Politik

CDU-Wahlkampf ums Kanzleramt Laschet engagiert Ex-ntv-Geschäftsführerin Koch

Rund dreieinhalb Monate vor der Bundestagswahl läuft es in der medialen Außendarstellung von CDU-Chef Armin Laschet noch nicht rund. Um das zu ändern, verpflichtet der Kanzlerkandidat nun die ehemalige ntv-Geschäftsführerin Tanit Koch.

Der CDU-Vorsitzende und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat die Journalistin Tanit Koch als Beraterin im Bundestagswahlkampf engagiert. Das bestätigte der NRW-Ministerpräsident der Deutschen Presse-Agentur. "Wir gewinnen mit Tanit Koch eine erfahrene Journalistin und Kommunikationsexpertin - sie ist jetzt in meinem Team. Ich freue mich sehr." Die 43 Jahre alte ehemalige ntv-Geschäftsführerin Koch soll dpa-Informationen zufolge von der Berliner CDU-Zentrale aus Laschets Wahlkampfkommunikation leiten und seine Pressearbeit koordinieren.

Laschet reagiert mit dem Engagement Kochs auf schwache persönliche Umfragewerte und Kritik an seinem bisherigen Wahlkampf. So wurde ein TV-Auftritt in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" Ende März unionsintern wie in den Medien als unglücklich bewertet. Klare Botschaften, ein geplantes Vorgehen in den Medien, auf Pressekonferenzen und vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder bei Twitter - das solle Koch strukturieren helfen, ohne Laschets Qualitäten wie Volksnähe und Standvermögen dahinter unsichtbar werden zu lassen, heißt es aus der CDU-Spitze.

b796a6b7655cf22ec61b7d9a9c18fa4e.jpg

Koch war von 2019 bis 2020 Geschäftsführerin von ntv und Chefredakteurin der RTL-Zentralredaktion.

(Foto: dpa)

Tanit Koch stand von 2016 bis 2018 als erste Frau an der Spitze der "Bild"-Zeitung, die sie nach einem Zerwürfnis mit ihrem Co-Chefredakteur Julian Reichelt verließ. Im März 2019 wurde sie Geschäftsführerin von ntv und Chefredakteurin der RTL-Zentralredaktion. Im November 2020 wurde dann bekannt, dass Koch RTL wieder verlässt. Als Grund wurden von Senderseite "unterschiedliche Auffassungen über die künftige Struktur und den weiteren Weg" genannt. Der Vertrag der nach eigenen Angaben parteilosen Journalistin bei dem Kölner TV-Sender läuft Ende Juni aus.

Dass frühere Journalisten aus dem konservativen Springer-Konzern Politiker beraten, ist nicht neu: Einer von Kochs Vorgängern an der "Bild"-Spitze, Peter Boenisch, diente Bundeskanzler Helmut Kohl als Regierungssprecher, Ex-"Bild"-Politikchef Béla Anda war in dieser Funktion für SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder tätig. Von Schröder stammt auch das Bonmot, zum Regieren brauche er nur "Bild", "Bams" und "Glotze". "Bild"-Redakteur Georg Streiter brachte gar das Kunststück fertig, erst von der FDP und dann von der CSU Horst Seehofers als stellvertretender Regierungssprecher nominiert zu werden. Der Ex-Chef der "Bild am Sonntag", Michael Spreng, wiederum beriet CSU-Chef Edmund Stoiber bei dessen erfolgloser Kanzlerkandidatur 2002.

Mehr zum Thema

Dem aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer zufolge hat die Union aus CDU und CSU in der Wählergunst um zwei Prozentpunkte zugelegt. Demnach käme sie auf 27 Prozent und bliebe damit stärkste Kraft im Bundestag. Die Grünen müssten zwei Punkte abgeben und kämen auf 22 Prozent. In der Frage nach den Kanzlerkandidaturen der Parteien gewann Laschet einen Punkt hinzu und liegt somit mit 20 Prozent nur einen Punkt hinter der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

Quelle: ntv.de, cri/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.