Politik

Russland fordert Entschuldigung Labor: Herkunft von Skripal-Gift unklar

Überraschende Wende in der Skripal-Affäre: Das britische Militärlabor äußert Zweifel daran, dass das beim Anschlag verwendete Nervengift tatsächlich aus Russland kommt. Nun fordert der Kreml eine Entschuldigung.

Die Skripal-Affäre bekommt durch Äußerungen des Leiters des britischen Militärlabors eine neue Wende. Russland fordert nun eine Entschuldigung Londons. Laut Gary Aitkenhead, dem Leiter des Forschungszentrums des britischen Verteidigungsministeriums, ist eine russische Herkunft des Nervengifts nicht eindeutig nachweisbar. "Wir haben seinen genauen Ursprung nicht identifiziert", hatte er dem Sender Sky News gesagt.

Die wissenschaftlichen Informationen seien an die britische Regierung gegangen, die dann zusammen mit anderen Hinweisen ihre Rückschlüsse gezogen habe, so der Chef des zuständigen Porton Down Labors. Die Wissenschaftler hätten aber festgestellt, dass es sich um das Präparat Nowitschok gehandelt habe, ein zur militärischen Verwendung gedachtes Nervengift.

Bislang hatte die britische Regierung den Eindruck erweckt, es gebe keine Zweifel, dass das Gift aus Russland gekommen sei. Der Fall hatte eine der schwersten diplomatischen Krisen zwischen London und Moskau ausgelöst - in Solidarität mit den Briten hatten mehrere Natostaaten, darunter die USA und Deutschland, russische Diplomaten ausgewiesen.

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Putin ist zurzeit auf Staatsbesuch in der Türkei bei Präsident Erdogan.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Nachdem die Äußerungen des britischen Laborchefs bekannt geworden waren, forderte Russland eine Entschuldigung von Großbritannien. "Auf irgendeine Weise muss man sich bei Russland entschuldigen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge bei einem Besuch von Präsident Wladimir Putin in der Türkei.

Nowitschok wurde vom sowjetischen Militär in den 1970er und 1980er Jahren entwickelt. Moskau bestreitet jegliche Verantwortung für den Giftanschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal und wirft London vor, die Schuld voreilig Russland zugeschoben zu haben.

Großbritannien geht davon aus, dass beide mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden und verdächtigt daher Russland, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Moskau bestreitet dies vehement. Russische Behörden hatten gefordert, in die Ermittlungen mit einbezogen zu werden.

Daher wird nun mit Spannung ein Treffen der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) erwartet, das Russland beantragt hatte. Der OPCW-Exekutivrat befasst sich am Mittwoch in einer Sondersitzung in Den Haag mit dem Fall Skripal.

Der russische Präsident Wladimir Putin hofft auf mehr Klarheit. "Ich hoffe, dass bei dieser Diskussion ein endgültiger Strich darunter gezogen wird", sagte Putin bei einem Besuch in der Türkei. Am Mittwoch steht eine Sondersitzung des OPCW-Exekutivrates zu dem Fall an. "Wir sind an einer vollwertigen Aufklärung interessiert", sagte er. Russland hatte der OPCW zuvor einen Fragenkatalog zur Klärung des Vorfalls geschickt. Nach russischen Angaben wollte die Organisation noch vor Beginn der Sondersitzung die Fragen beantworten.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP/rts/dpa