Politik

Angriff auf Lager in Lwiw Moskau meldet Zerstörung ausländischer Waffen

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Überreste einer Waffe liegen auf dem Boden nach Gefechten in Mariupol (Archivbild).

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Rund 50 Staaten beraten in einer Kontaktgruppe darüber, welches Kriegsgerät sie die Ukraine liefern wollen. Derweil attackiert Russland ein Waffendepot in Lwiw, wobei man nach eigenen Angaben Haubitzen vom Typ M777 vernichtet. Der Gouverneur der Region beklagt mehrere Verletzte.

Russland hat die Zerstörung eines Militärdepots in der Westukraine gemeldet, in dem von der NATO gelieferte Waffen gelagert worden sein sollen. Die russischen Truppen zerstörten nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums ein Waffendepot nahe der Stadt Solotschiw in der westukrainischen Region Lwiw mit Kalibr-Marschflugkörpern. In Brüssel kam die Ukraine-Kontaktgruppe zusammen, um über weitere Waffenlieferungen an die Ukraine zu beraten.

Das russische Verteidigungsministerium teilte weiter mit, die Ukraine habe in dem zerstörten Depot "ausländische Waffen" von NATO-Ländern gelagert, vor allem Haubitzen vom Typ M777. Der Gouverneur der Region Lwiw, Maxym Kosyzky, erklärte auf Telegram, die ukrainische Luftabwehr habe eine russische Rakete über der Stadt abgeschossen. Dabei seien sechs Menschen leicht verletzt worden.

Während sich die russische und die ukrainische Armee im Osten und Süden der Ukraine seit dreieinhalb Monaten heftige Gefechte liefern, war der Westen des Landes bislang nur sporadisch Ziel von Angriffen. Die russischen Streitkräfte zielten dabei vor allem auf Militäreinrichtungen ab, in denen westliche Waffen gelagert wurden. Die USA hatten in den vergangenen Wochen mehrere M777-Haubitzen an die Ukraine geliefert. Das ukrainische Verteidigungsministerium beklagte am Dienstagabend allerdings, Kiew habe bislang nur "rund zehn Prozent" der Waffen erhalten, die es vom Westen fordert.

500 Zivilisten harren in Asot-Chemiefabrik aus

Präsident Wolodymyr Selenskyj drängte westliche Staaten am Dienstag, "schneller mehr Waffen und militärische Ausrüstung" zu schicken, da "die Russen zehn-, hundertmal so viel haben". Die rund 50 Länder der Ukraine-Kontaktgruppe wollen am heutigen Mittwoch über weitere Waffenlieferungen an das Land beraten. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hatte die anderen NATO-Staaten sowie eine Reihe von Partnerländern ins Brüsseler Hauptquartier eingeladen.

Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak drängte auf eine rasche Lieferung schwerer Waffen. "Brüssel, wir warten auf eine Entscheidung", erklärte er auf Twitter. "Ich erhalte täglich Nachrichten von unseren Kämpfern, die sagen, 'Wir halten stand, sagt uns einfach, wann die Waffen kommen'." Die russische Armee konzentriert ihre Offensive seit Wochen auf die ostukrainische Donbass-Region. Dort sind insbesondere die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk seit Tagen schwer umkämpft.

Die Eroberung von Sjewjerodonezk würde der russischen Armee den Weg nach Slowjansk und nach Kramatorsk, der Hauptstadt der Nachbarregion Donezk, öffnen. Dies ist für Russland eine unumgängliche Etappe, um den gesamten Donbass unter seine Kontrolle zu bringen. Russland hatte die Ukrainer am Dienstag aufgerufen, ihren "absurden Widerstand" in Sjewjerodonezk aufzugeben, und kündigte für Mittwoch einen Fluchtkorridor für die Zivilisten in der Asot-Chemiefabrik an. Laut der Organisation Norwegischer Flüchtlingsrat haben in der Fabrik rund 500 Zivilisten Zuflucht gesucht und sind "fast vollständig von jeglicher Versorgung abgeschnitten".

Das russische Verteidigungsministerium rief die ukrainischen Truppen auf, eine weiße Flagge zu hissen, um ihr Einverständnis mit dem Vorschlag zu signalisieren. Ein Sprecher der pro-russischen Separatisten warf Kiew am Morgen jedoch vor, die Einrichtung des Fluchtkorridors verhindert zu haben. Selenskyj hatte seine Landsleute im Donbass am Vorabend aufgerufen "durchzuhalten". "Es ist entscheidend, im Donbass zu bleiben", sagte er in seiner täglichen Videoansprache. Der Ausgang der Kämpfe in der Region sei "der Schlüssel" dafür, wer in den kommenden Wochen die Oberhand haben werde.

Quelle: ntv.de, lve/AFP

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