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Feuer in Unterkunft tötet Frau Migranten protestieren auf Lesbos

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Am Sonntag brannte es im Flüchtlingslager Moria. Eine Frau starb.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Moria ist für 3000 Menschen ausgelegt, allerdings leben rund 13.000 Geflüchtete in dem Lager auf der Insel Lesbos. Bei einem Brand stirbt dort am Wochenende eine Frau. Die Behörden versuchen nun mit verschiedenen Maßnahmen der angespannten Lage Herr zu werden.

Auf der griechischen Insel Lesbos haben rund 400 Flüchtlinge gegen die Bedingungen ihrer Unterbringung protestiert. Vor allem Frauen und Kinder, aber auch alte Leute zogen laut Polizeiangaben vom Lager Moria zur Hafenstadt Mytilini. Sie trugen eine Bahre mit einem Leichentuch. Damit wollten sie an den Brand vom Sonntag erinnern, bei dem eine Frau ums Leben gekommen war.

Moria ist für 3000 Menschen ausgelegt, allerdings leben rund 13.000 Geflüchtete in dem Lager. Die neue griechische Regierung will bis Ende 2020 insgesamt 10.000 Flüchtlinge in die Türkei zurückführen. Ankara hatte in einer Vereinbarung vom März 2016 zugesichert, alle neu auf den griechischen Inseln ankommenden Flüchtlinge zurückzunehmen und stärker gegen Schlepperbanden vorzugehen.

Die konservative Regierung in Athen beschloss am Montag ein Maßnahmenbündel, das die Lage auf Lesbos entspannen soll. Unter anderem sollen die seit Monaten stagnierenden Asylverfahren beschleunigt werden. "Binnen drei Monaten" solle es endgültige Entscheidungen über die Asylanträge geben, erklärte der für Migration zuständige stellvertretende Minister Giorgos Koumoutsakos im Fernsehen.

Dazu soll das griechische Asylgesetz kommende Woche geändert werden. Das Parlament muss dies billigen. Zudem muss zusätzliches Personal eingesetzt werden, das die Asylanträge bearbeitet. Athen hofft dabei auf deutsche und französische Fachleute zur Bearbeitung von Asylanträgen auf den betroffenen Inseln.

Innenminister reisen nach Ankara

Die Regierung kündigte außerdem mehr Grenzpatrouillen in der Ägäis und die Errichtung geschlossener Lager für illegale Einwanderer oder abgewiesene Asylbewerber an. Auf den griechischen Inseln ankommende Flüchtlinge sollen darüber hinaus aufs griechische Festland verlegt werden. Im Laufe des Tages geschah dies bereits mit 215 Geflüchteten. Die Menschen - vor allem Familien mit Kindern und Kranke - kamen an Bord einer Fähre aus Lesbos, wie das Staatsfernsehen (ERT) berichtete.

Am Donnerstag will Minister Koumoutsakos nach Ankara reisen, um sich mit dem türkischen Innenminister Süleiman Soylu zu treffen. Am gleichen Tag werden auch Bundesinnenminister Horst Seehofer, sein französischer Kollege Christophe Castaner und EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos zu Gesprächen über Migration in der Türkei erwartet. Am Freitag sind Verhandlungen in Griechenland geplant.

Auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis harren zurzeit knapp 30.000 Migranten aus. Das ist die höchste Zahl seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im März 2016. Im April war die Zahl der auf den Inseln lebenden Migranten auf 14.000 zurückgegangen. Seitdem sind aber wieder verstärkt Migranten gekommen. Die Registrierlager dort haben eine Aufnahmekapazität von weniger als 7000 Menschen.

Bereits 1000 Tote im Mittelmeer in diesem Jahr

Bei der Flucht über das Mittelmeer kamen in diesem Jahr annähernd tausend Menschen ums Leben. Die Zahl könnte sogar bereits überschritten sein, berichtete die UN-Organisation für Migration (IOM) in Genf. In ihrem "Missing Migrants Projekt" führte sie für dieses Jahr 994 verifizierte Todesfälle auf, fast zwei Drittel davon auf der Route zwischen Nordafrika und Italien.

Sie untersuche noch Berichte über ein Unglück vor der marokkanischen Küste am Wochenende. Dabei könnten 40 Migranten umgekommen sein. Seit Anfang 2014 seien mindestens 15.000 Menschen bei der versuchten Flucht über das Mittelmeer ertrunken. 2019 werde das sechste Jahr in Folge mit mehr als 1000 Toten sein, berichtete die IOM. "Dieses Blutbad im Meer schmerzt uns alle, es beschämt uns auch", sagte IOM-Sprecher Leonard Doyle.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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