Politik

Ex-Serben-Politiker in Bosnien Kriegsverbrecher Krajisnik stirbt Corona-Tod

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Krajisnik wurde für seine Vergehen im Bosnien-Krieg zu 20-jähriger Haft verurteilt.

(Foto: REUTERS)

Er war ein Vertrauter des früheren bosnischen Serbenführers Karadzic: Im Bosnien-Krieg nahm Momcilo Krajisnik eine Schlüsselrolle ein. Mehr als ein Jahrzehnt später verurteilt ihn das UN-Kriegsverbrechertribunal zu einer langen Haftstrafe. Als freier Mann stirbt er nun infolge einer Corona-Infektion.

Der frühere bosnische Serben-Politiker Momcilo Krajisnik ist an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Der 75-Jährige starb im Universitätsklinikum in Banja Luka im Norden von Bosnien, wie staatliche Medien berichteten. Ende August hatte ein Test bei ihm eine Coronavirus-Infektion ergeben. Unmittelbar danach musste Krajisnik bereits künstlich beatmet werden.

Der verurteilte Kriegsverbrecher war während des Bosnien-Krieges (1992-1995) Parlamentspräsident des in Bosnien errichteten Separatstaates Republika Srpska (RS), in dem es unter anderem zum Massaker von Srebrenica kam. Krajisnik war ein enger Vertrauter des damaligen RS-Präsidenten Radovan Karadzic, den das Jugoslawien-Tribunal der Vereinten Nationen in Den Haag wegen Genozids und anderer Kriegsverbrechen 2019 zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt hatte.

Krajisnik war im Jahr 2000 von französischen Soldaten der Bosnien-Friedenstruppe SFOR verhaftet worden. Wegen der Vertreibung nicht-serbischer Zivilisten und Verbrechen gegen die Menschlichkeit hatte ihn das Haager Tribunal 2006 in erster Instanz zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt. 2009 verkürzte das Gericht die Strafe allerdings um sieben Jahre, da es keine ausreichenden Beweise für die Anklagepunkte Mord und Völkermord sah. Nach Verbüßen von zwei Dritteln seiner 20-jährigen Haftstrafe in Großbritannien kam Krajisnik 2013 frei.

Bei seiner Rückkehr in die einstige bosnisch-serbische Kriegshochburg Pale nahe Sarajevo wurde Krajisnik von Tausenden Anhängern wie ein Held empfangen. Er rief damals seine Landsleute auf, sich mit ihren einstigen muslimischen und kroatischen Gegnern im Bosnien-Krieg zu versöhnen. Im Bosnien-Krieg wurden etwa 100.000 Menschen getötet und 2,2 Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/AFP