Politik

"Technologieoffen bleiben" Kretschmer hält sich Atomkraft warm

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Weiß, dass Atomkraft nicht gerade beliebt ist in Deutschland: Michael Kretschmer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie ist es um die Versorgungssicherheit in den kommenden Jahren bestellt? Diese Frage treibt den sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer um. Sollte es angesichts des Einsatzes von erneuerbaren Energien zu Engpässen kommen, kann sich der CDU-Politiker die Renaissance einer älteren Technologie vorstellen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hält einen Wiedereinstieg in die Atomkraft in Deutschland für denkbar. "Ob das nötig ist, wird davon abhängen, ob die Energiewende klappt, ob die Kosten im Rahmen bleiben und die Versorgungssicherheit gewährleistet ist", sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Es ist eine Frage, die in zehn oder 15 Jahren ansteht."

Kernforschung müsse weiter betrieben und gefördert werden: "Wir müssen technologieoffen bleiben. Das heißt nicht, dass wir gleich neue Kraftwerke bauen. Aber wir müssen die Kompetenz dafür behalten", betonte der Ministerpräsident. Zugleich räumte er ein, dass es für Atomkraft derzeit in Deutschland keine gesellschaftliche Mehrheit gibt. Das müsse man anerkennen. Es sei aber richtig, diese Frage immer wieder neu zu diskutieren: "Immerhin hätte man mit Atomenergie weniger CO2-Emissionen."

Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD wandte sich allerdings entschieden gegen entsprechende Spekulationen. "Ich stehe für Versuche, den Konsens zum Atomausstieg aufzubrechen, nicht zur Verfügung", sagte sie der Funke Mediengruppe. "Es bleibt dabei: 2022 werden die letzten Meiler abgeschaltet." Atomkraft sei eine Hochrisiko-Technologie, fügte Schulze hinzu.

Im Falle eines Wiedereinstiegs kann Deutschland auch nicht auf Unterstützung aus Brüssel setzen. Die EU-Kommission schließt eine Förderung von Atomkraft durch ihre jüngst vorgestellten Pläne zum Klimaschutz aus. "Das ist sichergestellt: Auf europäischer Ebene gibt es keine Förderung für Nuklearenergie", sagte EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn am Dienstag in Straßburg. Die EU-Kommission hatte zuvor einen Plan vorgestellt, der bis 2030 Investitionen in klimafreundliche Projekte im Umfang von einer Billion Euro vorsieht.

Die EU-Kommission will mit dem Vorschlag zu dem Ziel beitragen, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu machen. Allerdings stehen die Pläne noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Mitgliedstaaten. Diese streiten noch über die Frage der Atomkraft. Auf Druck osteuropäischer Länder und Frankreichs nannte der EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Dezember Atomkraft als mögliche Energiequelle auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP