Rede in DavosMerz: "Neue Welt der großen Mächte ist kein kuscheliger Ort"
Donald Trump und der Grönland-Streit sind die dominierenden Themen beim Wirtschaftsforum in Davos. Nun äußert sich auch Friedrich Merz. Der Bundeskanzler warnt vor einer neuen Weltordnung.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Europäer aufgerufen, sich schnell auf die veränderten politischen Machtverhältnisse in der Welt einzustellen. Russlands Angriff auf die Ukraine habe eine neue Ära eingeleitet, die aber über diesen Aggressionskrieg hinaus und viel weitergehe, sagte der Kanzler beim Weltwirtschaftsforum in Davos.
China habe es in die Reihen der Großmächte geschafft. Die USA würden in ihrer Vormachtrolle herausgefordert und veränderten ihre Außen- und Sicherheitspolitik drastisch.
"Wir sind in eine Zeit der Großmachtpolitik eingetreten", sagte Merz. "Die neue Welt der großen Mächte ist auf Macht, Stärke und - wenn nötig - auch Gewalt gegründet. Sie ist kein kuscheliger Ort", sagte der Kanzler. Diese Situation sei kein unveränderliches Schicksal, machte der Kanzler deutlich. "Um zu bestehen, müssen wir uns mit einer harschen Realität auseinandersetzen und den Kurs mit klarem Realismus bestimmen."
Merz begrüßt Trumps Kurswechsel
Merz warnte davor, in der geopolitischen Zusammenarbeit allein auf die Stärke und Macht einzelner zu setzen. "Eine Welt, in der nur Macht zählt, ist ein gefährlicher Ort", sagte er. Das gelte "erst für kleine Staaten, dann für die mittleren Mächte, und letztlich für die großen". Die größte Stärke entstehe aus der Fähigkeit, Partnerschaften und Allianzen zu bilden, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt aufbauten. Welches Land er mit seiner Kritik meinte, sagte der Bundeskanzler nicht direkt. Er hob zugleich aber die Bedeutung der Nato hervor.
Den Kurswechsel von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Streit begrüßte der Bundeskanzler. Damit habe der US-Präsident den "richtigen Weg" eingeschlagen. "Jede Drohung, europäisches Territorium mit Gewalt in Besitz zu nehmen, wäre inakzeptabel" und neue Zölle würden "zudem die Grundlagen der transatlantischen Beziehungen untergraben", fügte Merz hinzu.
Trump beharrte zuletzt darauf, dass die USA Grönland für die nationale Sicherheit besitzen müssten, und wollte einen Verkauf der Insel durch Dänemark erzwingen. Dänemark und weitere Nato-Staaten stemmten sich dagegen. Angedrohte Strafzölle hob der US-Präsident dann überraschend doch noch auf. Zur Begründung verwies Trump in einem Post auf der Plattform Truth Social darauf, dass basierend auf einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktisregion entstanden sei.
