Politik
Momentaufnahme aus Chemnitz: Kundgebungen in der Stadt ziehen auch gewaltbereite Anhänger aus der Hooligan-Szene an.
Momentaufnahme aus Chemnitz: Kundgebungen in der Stadt ziehen auch gewaltbereite Anhänger aus der Hooligan-Szene an.(Foto: imago/Max Stein)
Donnerstag, 30. August 2018

Rechte rufen zu Protesten auf: Kretschmer reist nach Chemnitz

In Sachsen drohen weitere unruhige Tage: Die rechte "Bürgerbewegung Pro Chemnitz" ruft zu einer neuen Kundgebung auf, um Ministerpräsident Kretschmer zu empfangen. Der CDU-Politiker will am Abend mit Bürgern ins Gespräch kommen.

Die gewalttätigen Ausschreitungen vom Wochenbeginn lassen Chemnitz nicht zur Ruhe kommen: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat für diesen Donnerstag einen Besuch in der Stadt angekündigt. Der CDU-Politiker will mit Bürgern über die Gewaltausbrüche der vergangenen Tage sprechen. Kretschmer hatte die von rechten Gruppierungen angestachelten Proteste, bei denen Migranten bedroht und verfassungsfeindliche Parolen gerufen wurden, als inakzeptabel bezeichnet und die Einsatzkräfte für ihr Vorgehen gelobt.

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Die als rechts eingestufte "Bürgerbewegung Pro Chemnitz" rief im Vorfeld des Kretschmer-Besuchs zu einer neuen Kundgebung auf, mit der der Ministerpräsident empfangen werden soll. Behörden und Sicherheitskräfte müssen sich auf einen weiteren Großeinsatz vorbereiten.

Bei einer Kundgebung am Montagabend hatten Anhänger der gewaltbereiten Hooligan-Szene nach Schätzungen der Polizei rund 6000 Teilnehmer fast aus dem gesamten Bundesgebiet mobilisiert. Nur durch den massiven Einsatz von Polizeikräften gelang es den Behörden, offene Straßenschlachten zwischen Rechtsradikalen und Gegendemonstranten zu verhindern. Mit Blick auf die hohe Gewaltbereitschaft der einst weitgehend unpolitischen Hooligan-Szene macht ein bekannter Fan-Forscher auch Verbindungen nach Russland verantwortlich.

Konzert gegen Rechts geplant

Die Gewaltausbrüche in Chemnitz schlagen unterdessen auch in der Kulturszene hohe Wellen. In der sächsischen Stadt laufen Vorbereitungen, mit dem prominente Künstler ein Zeichen gegen Aggression und Fremdenfeindlichkeit setzen wollen. Das Konzert gegen Rechts soll am kommenden Montag unter dem Motto "Wir sind mehr" stattfinden.

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Ab 17.00 Uhr werden auf dem Platz am Karl-Marx-Monument dann unter anderem "Die Toten Hosen", die Rapper Marteria & Casper, "K.I.Z", "Feine Sahne Fischfilet" sowie die Lokalmatadoren "Kraftklub" und "Trettmann" auftreten. Das gemeinsame Open-Air-Konzert sei eine Reaktion auf die "besorgniserregenden Entwicklungen" in Chemnitz in den vergangenen Tagen, teilte ein Sprecher der Musiker mit. Die Initiative sei von "Kraftklub" ausgegangen, hieß es.

"All den Menschen, die von den Neonazis angegriffen wurden, wollen wir zeigen, dass sie nicht alleine sind", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Musiker. Die Konzertveranstaltung ist für Besucher kostenlos. Binnen weniger Stunden nach Bekanntwerden des Auftritts signalisierten bei Facebook bereits Tausende ihre Teilnahme.

Auslöser der Spannungen in Chemnitz war der Tod eines 35-Jährigen, der am Wochenende am Rande der Festveranstaltung zum 875-jährigen Stadtjubiläum von Chemnitz durch Messerstiche ums Leben kam. Ein Iraker und ein Syrer sitzen als Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen der Behörden dauern an. Gestützt auf Gerüchte, Spekulationen und teils auch falsche Tatsachenbehauptungen riefen rechte Gruppierungen nach der Bluttat zu Protesten auf, aus denen heraus es zu gewalttätigen Übergriffen auf unbeteiligte Personen kam.

Für die CDU in Sachsen stellen die Vorfälle eine erhebliche Belastungsprobe dar. Zwischenzeitlich gelangte auch der Haftbefehl eines der beiden Tatverdächtigen an die Öffentlichkeit. Kretschmer will nach mehreren nichtöffentlichen Terminen am Abend mit Bürgern ins Gespräch kommen. In der Nacht zum Donnerstag blieb es in der Stadt nach Angaben der Polizei ruhig. Ein Polizeisprecher teilte mit, dass es zu keinen Straftaten gekommen sei, die mit den Ausschreitungen der vergangenen Tage in Zusammenhang stehen.

Quelle: n-tv.de