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Wird es wieder eine Frau? Annegret Kramp-Karrenbauer (l.) und Julia Klöckner haben zumindest keine schlechten Chancen, eines Tages an die Spitze der CDU aufzurücken.
Wird es wieder eine Frau? Annegret Kramp-Karrenbauer (l.) und Julia Klöckner haben zumindest keine schlechten Chancen, eines Tages an die Spitze der CDU aufzurücken.(Foto: picture alliance / Michael Kappe)
Dienstag, 05. Dezember 2017

Interview mit Manfred Güllner: "Merkel wird Nachfolge rechtzeitig regeln"

Annegret Kramp-Karrenbauer, Julia Klöckner, Jens Spahn - einer dieser Politiker könnte eines Tages Angela Merkel beerben. Manfred Güller, der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, meint: Merkel und die CDU müssen nichts überstürzen.

n-tv.de: Die Kanzlerin ist nach wie vor sehr beliebt, es drängt sich kein Nachfolger auf - man könnte meinen, die Union hat keine Eile, die Nachfolge Merkels zu klären, oder?

Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa: Manfred Güllner.
Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa: Manfred Güllner.(Foto: picture alliance / dpa)

Manfred Güllner: Nein, das hat sie nicht. In vielen Berichten über Merkel ist von einer Kanzlerinnendämmerung die Rede. Bei den CDU-Mitgliedern hat sie jedoch noch sehr viel Rückhalt, vor allem wenn man das mit dem SPD-Vorsitzenden vergleicht. Deshalb gibt es keine Notwendigkeit, jetzt schon konkret über Merkels mögliche Nachfolger nachzudenken.

Könnte Merkel sogar 2021 nochmal bei einer Bundestagswahl antreten?

An 2021 denken die Wähler und die Mitglieder jetzt wahrscheinlich noch gar nicht. Wenn die Gespräche zwischen Union und SPD scheitern sollten, könnte es ja schon viel früher zu Wahlen kommen. Dann müsste die Union klären, ob Merkel wieder als Spitzenkandidatin antreten soll. Aufgrund ihres großen Rückhalts an der Basis besteht keine Notwendigkeit, jemand anderen aufzustellen.

Die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer schneidet in einer Forsa-Umfrage zu möglichen Nachfolgern für Merkel überraschenderweise am besten ab. Wie erklären Sie sich das?

Durch ihren großen Wahlsieg bei der Landtagswahl im März wurde sie auch bundesweit bekannt. Seitdem beachtet man sie auch über das kleine Saarland hinaus. Ihre Beliebtheit hat sich offenbar auch auf den Rest der Republik übertragen. Frau Kramp-Karrenbauer ist eine geachtete politische Akteurin geworden.

Kramp-Karrenbauer gilt wie die Kanzlerin als liberal und nur moderat-konservativ. Ist das ein Vorteil oder eher ein Nachteil?

Im Hinblick auf Wähler und Mitglieder ist es sicherlich ein Vorteil, für die Kritiker aus dem konservativen Lager der Union wahrscheinlich weniger. Wir wissen aber aus vielen Untersuchungen, dass es kein Vakuum am rechten Rand gibt, wie häufig behauptet wird. Merkels Mitte-Kurs ist weit akzeptiert.

Den zweitgrößten Zuspruch unter den möglichen Merkel-Nachfolgern erhält in Ihrer Umfrage Julia Klöckner. Was zeichnet sie aus?

Klöckner ist schon seit längerer Zeit als potenzielle Nachfolgerin im Gespräch. Durch das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden hatte sie die Chance, in die Partei hinein zu wirken. Das zahlt sich jetzt aus.

Jens Spahn landete bei Forsa vor Ursula von der Leyen und Armin Laschet auf dem dritten Platz. Wie stehen seine Chancen?

Es ist zu früh, darüber zu spekulieren. Dennoch wird deutlich, dass Spahns Vorwärtsdrängen noch nicht so honoriert und akzeptiert wird, wie er das wahrscheinlich gern hätte. Bei ihm fällt eines besonders auf: Er ist bei männlichen Mitgliedern weit akzeptierter als bei weiblichen. Spahn wird oft unterstellt, er würde mit seinem konservativeren Kurs die Zukunft der Partei repräsentieren. Aber unter Funktionären erhält Frau Kramp-Karrenbauer zurzeit sehr viel mehr Zuspruch.

Spahn stünde für einen konservativeren Kurs als Kramp-Karrenbauer. Wie riskant wäre das für die Union wahlstrategisch?

Es ist deshalb riskant, weil Merkel Wähler bindet, die aus der gesellschaftlichen und politischen Mitte kommen. Zur AfD abgewandert ist lediglich der äußere rechte Rand. Den bekommt die Union auch dann nicht zurück, wenn sie einen konservativeren Kurs einschlagen sollte. Dadurch verprellt sie eher Wähler in der Mitte. Interessant ist: Zurzeit kehren mittelständische Wähler der FDP zur CDU zurück. Die würden sich das gut überlegen, wenn die CDU einen rechteren Kurs einschlagen würde.

Bis wann sollte Merkel ihre Nachfolge spätestens klären?

Frau Merkel sollte sich rechtzeitig damit beschäftigen. Die Wähler und Mitglieder sind allerdings geduldig genug, wie Merkel ihre Nachfolgefrage regelt.

Mit Manfred Güllner sprach Christian Rothenberg

Quelle: n-tv.de

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