Politik

Angst vor Attentat Libanons Ministerpräsident tritt zurück

96667695.jpg

Saad Hariri ist der zweitälteste Sohn des 2005 bei einem Bombenattentat getöteten Geschäftsmanns und früheren Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri.

(Foto: picture alliance / Hassan Ammar/)

Er fürchtet um sein Leben: Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri will sein Regierungsamt nicht mehr ausüben. In einer TV-Ansprache wirft er dem Iran vor, in der Region für Unruhe zu sorgen.

Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri ist zurückgetreten und begründet das mit Angst um sein Leben. Das politische Klima im Land sei ähnlich wie vor der Ermordung seines Vaters Rafik al-Hariri, sagte er am Samstag im Fernsehen. "Ich spüre, dass eine Verschwörung läuft, die auf mein Leben abzielt." Zugleich kritisierte er den Iran und dessen Verbündeten, die libanesische Hisbollah.

In einer TV-Ansprache warf Hariri am Samstag der Schiitenmiliz Hisbollah sowie deren Schutzmacht Iran vor, Unruhen in der Region zu schüren. "Die Hisbollah ist der Arm des Irans, nicht nur im Libanon, sondern auch in anderen arabischen Ländern", sagte Hariri.

Scharfer Gegner der schiitischen Hisbollah              

Die schiitische Organisation spielt eine wichtige Rolle in der libanesischen Politik und steht im syrischen Bürgerkrieg auf der Seite von Präsident Baschar al-Assad. Der Iran verliere seien Einfluss in der arabischen Welt, und auch Libanon werde sich dem entziehen, erklärte der Sunnit Hariri.

Der 47-Jährige war seit Ende vergangenen Jahres Regierungschef einer breiten Koalition in dem Land am Mittelmeer. In dem Kabinett sind fast alle wichtigen politischen Parteien des Landes vereint, darunter auch die Hisbollah. Hariri gilt als einer der einflussreichsten Sunniten im Libanon und als scharfer Gegner der schiitischen Hisbollah, die unter anderem aufseiten von Präsident Baschar al-Assad im Nachbarland Syrien kämpft. Er war zwischen 2009 und 2011 schon einmal Ministerpräsident.

Saad Hariri ist der zweitälteste Sohn des 2005 bei einem Bombenattentat getöteten Geschäftsmanns und früheren Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri. Das Attentat hatte das Land an den Rand eines Bürgerkrieges gebracht. Es löste Massenproteste gegen Syrien aus, die dazu führten, dass der Nachbarstaat wenige Monate später sein Militär nach 29 Jahren aus Libanon abzog. Der Fall wurde an ein UN-Tribunal übertragen.

Frankreich ruft zur Kompromissbereitschaft auf

Die radikalislamische Hisbollah (Partei Gottes) entstand 1982 mit iranischer Unterstützung als Antwort auf die israelische Invasion im Libanon. Seitdem kämpft sie politisch, aber auch mit Gewalt gegen Israel und für die Errichtung einer "Herrschaft des Islams". Die schiitische Partei gilt mittlerweile als eine der stärksten politischen Kräfte im multikonfessionellen Libanon. Finanziert wird sie Berichten zufolge hauptsächlich aus Teheran.

Frankreich hat mittlerweile die Verantwortlichen im Libanon zur Kompromissbereitschaft aufgerufen. Es sei "im Interesse aller", dass der Libanon nicht in eine neue Phase der Instabilität gerate, teilte die Sprecherin des französischen Außenministeriums in Paris mit. Frankreich hat als frühere Mandatsmacht besonders enge Beziehungen zu Beirut.

Quelle: n-tv.de, hny/dpa/rts

Mehr zum Thema