Politik

Späte Entscheidung im Doppelsinn "Kükenschreddern" wird doch noch verboten

213745221.jpg

Männliche Küken sterben jedes Jahr zu Millionen - damit soll bald Schluss sein.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Rund 40 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr in Deutschland getötet - weil sie für die Eierproduktion überflüssig sind. Das soll sich heute ändern. Der Bundestag will die umstrittene Praxis beschließen. Alternativen gibt es auch schon.

Das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht soll ab Anfang 2022 in Deutschland verboten sein. Das sehen Gesetzespläne von Agrarministerin Julia Klöckner vor, die der Bundestag nach jahrelangem Ringen beschließen soll. Stattdessen sollen dann Verfahren auf breiter Front einsetzbar sein, um das Geschlecht im Ei zu erkennen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen. Die Entscheidung kommt nicht nur zu später Stunde (geplant ist die Abstimmung nach 22 Uhr), sondern auch spät in der Legislaturperiode. Und das nicht nur aus Sicht von Tierschützern: So war das Ende der umstrittenen Praxis im schwarz-roten Koalitionsvertrag schon bis 2019 vorgesehen.

Ab Anfang 2024 sollen nun nur noch Methoden erlaubt sein, die frühzeitiger beim Brüten der Eier funktionieren. Das soll Schmerzen für den Embryo vermeiden. "Ich kann als Ministerin für Deutschland Entscheidungen treffen und garantieren, dass es kein produziertes Ei mehr geben wird aus Deutschland heraus, wo das Kükentöten Praxis ist. Das werden wir verbieten für deutsche Betriebe", sagte Klöckner im "Frühstart" von ntv.

In Deutschland werden jährlich mehr als 40 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen routinemäßig getötet, weil sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen. Oft ist von "Schreddern" die Rede, die Tiere werden meist aber mit Gas getötet. Das Bundesverwaltungsgericht hatte 2019 entschieden, dass Tierschutzbelange schwerer wiegen als wirtschaftliche Interessen und erklärte die Praxis nur noch für eine Übergangszeit für zulässig. Der Tierschutzbund forderte zuletzt, das "lange überfällige Ende" des Kükentötens nicht noch aufzuweichen, sondern endlich festzuschreiben. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag steht ein Aus bis 2019.

40 Millionen Küken meist mit Gas getötet

Klöckner sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Verbot sei ein Meilenstein für den Tierschutz. "Damit sind wir weltweit Vorreiter." Mit Blick auf die möglicherweise ansteigenden Preise für Verbraucher sagte Klöckner: "Ein Ei wird ein paar Cent teurer werden, aber wir merken es immer wieder bei den Verbraucher-Umfragen: Die Verbraucher sagen uns, dass ihnen mehr Tierwohl auch mehr wert ist."

Zugleich habe man die Betriebe mit "vielen Millionen Euro" an Forschungsgeldern unterstützt, damit die Brütereien bereits früh das Geschlecht im Ei erkennen könnten und die männlichen Eier dann gar nicht erst ausgebrütet werden. Klöckner sagte dazu: "Wir ermöglichen es unseren Betrieben in Deutschland, hierzubleiben, zu wirtschaften, aber mit dieser Praxis auch Schluss zu machen.

"

Ein echtes Mehr an Tierschutz könnten nur die Abkehr von der Hochleistungszucht und die Förderung von Zweinutzungshühnern bringen, erläuterte der Tierschutzbund - dabei sollen weibliche Küken Eier legen, männlichen Küken werden zur Mast aufgezogen. Der FDP-Agrarpolitiker Gero Hocker warnte vor einem nationalen Alleingang. "Zukünftig werden noch mehr Produkte aus dem Ausland in unseren Regalen landen. Einfluss auf die Produktionsbedingungen wie das Tierwohl verlieren wir dann immer mehr." Nötig sei ein EU-weites Verbot des Kükentötens.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen