Politik

Gesundheits-Papier der Grünen "Gegen Klimakrise gibt es keinen Impfstoff"

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Städte bei Hitzewellen nicht überhitzen zu lassen, braucht neue Konzepte.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Giftige Atemluft, überhitzte Städte, gefährdete Trinkwasserversorgung: In einem ntv vorliegenden Strategiepapier macht die Grünen-Fraktion den Klimaschutz als wesentliches Element der Gesundheitspolitik aus. Ein Vier-Punkte-Plan soll die Grundlagen eines gesunden Lebens erhalten helfen.

Mit einem Vier-Punkte-Programm wollen die Grünen durch Klimaschutz die Gesundheit der Bevölkerung verbessern. Das geht aus einem Autorinnenpapier der Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und der umweltpolitischen Sprecherin der Fraktion, Bettina Hoffmann, hervor, das ntv vorliegt. Darin heißt es: "Ob wir gesund oder krank sind, hängt nicht nur von unserer Lebensweise ab, sondern entscheidend auch vom Klima."

Pro Jahr sterben nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur 70.000 Menschen in Deutschland vorzeitig durch Krankheiten, die durch Luftverschmutzung verursacht werden. Für gesündere Atemluft brauche es dem Papier zufolge eine Energie- und Mobilitätswende. Dazu müssten der Kohleausstieg auf 2030 vorgezogen und das Rad- und Fußwegenetz ausgebaut werden. Zudem dürften ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos neu zugelassen werden. Die Forderungen finden sich auch im Programm der Grünen für die Bundestagswahl.

Die Partei setzt zudem auf eine Bauwende, um für kühlere Luft in den Städten zu sorgen. Damit will sie hitzebedingte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Herzinfarkt oder Hitzschlag zurückdrängen. Mehr Parks, Stadtwälder und Dachgärten müssten entstehen, um kühlendes Stadtgrün zu fördern. Städte heizten sich in Hitzewellen besonders stark auf, heißt es in dem Papier. "Innenstädte sind dann um bis zu zehn Grad heißer als das Umland. Das ist für alle Menschen in den Städten anstrengend und belastend." Mit einem "Sonderfonds Hitzeschutzschild" sollen Kliniken und Pflegeheime bei klimagerechter Sanierung sowie Um- und Neubauten unterstützt werden.

Nächste Regierung soll "Klimaregierung" werden

Darüber hinaus wollen die Grünen mit einer Agrarwende dafür sorgen, dass Treibhausgas-Emissionen aus der Tierhaltung sinken und fruchtbare Böden durch einen geringeren Einsatz von Mineraldünger und Pestiziden erhalten bleiben. Die Partei hat sich 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 zum Ziel gesetzt. Das Pestizid Glyphosat will sie umgehend nach der Wahl verbieten. Als vierten Punkt in dem Papier sprechen sich die Grünen dafür aus, die Trinkwasserversorgung zu sichern. Hierzu soll vor allem Wasser in der Landschaft gehalten werden.

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"Wir brauchen erträgliche Temperaturen zum Leben und Arbeiten, sauberes Wasser, gute Luft und gesundes Essen", sagte Fraktionschefin Göring-Eckardt zu ntv. "All das steht mit der sich beschleunigenden Klimakrise auf dem Spiel." Die nächste Bundesregierung müsse eine Klimaregierung werden. Umweltpolitikerin Hoffmann forderte, Klimaschutz dürfe nicht nur Aufgabe der Umweltministerin sein. "Wenn der Gesundheitsminister oder die Ernährungsministerin ihre Jobs ernst nehmen, dann wären sie die glühendsten Klimaschützerinnen."

Die Auswirkungen der Klimakrise spüre Deutschland "im Ansatz" schon heute, schreiben die Grünen. 2018 seien mehr als 20.000 Menschen an Hitze gestorben, in diesem Jahr habe es die große Flut an Ahr und Erft gegeben. "Ohne konsequenten Klimaschutz werden die gesundheitlichen Risiken und Folgen weiter ansteigen." Die Grünen berufen sich in ihrem Papier auch auf einen aktuellen Aufruf von mehr als 220 medizinischen Fachjournalen an Staats- und Regierungschefs, den Klimanotstand ernst zu nehmen.

Quelle: ntv.de

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