Politik

Teilmobilmachung in vollem Gange Kreml meldet Rekrutierung von 200.000 Soldaten

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Es hätten sich auch viele Freiwillige gemeldet, teilte der russische Verteidigungsminister Schoigu mit.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Rund 300.000 Reservisten will der russische Präsident Putin im Zuge der Teilmobilmachung einziehen. Der Großteil sei inzwischen der Armee beigetreten, berichtet Verteidigungsminister Schoigu. Experten aus London bezweifeln jedoch, dass für die Ausbildung der 200.000 Soldaten alles bereit ist.

Im Zuge der Teilmobilmachung in Russland sind nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu bereits mehr als 200.000 Menschen eingezogen worden. "Die Ausbildung erfolgt auf 80 Übungsplätzen und in 6 Ausbildungszentren", sagte er in Moskau seinem Ministerium zufolge. Befehlshaber des Militärs und der Marine sollten dabei helfen, "die Rekruten schnell an den Kampf anzupassen", und zusätzliche Ausbildung anbieten.

Experten des britischen Verteidigungsministeriums hatten zuvor noch von erheblichen Problemen berichtet. Russland sei nicht mehr in der Lage, ausreichend Ausrüstung und militärisches Training für die große Zahl an Rekruten bereitzustellen, hieß es im täglichen Kurzbericht. Schoigu sagte, die zuständigen Stellen seien angewiesen worden, den Rekruten die notwendige Kleidung und Ausrüstung zur Verfügung zu stellen und sie einzuweisen.

Nach Schoigus Darstellung haben sich viele Freiwillige gemeldet. Zahlen nannte er nicht. Es sollte niemand abgelehnt werden, "wenn es keine schwerwiegenden Gründe gibt". Wehrpflichtige, die ihre Dienstzeit beendet haben, sollten zudem nach Hause zurückkehren. Groß ist die Sorge unter den zumeist jungen Männern, dass sie nach ihrer Wehrdienstzeit in den Krieg im Nachbarland Ukraine geschickt werden könnten. Schoigu sagte aber mit Blick auf den Krieg, sie sollten Einheiten angegliedert werden, die nicht an der militärischen Spezialoperation beteiligt seien.

Russlands Präsident Wladimir Putin will nach offizieller Darstellung rund 300.000 Reservisten einziehen lassen, um nach den Niederlagen der russischen Armee in der Ukraine die besetzten Gebiete zu halten. In der vergangenen Woche hatte der Präsident Fehler bei der Mobilmachung eingeräumt und angekündigt, diese zu korrigieren.

200.000 Russen reisen nach Kasachstan

Die Mobilmachung löste eine Reihe von Protesten im Land aus. Zehntausende Männer im wehrfähigen Alter flohen vor der Einberufung ins Ausland, vor allem in Nachbarländer. Kasachstan meldete am Dienstag 200.000 Einreisen aus Russland innerhalb von zwei Wochen. Viele Russen hätten die Ex-Sowjetrepublik jedoch auch wieder verlassen.

Der kasachische Innenminister Marat Achmetdschanow betonte, dass es keine Einreisebeschränkungen für russische Staatsbürger geben werde. Bislang sind seinen Angaben zufolge 68 Anträge auf Einbürgerung gestellt worden.

Der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat den vor der russischen Teilmobilmachung nach Kasachstan fliehenden Russen Schutz zugesichert. Russische Behörden versuchen, wehrpflichtige Männer an der Grenze herauszufiltern, und haben zu diesem Zweck Ende September ein vorübergehendes Mobilisierungszentrum am Grenzübergang Karausek im russischen Gebiet Astrachan eröffnet.

Quelle: ntv.de, mbu/dpa/AFP

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