Politik

"Nützt keinem Schwein" Klöckners Gütesiegel reicht Kritikern nicht

Ein staatliches Siegel soll Fleisch aus der Supermarkt-Theke in Qualitätsstufen einteilen. Verbraucherschützer und Grüne kritisierten das Tierwohl-Logo von Landwirtschaftsministerin Klöckner als "Wischiwaschi-Label".

Mehr Platz für Schweine, weniger Stress bei Schlachtung und Transport - und eine freiwillige Teilnahme: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die Kriterien für das neue staatliche Tierwohlkennzeichen vorgestellt, das Kunden beim Fleischkauf Rückschlüsse auf die Haltungsbedingungen ermöglichen soll. "Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Wegwerfware", erklärte die CDU-Politikerin. Deshalb gehe das Thema alle an, "nicht nur die Tierhalter, sondern auch Handel, Gastronomie und Verbraucher".

Das Label soll zunächst für Schweinefleisch gelten. Konkret ist eine dreistufige Kennzeichnung vorgesehen, die über die Haltungsbedingungen der Tiere von der Geburt bis zur Schlachtung informiert. Um mit dem Label auf den Verpackungen werben zu dürfen, müssen die Anbieter Klöckner zufolge "verpflichtend und überprüfbar" höhere Tierschutzanforderungen erfüllen.

Dadurch soll es nach Angaben der Ministerin Verbesserungen etwa beim Platzangebot in den Ställen, bei den Beschäftigungsmaterialien für die Tiere und bei deren Transport geben, aber auch bei Fortbildung und Stallmanagement der Tierhalter.

"Verbraucher sollen schnell erkennen können, wo mehr Tierwohl drinsteckt, und Tierhalter sollen für ihre Mehrinvestitionen zum Wohle der Tiere honoriert werden", erklärte Klöckner. Geplant ist zudem eine mehrjährige Informationskampagne.

52d70ab47a83725dc756321245c8206f.jpg

Klöckner stellte das neue Siegel vor.

(Foto: dpa)

Das Tierwohlkennzeichen ist freiwillig. Kritiker fordern eine verpflichtende Kennzeichnung und werfen Klöckner zudem vor, ihre Kriterien seien nicht streng genug. Die Ministerin werte "das Fleisch von Schweinen aus schlechter Tierhaltung auf, statt Missstände zu beseitigen", kritisierte die Umweltorganisation Greenpeace.

Unverbindlichkeit stört Kritiker

Der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Martin Rücker, bemängelte die Unverbindlichkeit: "Anstatt ein weiteres rein freiwilliges Siegel auf den Markt zu bringen, muss sich Julia Klöckner für gesetzliche Vorgaben einsetzen, damit alle und nicht nur einige wenige Nutztiere tiergerecht gehalten werden." Auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte, Bürger hätten das Recht, zu erfahren, wie die Tiere gehalten wurden, deren Produkte sie essen. "Dafür brauchen wir eine verbindliche Fleischkennzeichnung - kein freiwilliges Wischiwaschi-Label." In die gleiche Kerbe schlug Grünen-Chef Robert Habeck: "Das hilft keinem Schwein, Hühnern und Rindern schon gar nicht und den Verbrauchern auch nur bedingt."

Greenpeace warnte sogar vor Rückschritten für den Tierschutz. Statt eine überflüssige freiwillige Kennzeichnung mit Millionen an Steuergeld zu finanzieren, müsse die Ministerin Bauern bei mehr Tier- und Klimaschutz helfen.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

Mehr zum Thema