaben bezweifelt. Unmittelbar vor dem Test am Sonntag hatte Kim Jong Un bei einem Besuch im staatlichen Atomwaffeninstitut vorgegeben, jetzt auch eine Wasserstoffbombe zu besitzen, die auf eine Interkontinentalrakete montiert werden könne.

Der Atomversuch folgte auf den Test vergangene Woche mit einer Rakete, die über Japan geflogen ist. Die USA beraten deswegen gerade schon mit Japan oder auch den Mitgliedern im Weltsicherheitsrat über Gegenmaßnahmen. Nach dem Atomversuch sind neue Sanktionen erst recht denkbar. Peking spielt hier eine wichtige Rolle, weil rund 90 Prozent des Handels mit dem isolierten Land über China läuft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilten Nordkoreas Atomtest scharf und forderten härtere Sanktionen der EU gegen das isolierte Land. "Diese jüngste Provokation des Machthabers in Pjöngjang hat eine neue Dimension erreicht", heißt es in einer Erklärung, die die Bundesregierung nach einem Telefonat Merkels mit Macron veröffentlichte. Beide seien sich einig, dass Nordkorea das internationale Recht mit Füßen trete und die Staatengemeinschaft auf diese erneute Eskalation geschlossen und entschieden reagieren müsse. Neben dem UN-Sicherheitsrat sei auch die Europäische Union gefragt.

Außenminister Sigmar Gabriel erklärte, Nordkorea heize die ohnehin hoch angespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel bewusst weiter an. "Das Regime führt uns erneut vor Augen, dass es eine ernste Bedrohung für den Weltfrieden darstellt." Es gehe nun darum, gemeinsam eine besonnene, aber eindeutige Antwort zu finden.

So stark wie drei Hiroshima-Bomben

Nur Stunden vor dem Atomversuch hatte Nordkoreas Machthaber im Atomwaffeninstitut verkündet, seine neue Wasserstoffbombe könne auch auf eine Interkontinentalrakete montiert werden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Bilder der nordkoreanischen Medien zeigten am Sonntag ein Foto von Kim Jong Un und hochrangigen Parteifunktionären um einen runden silbernen Behälter, der angeblich den Sprengkopf für die Rakete zeigt.

Er sei "stolz auf die unbezwingbare Stärkung" der Atomstreitkräfte, wurde Kim zitiert. Nach offizieller Darstellung lässt sich die Sprengkraft der neuen Waffe von Dutzenden Kilotonnen "bis mehrere hundert Kilotonnen" variieren. Die Bestückung einer Langstreckenrakete oder ein Test einer Wasserstoffbombe wären weitere große Fortschritte im Atom- und Raketenprogramm des Landes, das seit Jahren strengen internationalen Sanktionen unterworfen ist.

Die Explosionskraft einer Wasserstoffbombe oder H-Bombe ist um ein Vielfaches höher als bei einer herkömmlichen Atombombe. Die Sprengkraft beim jüngsten Test könnte nach vorläufiger Schätzung bei etwa 50 Kilotonnen gelegen haben, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Regierungsbeamten in Seoul. Die Atombombe, die im Zweiten Weltkrieg von den USA über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen wurde, hatte eine Sprengkraft von 15 Kilotonnen TNT.

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Ein von Nordkorea veröffentlichtes Bild zeigt Kim und eine angebliche Wasserstoffbombe sowie deren Entwickler.

(Foto: REUTERS)

Südkorea verurteilte den jüngsten Atomtest aufs Schärfste und forderte noch härtere internationale Sanktionen gegen das Nachbarland. Seoul werde alle diplomatischen Maßnahmen ergreifen, um Nordkorea komplett zu isolieren, teilte die Regierung nach einer Dringlichkeitssitzung des nationalen Sicherheitsrats mit. Dazu werde Südkorea auch auf neue Sanktionen des UN-Sicherheitsrats hinwirken. Pjöngjang wurde eine "rücksichtslose Provokation" vorgeworfen.

Zusammen mit dem Verbündeten USA will Seoul den Angaben zufolge auch über die Verlegung "der stärksten taktischen Waffen" nach Südkorea diskutieren. Ob damit die erneute Stationierung von taktischen Atomwaffen gemeint war, blieb jedoch unklar. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hatte zuvor in Tokio erklärt, sollte es sich bei dem Erdbeben in Nordkorea tatsächlich um einen Atomtest gehandelt haben, sei dies absolut inakzeptabel. Man werde aufs Schärfste protestieren.

Xi schweigt sich aus

Russland äußerte sich besorgt über diese "Verletzung des Völkerrechts", die zu verurteilen sei. Es forderte alle Seiten zu Verhandlungen auf. Sie seien der einzige Weg, die Probleme auf der koreanischen Halbinsel zu lösen.

Auch das mit Pjöngjang verbündete China kritiserte die jüngste Provokation des kleinen Nachbarlandes. Ein Sprecher des Außenministeriums äußerte in Peking "den entschiedenen Widerstand" der chinesischen Regierung, die den Atomversuch "energisch verurteilt". Nordkorea solle aufhören, "falsche Aktionen zu unternehmen, die die Situation verschlimmern".

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping erwähnte den Atomwaffentest allerdings mit keinem Wort, als er mit einer 50-minütigen Rede zur Lage in der Welt das Wirtschaftsforum des diesjährigen Brics-Gipfels in der südostchinesischen Hafenstadt Xiamen eröffnete. Zu der Gruppe gehören Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa/AFP/rts

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