Politik

Zum dritten Mal in der Stichwahl Le Pen wittert große Chance aufs Präsidentenamt

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Le Pen hofft, im dritten Anlauf den Élysée-Palast erobern zu können.

(Foto: picture alliance / abaca)

Ihr Wahlergebnis ist nicht so stark wie erwartet, aber dennoch einigermaßen deutlich: Marine Le Pen fordert erneut Emmanuel Macron in der Stichwahl um die Präsidentschaft heraus. Macron hat ihr im Wahlkampf viel Raum gelassen.

Wieder hat sie es in die Stichwahl geschafft und wieder heißt der Kontrahent Emmanuel Macron - diesmal aber als Amtsinhaber und nicht wie 2017 als forscher Newcomer. Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen unternimmt am 24. April einen weiteren Anlauf, um den Elysée-Palast zu erobern. Auch dieses Mal scheinen ihre Chancen nicht schlecht, auch wenn Macron nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl mit einigen Prozentpunkten die Nase vorn hat.

"Ich rufe alle, die nicht für (Präsident Emmanuel) Macron gewählt haben, dazu auf, sich uns anzuschließen", sagt sie in einer Ansprache an ihre Anhänger eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale. Nach den Hochrechnungen kommt sie auf 23,5 bis 24,7 Prozent der Stimmen, Macron auf zwischen 27 und 29,7 Prozent. "Wir haben gewonnen, wir haben gewonnen", skandieren ihre Anhänger. Le Pen spricht von einem "großen, vereinenden Projekt". Sie stehe für "Wirtschaftspatriotismus" und die "Wiederherstellung der staatlichen Autorität".

Ein Kind der Politik

Marine war die einzige der drei Töchter ihres Vaters und Parteigründers Jean-Marie Le Pen, die gar nicht in die Politik gehen wollte. Es war eine Rebellion gegen den Vater, um dessen Anerkennung sie zugleich buhlte - ein kompliziertes Verhältnis, das ihre gesamte Karriere geprägt hat.

Marine Le Pen war in vieler Hinsicht ein gebranntes Kind. Mit acht Jahren erlebte sie einen Sprengstoff-Anschlag, der ihrem Vater galt und der die Fassade ihres Wohnhauses einstürzen ließ. Ein Trauma, das sie härter machte, wie sie selbst sagt. Auch der öffentlich ausgetragene Scheidungskrieg ihrer Eltern und ihre Zeit als alleinerziehende Mutter dreier Kleinkinder hätten dazu beigetragen.

Bei den Le Pens waren Politik und Privatleben immer eng verwoben. Die Familie zog bald nach dem Anschlag in eine pompöse Villa im Pariser Vorort Saint-Cloud, die ein Parteifreund ihrem Vater vererbt hatte. Ihr zweiter Ehemann und ihr langjähriger Partner Louis Aliot waren beide Parteifunktionäre. Aliot ist heute Bürgermeister von Perpignan, wo Le Pen ihren Wahlkampfabschluss feierte.

Peinliche Putin-Nähe

Seit Le Pen die Partei 2011 übernommen hat, war sie auf Erfolgskurs. Sie distanzierte sich von ihrem antisemitisch-provokanten Vater, zog aus der Residenz in Saint-Cloud aus, nachdem der Dobermann von Jean-Marie Le Pen eine ihrer Katzen getötet hatte, und schloss ihren Vater 2015 aus der Partei aus.

2012 trat sie zum ersten Mal zur Präsidentschaftswahl an und erreichte ein besseres Ergebnis als ihr Vater, der zehn Jahre zuvor überraschend in die Stichwahl gekommen war. Im Wahlkampf vor fünf Jahren ließ sie sich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml empfangen. Russische Banken hatten ihr zuvor Kredite in Höhe von elf Millionen Euro eingeräumt - Tatsachen, die sie seit Beginn des Ukraine-Kriegs gerne unter den Teppich kehren will.

Dass sie ähnlich aggressiv auftreten kann wie ihr Vater, hat sie oft bewiesen. Einst verglich sie Gebete von Muslimen auf der Straße mit der Besatzung von Paris durch die Nazis. Doch seit der Wahl 2017, vor der Emmanuel Macron sie in einer TV-Debatte locker an die Wand spielte, hat sie stark an sich gearbeitet.

Migrationsfeindliche Versprechen beibehalten

*Datenschutz

Mit ihrem Profi-Lächeln und zugleich Ängste schürend erinnert sie an eine Versicherungsmaklerin, die den Franzosen eine Garantie auf eine heile Welt verkaufen will - ohne muslimische Einwanderer und hohe Benzinpreise. Im jüngsten Wahlkampf zeigte sie sich vor allem nah an den - überwiegend finanziellen Alltagssorgen der Bürger. Damit hob sie sich von Macron ab, der zwischen all seinen Putin-Telefonaten kaum Zeit für ordinäre Wahlkampftermine hatte. Die radikaleren Parolen konnte sie getrost dem rechtsextremen Publizisten Éric Zemmour überlassen.

Dessen Anhänger wird sie in der möglichen Stichwahl nun ohne große Anstrengung wiedergewinnen, denn ihr Programm ist ebenso europa-, fremden- und verfassungsfeindlich wie zuvor. Sie will unter anderem die Verfassung ändern, um Franzosen Vorrang bei Wohnungen und Jobs einzuräumen und in großem Stil Ausländer abzuschieben. Privat lebt sie inzwischen mit einer Freundin aus der Kindheit und einem halben Dutzend Katzen zusammen, die sie immer wieder gezielt zur Imagepflege einsetzt.

Quelle: ntv.de, von Ulrike Koltermann, AFP

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