Politik

Besser vorbereitet, kaum ruppig Menschelnder Laschet punktet in ARD-Wahlarena

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Laschet war auch bei kritischen Zuschauerfragen die Ruhe selbst.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im vorletzten Einzelinterview der öffentlich-rechtlichen Sender mit den Kanzlerkandidaten war am Mittwochabend Armin Laschet in der ARD zu Gast. Die Zuschauer der Sendung konnten dabei eine Überraschung erleben. Denn der Unionskandidat zeigte sich von einer sehr menschlichen Seite.

Was ist mit Armin Laschet passiert? Diese Frage dürfte sich so mancher Beobachter der Wahlarena im Ersten am Mittwochabend gestellt haben. Der Kanzlerkandidat der Union beantwortete in der Sendung Fragen von Zuschauern. Das Publikum in Lübeck bestand aus 62 Gästen, die auch mal sehr kritisch nachhakten. War Laschet in den letzten beiden Triellen und bei der Befragung am vergangenen Donnerstag im ZDF bisweilen ruppig und eher schlecht gelaunt, zeigte er sich im Ersten von einer ganz anderen Seite.

Laschet war die Ruhe selbst, auch als ihm eine Zuschauerin vorwarf, er habe viele seiner Erfolge durch die Hilfe seiner Frau und seiner Kameraden in einer studentischen Verbindung bekommen. Er redete oft mit den Fragestellern, hörte zu, zeigte sich an ihren Problemen interessiert, bot hier und da gar Hilfe an. Das Publikum bei der ARD-Wahlarena reagierte entsprechend: In keiner der bisherigen Wahlsendungen von ARD und ZDF heimste ein Kandidat so viel Szenenapplaus ein. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass sich Laschet deutlich besser vorbereitet hatte als etwa beim ZDF am vergangenen Donnerstag.

"Meine Regierung hat den Hambacher Forst gerettet"

Ein wichtiges Thema der Sendung: der Klimawandel. So fragt eine 15-jährige Fridays-for-Future-Aktivistin, was Laschet denn in den ersten hundert Tagen seiner Regierung in diesem Bereich verändern wolle. Der erklärt erst einmal, welche Erfolge er in Nordrhein-Westfalen schon zu verantworten hatte, wo er Ministerpräsident ist. Da seien die Beschleunigung des Kohleausstiegs und der Schutz des Hambacher Forstes. Über Laschets Behauptung, seine Regierung habe den Hambacher Forst gerettet, kann man sicher geteilter Meinung sein. Dann weist Laschet auf die bevorstehende Abschaltung erster Kraftwerke hin. "Sie werden jetzt sagen: Das geht viel zu langsam. Aber es kommt wenigstens." Die großen Aufgaben einer von Laschet geführten Regierung: Energieform umstellen, regenerativen Strom ausbauen, Industrie umbauen, Arbeitsplätze retten. "Wenn wir das hinkriegen, haben wir viel geschafft", so Laschet. Am wichtigsten sei aber, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren durchzusetzen, sowohl für den Ausbau von Bahnstrecken als auch für Stromtrassen. "Wir müssen parteiübergreifend mehr tun, dass wir das hinkriegen", fordert Laschet.

Dann meldet sich ein Gast aus dem Ahrtal. Er schildert, dass für zukünftige Baumaßnahmen immer noch keine finanzielle Hilfe angekommen sei. Das Geld werde nun fließen, sagt Laschet. Der Bundesrat habe am Freitag einem Wiederaufbaufonds von 30 Milliarden Euro zugestimmt. Laschets Versprechen: "Ich will auch als Bundeskanzler an der Aufgabe dranbleiben, dafür zu sorgen, dass jedes Haus, jedes Dorf, alles, was zerstört worden ist, wieder aufgebaut wird. Die Zusage steht." Gleichzeitig wirbt Laschet dafür, dass Handwerker aus ganz Deutschland in den Überschwemmungsgebieten beim Bau von Häusern helfen. "Das ist eine Jahrhundertaufgabe, und die müssen wir auch zusammen stemmen."

Der emotionalste Moment der Sendung

Den ersten Applaus bekommt Laschet für ein Gespräch mit einer älteren Dame. Sie schildert, sie sei seit sechs Jahren arbeitslos und habe diverse Umschulungen und Weiterbildungen gemacht. Mittlerweile lasse sie sich im Bereich Personalmanagement weiterbilden. Nach einer kurzen Unterhaltung mit der Zuschauerin fasst Laschet zusammen: "Es ist falsch, wenn man sagt, Arbeitslose wollen grundsätzlich nicht arbeiten." Es sei auch falsch, ältere Menschen nicht einzustellen. "Wir müssen Menschen, die älter sind, wieder ins Berufsleben zurückführen", sagt er - und bietet der Zuschauerin spontan seine Hilfe an. Das bringt ihm den ersten Applaus des Abends.

Doch Laschet hat noch mehr vor, sagt er. So will er die Verdienstgrenze bei Minijobs von 450 auf 550 Euro anheben. Mehr Wohnungen will er bauen lassen, und er will sich für Menschen mit Behinderungen einsetzen. "Wir brauchen das Potenzial von jedem Menschen, wenn wir als Land eine gute Zukunft haben wollen, und dazu gehören auch Menschen mit einem Handicap."

Am Ende der Sendung dürfte bei vielen Zuschauern ein vergleichsweise positiver Eindruck geblieben sein. Laschet wird gerne spöttisch als "Karnevalsprinz" bezeichnet. Tatsächlich hat er in dieser Sendung manchmal vergessen, sich kurzzufassen. Dem Publikum in der Wahlarena schien sein Auftreten an diesem Abend aber gefallen zu haben. Und möglicherweise ist es ihm sogar gelungen, ein paar Sympathiepunkte zu sammeln. Die hat er dringend nötig.

Quelle: ntv.de

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