Politik

Neues Zentrum für Vertriebene Merkel: Vergangenes Leid wachhalten

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"Wir haben einen würdigen Ort der Erinnerung an Flucht und Vertreibung gewonnen", sagt Merkel über das Dokumentationszentrum.

(Foto: imago images/Christian Kielmann)

In Berlin erinnert ein neues Dokumentationszentrum an die Millionen Menschen, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs vertrieben oder zwangsumgesiedelt wurden. Der Ort schließe eine Lücke in der "Geschichtsaufarbeitung", betont Kanzlerin Merkel.

Mit dem neuen Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin wird aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel "eine Lücke in unserer Geschichtsaufarbeitung" geschlossen. "Über dieses Zentrum wurde lange und intensiv diskutiert in Deutschland, aber auch mit unseren Partnern in Europa", sagte die per Video zu einer Feierstunde zugeschaltete CDU-Politikerin.

Umso mehr freue sie das Kommen der Botschafter Polens, Tschechiens und Ungarns. Über Jahre hinweg wurde teils erbittert debattiert, wie stark das Schicksal der deutschen Vertriebenen im Mittelpunkt stehen sollte. Vor allem in Polen gab es Befürchtungen, die Deutschen könnten sich selbst zu Opfern machen und von ihrer Schuld in der Nazi-Zeit ablenken.

"Um eine gute Zukunft gestalten zu können, müssen wir die Erinnerung an vergangenes Leid wachhalten", sagte Merkel. "Wir haben einen würdigen Ort der Erinnerung an Flucht und Vertreibung gewonnen, der stets bewusst macht: Ohne den von Deutschland im Nationalsozialismus über Europa und die Welt gebrachten Terror, ohne den von Deutschland im Nationalsozialismus begangenen Zivilisationsbruch der Schoah und ohne den von Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg wäre es nicht dazu gekommen, dass zum Ende des Zweiten Weltkriegs und danach Millionen Deutsche Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung erleiden mussten."

"Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Vertreibungsgeschichte der Deutschen in ihrem historischen Kontext von Ursache und Folgen eingebettet und nicht isoliert dargestellt wird", sagte Merkel. Das Zentrum sieht sich als Teil einer neuen Erinnerungslandschaft.

In dem für 63 Millionen Euro sanierten Gebäude nahe dem Potsdamer Platz stehen für ständige Ausstellung, Wechselpräsentationen, Lesesaal und Forschungsbereiche mehr als 5000 Quadratmeter zur Verfügung. In zwei Ausstellungsteilen geht es um eine Geschichte der Zwangsmigration bis heute sowie um Flucht und Vertreibung von rund 14 Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieser Teil ist chronologisch angeordnet, um Nazi-Terror und deutschen Angriffskrieg als Ursache für die anschließende Vertreibung zu markieren.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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