Politik

Schlimmer als 1968 Mai-Demo in Paris schlägt um in Gewalt

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"Hauptstadt des Aufstands": Eine kleine Gruppe Maskierter sorgt bei den Mai-Kundgebungen in Paris für gewalttätige Ausschreitungen.

(Foto: imago images / Le Pictorium)

Krawalle überschatten die Kundgebungen zum 1. Mai in Paris: In den Straßen der französischen Hauptstadt gehen Demonstranten auf Sicherheitskräfte los. Die Polizei setzt Tränengas ein. Es gibt Dutzende Verletzte. Eine russische Reporterin gerät zwischen die Fronten.

Am Rande der Mai-Kundgebungen in Paris ist es am Abend zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um gewaltbereite Randalierer in den Straßen der französischen Hauptstadt auseinanderzutreiben. Ersten Angaben zufolge erlitten 24 Demonstranten und 14 Sicherheitskräfte leichte Verletzungen. 380 Personen seien vorläufig festgenommen worden, hieß es.

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Brennende Barrikaden in Paris: Am Rande der Großdemonstrationen kommt es vereinzelt zu Gewaltausbrüchen.

(Foto: imago images / PanoramiC)

An Demonstrationen zum 1. Mai beteiligten sich einer ersten Schätzung des französischen Innenministeriums zufolge in ganz Frankreich insgesamt rund 164.000 Menschen, davon waren etwa 28.000 zur zentralen Kundgebung der Gewerkschaften in Paris zusammengekommen. Die Gewerkschaften sprachen von landesweit 310.000 Teilnehmern. Allein in Paris sollen es demnach bis zu 80.000 Teilnehmer gewesen sein. In weiten Teilen Frankreichs verliefen die Kundgebungen friedlich, in Paris dagegen heizte sich die Stimmung schnell auf.

Die Auseinandersetzungen in Paris begannen Beobachtern zufolge, als mehrere hundert Teilnehmer des sogenannten "Schwarzen Blocks" am Boulevard Montparnasse zu einer Kundgebung drängten, die zu einem Demonstrationszug durch die Stadt starten sollte. Vermummte Teilnehmer warfen Flaschen und Steine in Richtung der Sicherheitskräfte. Dabei skandierten sie Slogans wie: "Jeder hasst die Polizei!" Die Beamten reagierten umgehend und setzten Tränengas ein, um gewaltbereite Demonstrationsteilnehmer auseinanderzutreiben.

"Hauptstadt des Aufstands"

Mitglieder des antikapitalistischen "Schwarzen Blocks" und radikale Vertreter der Protestbewegung der "Gelbwesten" hatten zuvor dazu aufgerufen, Paris am 1. Mai in die "Hauptstadt des Aufstands" zu verwandeln. Bereits im vergangenen Jahr hatte es am Mai-Feiertag in Paris schwere Ausschreitungen gegeben.

Philippe Martinez von der kommunistischen Gewerkschaft CGT musste die Spitze des Demonstrationszugs vorübergehend verlassen, nachdem er von Radikalen angegangen wurde, wie ein AFP-Reporter berichtete. Im Anschluss kritisierte er die Sicherheitskräfte scharf. Er sei von ihnen mit Tränengas besprüht worden, obwohl er eindeutig als Gewerkschaftsmitglied erkennbar gewesen sei.

Schlimmer als 1968?

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Gewerkschafter, "Gelbwesten", gewaltbereite Systemgegner: Die Kundgebungen zum 1. Mai ziehen Demonstranten aus verschiedenen Lagern an.

(Foto: imago images / Le Pictorium)

Der plötzliche Gewaltausbruch überraschte viele Demonstranten. "So etwas habe ich noch nie gesehen", sagte ein Gewerkschaftsmitglied mit Tränen in den Augen. Nicht einmal bei den Studentenprotesten im Mai 1968 habe es so etwas gegeben.

Rund 7400 Sicherheitskräfte waren in Paris im Einsatz. Die Stadtviertel um den zentral gelegenen Concorde-Platz und den Prachtboulevard Champs-Elysées waren vollständig abgeriegelt. Das Innenministerium hatte zuvor mit bis zu 2000 gewaltbereiten Demonstranten gerechnet. Emmanuel Macron hatte ein entschlossenes Vorgehen gegen Randalierer angekündigt.

Russische Journalistin verletzt

Unter den Verletzten war auch eine Journalistin der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Die Polizei habe sie mit einem Schlagstock ins Gesicht und auf den Arm geschlagen, obwohl sie einen Helm und eine Armbinde getragen habe, die sie als Pressevertreterin auswiesen, sagte sie. Das russische Außenministerium nannte den Vorfall "inakzeptabel" und forderte eine "akribische Untersuchung".

Außer in Paris fanden in zahlreichen weiteren Städten des Landes Kundgebungen von Gewerkschaften, "Gelbwesten" und Politikern statt. Im Gegensatz zur Hauptstadt herrschte dort trotz eines hohen Polizeiaufgebots eher Festtagsatmosphäre. In einigen Städten wie etwa in Caen oder Lyon hatten die Präfekturen allerdings Kundgebungen in den Innenstädten verboten.

Die Gewerkschaften fordern von der Regierung Maßnahmen zur Erhöhung der Kaufkraft. Macrons Reformvorschläge von vergangener Woche wie etwa eine deutliche Senkung der Einkommensteuer und mehr direkte Demokratie, mit denen er auf die seit Monaten anhaltenden Proteste der "Gelbwesten" reagierte, stoßen bei ihnen auf Kritik. Sie betonen, dass sich die Lage der sozial Benachteiligten damit nicht verbessern werde.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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