Zweite BegnadigungswelleKuba lässt 2000 Gefangene frei

Kuba steckt in einer tiefen Krise. Die USA erhöhen derweil den politischen Druck auf den Inselstaat weiter. Nun entlässt die Regierung Tausende Menschen aus ihren Gefängnissen. Das soll einen religiösen Hintergrund haben.
Kurz vor Ostern hat die kubanische Regierung nach eigenen Angaben mehr als 2000 Gefangene begnadigt. Es handele sich um eine humanitäre Geste während der Karwoche, teilte die kommunistische Regierung auf X mit. Die Entscheidung zur Freilassung basiere auf einer Analyse der begangenen Straftaten, des guten Verhaltens der Inhaftierten, der bereits verbüßten Haftzeit und ihres Gesundheitszustandes, hieß es in einem Bericht der staatlichen Zeitung "Granma".
Unter den Begnadigten seien junge Menschen sowie Über-60-Jährige, Frauen und Ausländer. Nicht entlassen werden sollen demnach aber unter anderem Sexualstraftäter oder Mörder. Unklar war, ob politische Gefangene unter den Begnadigten waren. Menschenrechtsgruppen zufolge hält die kubanische Regierung Hunderte von politischen Gefangenen fest.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund massiver Spannungen mit den USA. Der kommunistische Inselstaat steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise, die seit drei Monaten durch ein US-Ölembargo dramatisch verschärft wird. Washington fordert unter anderem immer wieder die Freilassung von Häftlingen und hatte zuletzt den Druck auf Kuba erhöht, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen zuzustimmen.
Kontakt mit dem Vatikan
Bereits Mitte März hatte Havanna überraschend die Freilassung von 51 Häftlingen angekündigt - mit dem Hinweis, dies sei das Ergebnis der engen Kontakte mit dem Vatikan. Zuletzt hatte es Zeichen einer möglichen Vermittlerrolle der Kirche im Konflikt zwischen Havanna und Washington gegeben.
Es handele sich bereits um die zweite Freilassung von Inhaftierten in diesem Jahr im Zusammenhang mit den religiösen Feierlichkeiten der Karwoche, hieß es nun aus Havanna zur erneuten Begnadigung. Einen Bezug auf die Spannungen mit Washington stellte die Regierung nicht her.