Politik

Öffnung muss warten Lauterbach: Dritte Welle nicht mehr zu stoppen

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Raum für weitere Öffnungsschritte sieht SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach derzeit nicht.

(Foto: imago images/photothek)

Der Lockdown sollte die Ausbreitung der ansteckenderen Virus-Mutationen verhindern und die Sieben-Tage-Inzidenz auf unter 35 drücken. Doch SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sieht das Land am Beginn einer unaufhaltsamen dritten Welle. Auch Kanzleramtschef Braun dämpft Öffnungshoffnungen.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sieht Deutschland am Beginn einer dritten Corona-Ausbreitungsphase. "Wir sind noch nicht mitten in der dritten Infektionswelle, aber diese hat angefangen und lässt sich auch nicht mehr aufhalten", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Lauterbach geht deshalb davon aus, dass Öffnungsschritte verschoben werden müssen. Die von Bund und Ländern angestrebte Sieben-Tage-Inzidenz von 35 lasse sich an vielen Orten nicht mehr erreichen. Der Wert war über Wochen hinweg gesunken, zuletzt aber wieder etwas gestiegen. Am Dienstagmorgen lag er bei 60,5.

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Ausweg aus dem Lockdown über die Umsetzung von drei Öffnungsstufen skizziert, bemüht sich neben Lauterbach und Regierungssprecher Steffen Seibert auch Kanzleramtschef Helge Braun, die Hoffnungen im Zaum zu halten. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, sagte Braun in einer Schaltkonferenz mit den Staatskanzleichefs der Bundesländer, dass angesichts der Infektionslage zurzeit "keinerlei Öffnungen" möglich seien. Dabei soll die Runde für die kommende Bund-Länder-Runde am 3. März konkrete Öffnungsszenarien erarbeiten.

Eine eindringliche Warnung vor starken Lockerungen bereits im März kam auch von der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin. Deren Vorsitzender Christian Karagiannidis sagte der "Rheinischen Post", laut Berechnungen verliefen die Impfungen noch nicht schnell genug, um eine dritte Corona-Welle zu verhindern, sollte es vor April eine Rückkehr zu einem nur leichten Lockdown wie im November geben. Bund und Länder müssten aufpassen, "das Spiel in der Verlängerung nicht zu verlieren".

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband - kurz Dehoga - forderte gleichwohl von Bund und Ländern die rasche Entwicklung von Öffnungsszenarien. Das Gastgewerbe habe jetzt "einen Anspruch auf eine realistische Öffnungsperspektive in den kommenden Wochen", sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges der "Rheinischen Post".

Seibert: Zeit sinkender Zahlen "im Moment vorbei"

Merkel fasst einen Stufenplan für den allmählichen Ausstieg aus dem Corona-Lockdown ins Auge. Nach Angaben von Teilnehmern einer CDU-Präsidiumssitzung am Montag schlug die Kanzlerin Paketlösungen für drei gesellschaftliche Bereiche in Kombination mit vermehrten Corona-Tests vor. Merkel nannte demnach die persönlichen Kontakte, Schulen sowie Sport, Restaurants und Kultur. Die Kanzlerin mahnte allerdings auch zu großer Vorsicht bei Öffnungsschritten.

Regierungssprecher Seibert sagte, es gebe bereits erhebliche Öffnungsschritte bei Kitas und Schulen. Zudem sei die Zeit sinkender Infektionszahlen offensichtlich "im Moment vorbei". Auch lägen die Anteile der gefährlicheren Varianten des Coronavirus inzwischen bei 20 bis 25 Prozent - und "wir müssen davon ausgehen, dass das weiter zunimmt".

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern einigten sich am Montag darauf, dass die Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen sowie die Kita-Beschäftigten schneller geimpft werden sollen als bislang geplant. Sie sollen in der Impfverordnung von der Prioritätsgruppe drei in die Gruppe zwei hochgestuft werden, wie der Konferenzvorsitzende Klaus Holetschek von der CSU mitteilte.

Der Deutsche Lehrverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft begrüßten diese Entscheidung. Chefin Marlis Tepe forderte zugleich im Redaktionsnetzwerk Deutschland, da die meisten Schulen und Kitas bereits seit Montag dieser Woche wieder geöffnet sind, müsse die Geschwindigkeit der Impfkampagne "deutlich erhöht" werden.

Quelle: ntv.de, jog/AFP