Politik

Lawrow gibt USA die Schuld Moskau verteidigt Angriffe auf Aleppo

30fffcd0042fabc020c35bc6e38eb944.jpg

Die Luftangriffe in Aleppo treffen vor allem die Rebellengebiete im Osten der Stadt.

(Foto: AP)

Aleppo erlebt zurzeit die heftigsten Luftangriffe seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs. Trotz aller Vorwürfe sehen sich Moskau und Damaskus im Recht. Sie werfen den USA vor, ihren Teil zur Waffenruhe nicht beigetragen zu haben.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat im Gespräch mit seinem US-Kollegen John Kerry die Luftangriffe auf die syrische Stadt Aleppo verteidigt. Nach einem Telefonat erklärte Lawrow, die US-Forderung nach einem Stopp der Angriffe könne nicht erfüllt werden, weil die frühere Nusra-Front in Aleppo ihrerseits die Waffenruhe missachte. Die USA hätten ihre Zusage nicht eingehalten, die gemäßigte Opposition von den Terroristen zu trennen.

Grundsätzlich ist Russland nach Angaben von Lawrow weiter bereit, zu kooperieren, um die Lage in Aleppo zu entschärfen. Kerry hatte vorher angesichts der verzweifelten Lage der Zivilbevölkerung in der Stadt mit einem Abbruch der russisch-amerikanischen Gespräche gedroht.

Am Freitag wiederholten die USA diese Drohung. Man sei kurz davor, den Dialog abzubrechen, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Mark Toner in Washington. "So etwas würden wir nicht sagen, wenn wir nicht bereit wären, es auch auszuführen." Noch wolle man die Tür aber nicht vollständig zuschlagen.

Washington weist Vorwürfe zurück

Toner wies gleichzeitig den Vorwurf zurück, die USA erfüllten ihre Zusage nicht. Man habe die moderaten Rebellen aufgefordert, sich innerhalb der siebentägigen Feuerpause von der Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra) loszusagen. Die Waffenruhe sei aber gebrochen worden. Die Gewalt des Regimes treibe die Rebellen nun regelrecht in die Arme der Extremisten.

2e0c7f88f1d66cf0f0263e479d1ff5cb.jpg

Sergej Lawrow und John Kerry verhandeln seit Monaten im Namen ihrer Regierungen über eine Lösung für Syrien - erfolglos.

(Foto: imago/Lukas Barth)

In den vergangenen Tagen gab es in den Rebellengebieten Aleppos die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren. In Nordosten der Stadt toben heftigen Kämpfen, nachdem die Armee und ihre Verbündeten dort einen neuen Angriff begonnen haben.

Am Freitag starben bei erneuten Luftangriffen auf Aleppo mindestens zwölf Menschen. Kampfflugzeuge griffen ein Rebellengebiet im Nordosten der Stadt an, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte. Die Zahl der Opfer könne noch steigen, da Vermisste unter Trümmern lägen. Kliniken fehle es an Material, um Verwundete zu versorgen.

Ban kündigt Untersuchungsausschuss an

Zusätzlich wurden im Westen von Aleppo, der von Regierungsanhängern kontrolliert wird, am selben Tag mindestens elf Zivilisten getötet, wie die Menschenrechtsbeobachter weiter mitteilten. Dort hätten islamistische Milizen zahlreiche Granaten abgefeuert.

Unterdessen verurteilte der UN-Menschenrechtsrat gegen die Stimmen von Russland und China die "systematischen" Verletzungen des humanitären Völkerrechts durch das Assad-Regime in Syrien. In einer Resolution werden zudem die Bombenangriffe auf den Osten der Stadt Aleppo verurteilt. Der Rat forderte das Regime in Damaskus auf, der Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen die Einreise zu erlauben.

Noch am Freitagabend kündigte Generalsekretär Ban Ki Moon an, dass ein UN-Untersuchungsausschuss den Angriff auf einen UN-Hilfskonvoi in Syrien untersuchen soll. Er drängte alle Beteiligten, mit dem Ausschuss zusammenzuarbeiten.

Angriff auf den Hilfskonvoi

Bei dem Angriff auf den Konvoi am 19. September in der Nähe von Aleppo waren nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz mehr als 20 Zivilisten getötet worden. Ein Großteil der Lastwagen wurde zerstört, zudem wurden ein Lagerhaus sowie ein Krankenhaus beschädigt. Die UN hatten daraufhin ihre Hilfsgütertransporte vorübergehend gestoppt.

Die USA machen Russland für den Angriff verantwortlich. Russland hat diese Darstellung zurückgewiesen und eine eigene Untersuchung angekündigt. Durch den Vorfall hatten die diplomatischen Bemühungen um einen Frieden in Syrien einen weiteren Rückschlag erlitten.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen