Politik

"n-tv Frühstart" "Mittelmeer tödlichste Fluchtroute der Welt"

Die EU-Innenminister wollen an diesem Montag über einen Verteilmechanismus von Migranten beraten. Das wäre für Philipp Frisch von "Ärzte ohne Grenzen" nur ein erster Schritt. Er fordert wieder eine "staatliche, europäisch organisierte Seenotrettung".

Auf Malta will Innenminister Horst Seehofer am Montag mit mehreren europäischen Kollegen über einen Verteilmechanismus für Migranten beraten, die auf dem Mittelmeer gerettet wurden. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" begrüßte das Treffen als ersten Schritt, forderte jedoch dringend, wieder staatliche Seenotretter ins Mittelmeer zu schicken. "Die EU hat auf dem Mittelmeer klar versagt, die Mittelmeerroute vor den Toren Europas ist die tödlichste Fluchtroute der Welt. Das kann nicht sein", sagte Philipp Frisch von "Ärzte ohne Grenzen" bei "n-tv Frühstart". Notwendig sei ein Programm zur staatlichen Seenotrettung mit dem klaren Fokus darauf, Menschen, die in Lebensgefahr schweben, zu retten." An dem Innenministertreffen nehmen neben Seehofer auch Kollegen aus Frankreich, Italien und Malta teil. Ziel soll sein, die teils wochenlangen Blockaden von zivilen Rettungsschiffen zu beenden.

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"Die EU hat auf dem Mittelmeer klar versagt", betont Philipp Frisch von "Ärzte ohne Grenzen".

In der Nacht zum Montag hat Italien dem Flüchtlingsboot Ocean Viking nach sechs Tagen Wartezeit erlaubt, die 182 Flüchtlinge an Bord an Land gehen zu lassen. "Wir sind froh, dass die gute Nachricht endlich gekommen ist", sagte Frisch, kritisierte jedoch zugleich die Hängepartie bis zur Genehmigung, den sizilianischen Hafen Messina anzufahren. "Es gab in den letzten 15 Monaten 30 Mal Situationen, in denen Rettungsschiffe mit Geretteten sehr lange auf die Zuweisung eines sicheren Hafens warten mussten. Das ist untragbar für uns."

Der Europäischen Union warf Frisch vor, ihre Außengrenzen immer weiter Richtung Afrika zu verschieben. "Wir haben jetzt gerade Menschen auf der Ocean Viking, die Brandwunden haben von geschmolzenem Plastik, mit dem sie gefoltert wurden", sagte Frisch. An dieser Situation trage die Europäische Union eine Mitschuld, "indem sie zum Beispiel die libysche Küstenwache in die Lage versetzt, Menschen abzufangen und genau wieder in diese Situation zurückzubringen".

Jede Woche sterben Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute, allein in diesem Jahr haben laut "Ärzte ohne Grenzen" bislang 650 Menschen ihr Leben verloren. "Wir können erst nach dem Gipfel auf Malta sagen, ob wir einen Schritt weiter sind und tatsächlich Zählbares dabei herauskommt", sagte Frisch.

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Quelle: n-tv.de

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