Politik

Rücksprache mit Biontech-Chef Merkel telefonierte mit Sahin zum Patentstreit

235829662.jpg

Biontech-Chef Sahin erhielt Mitte März im Beisein von Bundeskanzlerin Merkel das Große Verdienstkreuz mit Stern des Bundesverdienstordens.

(Foto: picture alliance/dpa)

Um die weltweite Impfstoffproduktion massiv hochzuschrauben, plädieren die USA für eine zeitweilige Aufweichung von Patenten. Der Vorschlag ist umstritten. Nun hat sich Bundeskanzlerin Merkel offenbar mit dem Chef des deutschen Produzenten Biontech zu dem Thema ausgetauscht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einem Bericht des "Spiegels" zufolge am Donnerstag mit dem Chef des Corona-Impfstoffherstellers Biontech, Ugur Sahin, telefoniert. In dem Gespräch ging es demnach um eine mögliche Patentfreigabe des Corona-Impfstoffs sowie um mögliche Schritte, um ärmere Länder besser mit Impfstoff zu versorgen. Ziel sei dabei keine kurzfristige Hilfe, sondern eine nachhaltige Versorgung mit Impfstoff, auch für zukünftige Pandemien.

Ob Sahin die Bundeskanzlerin in ihrer kritischen Haltung zu einer möglichen Patentfreigabe bestärkte, war dem "Spiegel" zufolge unklar. Das Bestehen auf Patentschutz sei schon lange Merkels Haltung gewesen, hieß es dem Bericht zufolge aus Regierungskreisen.

Am Donnerstag hatte Biontech erklärt, etwaige Patentaussetzungen seien wenig hilfreich bei der Steigerung der globalen Liefermengen. "Patente sind nicht der limitierende Faktor bei der Herstellung und Verteilung unseres Impfstoffs", erklärte das Mainzer Unternehmen. Durch die Aussetzung von Patenten lasse sich die weltweite Produktion kurz- und mittelfristig nicht steigern. Der Herstellungsprozess sei äußerst komplex. Biontech stellt gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Pfizer einen von vier Impfstoffen, die in Deutschland gegen Covid-19 verabreicht werden.

Mehr zum Thema

Nach einem überraschenden Vorstoß der USA wird derzeit über die Aufhebung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe diskutiert. Die US-Regierung von Präsident Joe Biden zieht in Betracht, sich bei der Welthandelsorganisation (WTO) für eine Ausnahmeregelung beim Patentschutz einzusetzen. Auch die Europäische Union zeigte sich am Donnerstag offen dafür.

Aus Berlin kamen am Donnerstag unterschiedliche Signale. "Der limitierende Faktor bei der Herstellung von Impfstoffen sind die Produktionskapazitäten und die hohen Qualitätsstandards, nicht die Patente", teilte eine Regierungssprecherin mit. Sie hob zugleich die Notwendigkeit des Patentschutzes hervor: "Der Schutz von geistigem Eigentum ist Quelle von Innovation und muss es auch in Zukunft bleiben."

Quelle: ntv.de, cri/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.