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Massaker in syrischen Golanhöhen Ließen österreichische Soldaten Blutbad zu?

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Auf den Golanhöhen sorgt seit dem Jahr 1974 eine multinationale UN-Truppe für die Einhaltung des Waffenstillstandes zwischen Israel und Syrien.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein brisantes Video aus dem Jahr 2012 zeigt einen tödlichen Hinterhalt auf Polizisten im syrisch-israelischen Grenzgebiet. Neun Menschen sterben. Österreichische Soldaten hätten das Massaker verhindern können, heißt es. Doch sie schauen nur zu und filmen.

UN-Blauhelme aus Österreich stehen unter Verdacht, syrische Polizisten in den Golanhöhen nicht vor einem tödlichen Hinterhalt gewarnt zu haben. Ein von der Wochenzeitschrift "Falter" veröffentlichtes Video scheint zu zeigen, wie neun Syrer im Kugelhagel sterben. Die UN-Soldaten, die in dem Video nur zu hören und nicht zu sehen sind, scheinen den Vorfall im September 2012 selbst gefilmt zu haben.

Der Fall schlägt in der Alpenrepublik hohe Wellen: Das Verteidigungsministerium in Wien setzt eine Untersuchungskommission ein. "Die Vorfälle werden lückenlos und minutiös aufgeklärt werden", versprach Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ). Der Zwischenfall sei "in dieser Dimension" erst durch die dem "Falter" zugespielten Fotos und Videos bekannt geworden, hieß es in einer Stellungnahme.

Der Vorwurf lautet, dass die Soldaten des von österreichischen UN-Einheiten kontrollierten Grenzpostens die syrischen Geheimpolizisten bewusst passieren ließen, obwohl sie von der drohenden Gefahr wussten. Videosequenzen zeigen, wie sich die mutmaßlichen Täter - im Video als syrische Schmuggler bezeichnet - zuvor in der kargen Berglandschaft auf den Hinterhalt vorbereiten.

Die österreichischen Blauhelme besprechen in dem Video auch, ob sie die Syrer nicht hätten warnen sollen. Begründung: "Wenn da einer überbleibt, kommt er rüber und schießt uns ab", ist die Stimme eines Mannes zu hören. Die Warnung unterbleibt. Stattdessen diskutieren die Blauhelme nach dem "Himmelfahrtskommando", wie sie es nennen, darüber, ob es noch Sinn hat, einen Krankenwagen zu schicken.

Hätten Sie die gefährdeten Personen warnen sollen?

"Sie hätten ein Verbrechen verhindern können", sagte "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk in einem von seiner Zeitung veröffentlichten Video. "Die juristische Frage ist, ob sie es hätten verhindern müssen."

In den Golanhöhen sorgt seit dem Jahr 1974 eine multinationale UN-Truppe für die Einhaltung des Waffenstillstandes zwischen Israel und Syrien, indem sie eine Pufferzone überwachen. Die UN-Soldaten sind zu strikter Zurückhaltung verpflichtet und dürfen etwa ihre Waffen nur zur Selbstverteidigung einsetzen.

Zu prüfen wäre, ob es tatsächlich das UN-Mandat war, das die Soldaten daran hinderte, das Leben der in den Hinterhalt fahrenden Menschen zu retten. Die Soldaten hatten am Golan eine sogenannte Beobachtermission zu erfüllen, heißt es. Waren sie also rechtlich gar nicht befugt, in einer solchen Situation einzugreifen? Oder hätten Sie die gefährdeten Personen zumindest warnen sollen? "All diese Fragen muss nun die Untersuchungskommission klären", heißt es im Verteidigungsministerium.

Österreich beendete 2013 seinen UN-Einsatz nach 39 Jahren. Die rot-schwarze Regierung nannte als Grund für den Abzug der österreichischen Truppen, dass die Situation am Golan heikler und gefährlicher sei, als im UN-Mandat dargestellt. Damals eskalierten die Kämpfe zwischen syrischen Truppen und Aufständischen in der Region. Man fürchtete, dass dabei österreichische Soldaten getötet, verwundet oder auch gekidnappt werden könnten.

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Quelle: n-tv.de, hny/dpa

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