Politik

"Wir brauchen die Kontakte" Maas strebt deutsche Botschaft in Kabul an

254153720.jpg

"Es führt überhaupt kein Weg vorbei an Gesprächen mit den Taliban", sagte Maas in Katar.

(Foto: picture alliance / photothek)

Alle Diplomaten haben Afghanistan verlassen, die deutsche Botschaft in Kabul ist verwaist. Bei seinem Besuch in Katar stellt Außenminister Maas die Rückkehr einer diplomatischen Vertretung in Aussicht. Doch er betont: Dies bedeute keine Anerkennung der Taliban-Regierung.

Deutschland strebt auch nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan unter bestimmten Bedingungen eine diplomatische Vertretung in der Hauptstadt Kabul an. "Wenn es politisch möglich wäre und wenn die Sicherheitslage es erlaubt, dann sollte auch Deutschland in Kabul wieder eine eigene Botschaft haben", sagte Außenminister Heiko Maas bei einem Besuch in Katar.

Zurzeit sei man in enger Abstimmung vor allem mit den europäischen Partnern zu diesem Thema. Maas betonte aber auch, dass eine diplomatische Vertretung keine Anerkennung einer Taliban-Regierung bedeuten würde. "Es geht im Moment nicht um die Frage der völkerrechtlichen Anerkennung", sagte er. "Es geht um die Lösung ganz praktischer Probleme."

Die Bundesregierung hatte nach der Machtübernahme der Taliban die Botschaft in Kabul geschlossen. Alle Diplomaten haben inzwischen das Land verlassen. Botschafter Markus Potzel verhandelt derzeit in der katarischen Hauptstadt Doha mit den Taliban über die Ausreise Schutzsuchender aus Afghanistan. Dort haben die Taliban ihr politisches Büro, das quasi als Außenministerium fungiert.

Maas: Gespräche mit Taliban unausweichlich

"Es gibt ein großes Bedürfnis nach diplomatischer Präsenz, weil wir eben auch viele Themen in Afghanistan haben", betonte Maas. Er nannte die Bemühungen, frühere Mitarbeiter von Bundeswehr und Bundesregierung außer Landes zu bringen. "Mit diesem Thema werden wir es noch lange zu tun haben. Deshalb brauchen wir die Kontakte." Maas betonte aber, dass die Wiederöffnung der Botschaft von der konkreten Politik der Taliban und von der Sicherheitslage abhängen werde. Derzeit betreiben nur noch wenige Länder wie Russland, China und die Türkei ihre Botschaften in Kabul.

Maas hält den direkten Kontakt mit den Taliban für unausweichlich. "Ich persönlich glaube, es führt überhaupt kein Weg vorbei an Gesprächen mit den Taliban." Instabilität in Afghanistan könne sich der Westen "schlichtweg überhaupt nicht leisten". Deutschland habe den Taliban immer wieder deutlich gemacht, dass es gewisse Maßstäbe gebe, "deren Einhaltung wir erwarten", sagte Maas. Dies gelte insbesondere für die Wahrung von Menschenrechten, insbesondere für Frauen, sowie für die Bildung einer inklusiven Regierung in Kabul.

Auch Merkel bemüht um diplomatische Präsenz

Deutschland stehe überdies schon jetzt zur Verfügung, um humanitäre Hilfe in Afghanistan zu leisten. Maas warnte, dass Afghanistan ohne humanitäre Hilfe "spätestens im Winter auf eine humanitäre Katastrophe zusteuern" werde. Ein Großteil der afghanischen Bevölkerung ist schon jetzt auf ausländische Hilfe angewiesen. Zu den Kriegsschäden in dem Land hinzu kommt eine schwere Dürre. Nach UN-Angaben werden die Lebensmittelvorräte in dem Land am Hindukusch bereits knapp.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte gesagt, dass es Gespräche mit Ländern wie Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Italien über eine diplomatische Präsenz in Kabul gebe, um "kontinuierliche Gesprächskontakte mit den Taliban aufbauen zu können". "Es geht einfach nur darum, überhaupt Diplomaten in der Nähe zu haben, die mit den Taliban reden können." Merkel wies darauf hin, dass die Taliban ihre Präsenz in diesen Tagen von Doha nach Kabul verlagern würden. Es wird erwartet, dass sie in Kürze eine Regierung präsentieren werden.

Der katarische Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani sagte, seine Regierung habe die Taliban zur Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus aufgefordert und an die Islamisten appelliert, eine "erweiterte" Regierung zu bilden, die "keine Partei ausschließen" dürfe. Die Taliban hätten auf diese Forderungen "weder mit einer positiven noch einer negativen Antwort" reagiert.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.