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Brexit-Ausblick "negativ" Moody's zweifelt an den Briten

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Ungemütliche Aussichten in London: Noch stuft Moody's Großbritannien mit "AA2" ein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bringen die Neuwahlen in London den erhofften Durchbruch in der Brexit-Debatte? Die Bonitätswächter der US-Ratingagentur Moody's sehen die politischen Perspektiven Großbritanniens skeptisch. Der Ausblick sinkt, die Einstufung wackelt.

Die Ratingagentur Moody's hat mit Blick auf den geplanten EU-Austritt Großbritanniens den Rating-Ausblick für das Vereinigte Königreich von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Eine Herabstufung in den kommenden Wochen ist demnach möglich - und im Fall einer weiteren Brexit-Hängepartie sogar wahrscheinlich.

Denn die Analysten des US-Bonitätswächters verwiesen in ihrer Begründung ausdrücklich auf die Verunsicherung und Lähmung des Landes durch den drohenden Brexit sowie eine wahrscheinliche Verschlechterung der Wirtschaftskraft. Großbritannien ist als Handelsnation von einem reibungslosen Warenverkehr bei der Ein- und Ausfuhr angewiesen. Wichtigster Handelspartner des Landes ist die Europäische Union.

Bei der Benotung der Kreditwürdigkeit wird Großbritannien zunächst weiter mit "AA2" eingestuft, teilte Moody's mit. Damit kann sich die Regierung in London weiter mit einer Ratingnote im Top-Bereich am Kapitalmarkt mit frischen Krediten versorgen.

Plausible Gründe für Neubewertung

Im Fall einer Herabstufung könnte die bislang unangefochtene Stellung am Markt wackeln. Plausible Gründe für eine Neubewertung gibt es reichlich. Seit mittlerweile fast dreieinhalb Jahren sucht das Land nach einer Lösung, wie das Ergebnis des Referendums von 2016 umgesetzt werden und Großbritannien aus der Europäischen Union austreten kann. Gegner des EU-Austritts befürchten chaotische Zustände, sollte es tatsächlich zu einem ungeregelten Ausscheiden ohne vertragliche Regelungen auf allen Ebenen kommen.

Großbritannien steht in den kommenden Wochen politisch vor wichtigen Weichenstellungen: Premierminister Boris Johnson hat im Wahlkampf den Austritt seines Landes aus der Europäischen Union im Januar zugesichert. Seine Brexit-Vereinbarung mit der EU hatte bei den Abgeordneten keine Mehrheit gefunden. Das Unterhaus zwang ihn zu einer Verlängerung der Brexit-Frist vom 31. Oktober bis zum 31. Januar. Durch vorgezogene Neuwahlen soll die Blockade im Brexit-Prozess gelöst werden.

Die Parlamentswahlen finden noch in diesem Jahr statt: Am 12. Dezember sollen die Briten ihre Stimme abgeben und damit neue Mehrheitsverhältnisse im britischen Unterhaus schaffen.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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