Politik

"Die Herrschaft des Geldes" Le Pen greift Macron scharf an

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Le Pen geht in den Wahlkampf-Endspurt - und greift Macron scharf an.

(Foto: REUTERS)

In weniger als einer Woche wird der neue französische Präsident gewählt - oder die Präsidentin. Kandidatin Le Pen greift nun Konkurrent Macron direkt als Vertreter der Finanzwelt an. Aber auch ihr Vater lässt wieder einmal von sich hören.

Mit harten Angriffen gegen ihren europafreundlichen Gegner Emmanuel Macron hat die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen den Wahlendspurt eingeläutet. Eine knappe Woche vor dem entscheidenden Duell stellte die Rechtspopulistin Macron als Vertreter der Finanzwelt und der Globalisierung dar: "Ich rufe Euch auf, die Finanz, die Arroganz und die Herrschaft des Geldes zu verhindern", sagte Le Pen in Villepinte bei Paris vor Tausenden Anhängern.

Le Pen warf Macron vor, Frankreich "der deutschen Kanzlerin" unterwerfen zu wollen. Den Namen Angela Merkel nannte sie in diesem Zusammenhang nicht. Le Pen hatte sich im Wahlkampf mehrfach kritisch über Deutschland geäußert und gesagt, sie wolle "nicht Vizekanzlerin von Frau Merkel sein".

Macron warf derweil Le Pen vor, Frankreich in die Isolation führen zu wollen. Das Programm Le Pens und ihrer Front National sei "ein Programm der Abschottung, des Protektionismus, des Isolationismus, des Nationalismus", sagte er bei einer Kundgebung in Paris. "Sie nutzen die Wut, propagieren Lügen, stacheln Hass an, schüren Spaltungen." Macron sagte, die Stichwahl am Sonntag werde Frankreichs Zukunft für Jahrzehnte entscheiden.

Le Pen und Macron treffen am kommenden Sonntag in der Stichwahl aufeinander. Der frühere Wirtschaftsminister Macron gilt in Umfragen als Favorit. Er war Investmentbanker, bevor ihn der sozialistische Präsident François Hollande 2012 als Topmitarbeiter in den Élysée-Palast holte. Le Pen sagte nun, die Finanzwelt habe ein Gesicht - es sei Macron. Der Kandidat werde von Milliardären unterstützt. Der EU-Skeptiker Nicolas Dupont-Aignan, designierter Premier von Le Pen, leitete deren Rede ein. Er hatte im ersten Wahlgang vor gut eine Woche nur 4,7 Prozent der Stimmen erhalten.

Doch kein Euro-Ausstieg?

Le Pen rückte derweil von einem ihrer wichtigsten Wahlversprechen, dem Euro-Ausstieg, ab. In einem Abkommen mit Dupont-Aignan steht, dass der Euro-Ausstieg in der Wirtschaftspolitik keine "Vorbedingung" sei. Am Montag ruderte Le Pen weiter zurück: Der Euro-Ausstieg sei weiterhin ihr Ziel, sagte sie im Sender Europe 1. In der Wirtschaftspolitik könnten aber "viele Maßnahmen" ergriffen werden, "die nicht mit der Währung zusammenhängen". Mit ihrer Abkehr vom Euro-Ausstieg versucht Le Pen offenbar auf die vielen Franzosen zuzugehen, die zwar EU-kritisch, aber nicht Euro-feindlich sind.

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Jean-Marie Le Pen trat in Paris auf.

(Foto: REUTERS)

Macron ist Chef der Bewegung "En Marche!", die sich weder links noch rechts verortet. Der 39 Jahre alte Senkrechtstarter sagte dem britischen Sender BBC, er habe im Wahlkampf stets Europa verteidigt. Es sei aber nötig, die Europäische Union tiefgreifend zu reformieren. Le Pen will Frankreich abschotten, sich von der EU abwenden und aus dem Euro aussteigen. An der Seine-Brücke Pont du Carrousel gedachte Macron des jungen Marokkaners Brahim Bouarram, der 1995 von Menschen ermordet wurde, die der extremen Rechten nahestanden.

Vater Le Pen verteidigt Nationalismus

Derweil legte Marine Le Pens Vater, der Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen, vor dem Denkmal der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc in Paris - wie schon in früheren Jahren - einen Kranz nieder. "Der Nationalismus ist die Liebe der Nation", sagte er vor dem Denkmal. Seine Tochter war bei dem Auftritt vor mehreren hundert Anhängern nicht anwesend. Der 88-Jährige war aus der Partei geworfen worden, ist aber nach einer richterlichen Entscheidung immer noch FN-Ehrenvorsitzender.

Zum 1. Mai gingen wieder zahlreiche Menschen auf die Straße, in der Hauptstadt gab es getrennte Märsche. Die gemäßigte Gewerkschaft CFDT hatte dazu aufgerufen, für Macron zu stimmen. Die radikaler eingestellte CGT und andere Gewerkschaften weigerten sich hingegen, für Macron einzutreten.

In Paris kam es am Rande der CGT-Demo zu Gewalt. Vier Polizisten wurden durch Molotowcocktails teils schwer verletzt. Laut Innenminister Matthias Fekl wurden die Bereitschaftspolizisten von "mehreren Dutzend" Demonstranten mit "zahlreichen Molotow-Cocktails" attackiert. Einer der vier Verletzten habe schwere Verbrennungen im Gesicht, ein anderer sei schwer an der Hand verletzt worden.

Nach Angaben der Polizei nahmen 30.000 Menschen an der Demonstration zum 1. Mai in Paris teil - drei Mal so viele wie nach Schätzungen der Polizei im vergangenen Jahr. Der Gewerkschaftsbund CGT sprach von 80.000 Teilnehmern. Die Lage eskalierte, als maskierte und vermummte Demonstranten die Polizei mit Wurfgeschossen und Molotowcocktails angriffen. Die Beamten setzten Tränengas ein.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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