Politik

Klimaprotest vor Automesse Mehrere IAA-Eingänge über Stunden blockiert

Das besucherstarke Wochenende von Deutschlands größter Automobilmesse wird von beispiellosen Protesten überschattet. Besucher werden an beiden Tagen mit der Kritik von Klimaaktivisten konfrontiert. Am Sonntag sind Eingänge versperrt, die Polizei schreitet ein.

Aus Protest gegen die Automobil-Ausstellung IAA ließen sich am Sonntag rund tausend Aktivisten nach Angaben der Organisatoren vor dem Haupteingang der Messe nieder und blockierten damit den Zugang. Sie setzten sich auf die Stufen vor das Messegebäude und hielten Plakate mit Forderungen wie "Autokonzerne entmachten" oder "Die Straße ist besetzt - Verkehrswende jetzt" in die Höhe.

Zu der Blockadeaktion hatte das Bündnis "Sand im Getriebe" aufgerufen. Ziel sei es, "den Ablauf der IAA mit friedlichen Blockaden zu stören", teilte das Bündnis mit. "Wir setzen damit ein deutliches Zeichen gegen das zerstörerische Verkehrssystem, für das die weltgrößte Automesse nach wie vor steht." Die Aktion solle zeigen, dass leere Versprechungen das Bündnis nicht mehr hinhalten könnten.

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Mit einer Sitzblockade erschwerten die Demonstranten den Zugang zur IAA.

(Foto: imago images / Jannis Große)

Der Haupteingang und der Portalhaus-Eingang im Westen des Messegeländes waren dem Bündnis zufolge ab dem frühen Morgen für Besucher nicht zugänglich. Zudem hängten Aktivisten ein Banner bei einem Autobahnzubringer an. Auch der Busverkehr wurde teilweise blockiert. Die IAA rief ihre Besucher über Twitter auf, andere Eingänge zu nutzen.

Die Polizei forderte die Aktivisten am Nachmittag auf, blockierte Wege freizugeben. Leider seien einige Demonstranten einer entsprechenden Aufforderung im Bereich der Skyline Plaza mehrfach nicht nachgekommen, erklärte die Polizei. Deswegen sei die Blockade dort "aufgelöst" worden. "Wer jetzt nicht geht, muss mit Personalienfeststellung und Platzverweis rechnen", erklärte die Polizei. Auf Twitter berichteten Polizei und Demonstranten am Nachmittag von einer Einkesselung der Protestierenden durch die Polizei.

Elektromobilität ist nur "Scheinlösung"

Die Veranstalter werteten die Kundgebung dennoch als Erfolg. "Die Messe ist gesungen", erklärte Bündnis-Sprecherin Marie Klee. "Eine IAA in dieser Form wird es sicher nicht mehr geben." Die IAA 2019 hatte am Samstag ihre Tore für die breite Öffentlichkeit geöffnet, sie dauert noch bis 22. September.

"Mit unserer friedlichen Blockade setzen wir ein Zeichen gegen den Autowahn der IAA, erklärte die Ko-Sprecherin von "Sand im Getriebe", Tina Velo. "Ein echter Wandel hin zu klimafreundlichem Verkehr ist nur gegen die Profitinteressen der Autolobby möglich." Denn allen Behauptungen zum Trotz wolle die Autoindustrie "weiterhin fette Spritschlucker verscheuern".

Velo sprach sich bei den Protesten vor Ort zudem für komplett autofreie Städte aus und kritisierte die Elektromobilität als "Scheinlösung". Die Herstellung von Elektroautos sei sehr CO2-intensiv. Zudem liege die Herkunft des Stroms in Deutschland immer noch bei 40 Prozent Kohlestrom.

Auto dem Kampf ansagen

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac erklärte, die Debatte um klimagerechte Mobilität sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. "Zehntausende Bürger haben an diesem Wochenende dem Klimakiller Auto den Kampf angesagt und deutlich gemacht, dass sie die Zerstörung unseres Klimas, unserer Städte und Dörfer nicht weiter hinnehmen", sagte Achim Heier vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis.

Bereits am Samstag hatten in Frankfurt Zehntausende demonstriert. An einem Kundgebungszug und einer Fahrrad-Sternfahrt zum Messegelände beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter 25.000 Menschen, die Polizei sprach von 15.000 Teilnehmern. Die Demonstranten setzen sich für autofreie Städte, kostenlosen öffentlichen Nahverkehr und einen Ausbau von Fahrradwegen ein.

Die Kundgebungsteilnehmer zogen nach Polizeiangaben auf dem Fahrrad und zu Fuß friedlich aus mehreren Richtungen zum IAA-Gelände. Kurzzeitig mussten Abschnitte der Autobahnen A648 und A661 für die Teilnehmer der Fahrrad-Sternfahrt gesperrt werden. Zu den Protesten hatte ein Bündnis aufgerufen, in dem sich ADFC, BUND, Campact, Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, NaturFreunde Deutschlands und VCD engagieren.

Quelle: n-tv.de, psa/AFP/dpa

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