Politik

Merkel mit Kurz im Clinch Muss die Ski-Saison dieses Jahr ausfallen?

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Auf österreichischen Pisten sind traditionell viele Bayern unterwegs.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ischgl darf sich nicht wiederholen: Angesichts der hohen Infektionszahlen fordert Kanzlerin Merkel eine europaweite Schließung der Skigebiete bis in den Januar hinein. Italien und Frankreich hat sie auf ihrer Seite. Österreich und Schweiz schießen hingegen quer.

Zwischen Deutschland und Österreich entbrennt ein Streit über die Skigebiete. Angesichts der beginnenden Saison solle eine Schließung von Skigebieten bis zum 10. Januar europaweit koordiniert werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Touristische Reisen sollten nicht stattfinden, jeder nicht notwendige Kontakt sollte vermieden werden, so die Kanzlerin. Und weiter: "Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten. Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen."

Denn Österreich, zu dessen wichtigsten Wirtschaftszweigen der Skitourismus zählt, hat bereits Forderungen aus Italien nach einer Schließung seiner Skigebiete im Winter zurückgewiesen. Öffnungsschritte in allen Bereichen, darunter der Sport, würden von den Staaten unterschiedlich gehandhabt, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz. "Das hängt immer mit den Infektionszahlen zusammen, und zwar den Infektionszahlen bei uns in Österreich."

Das Land setzt darauf, mit Lockdown und Massentests die Corona-Zahlen im Dezember zu senken. "Ich kann Ihnen nur sagen, wenn jemand alleine laufen geht im Moment, dann ist das ähnlich gefährlich, wie wenn jemand alleine eine Skitour geht", so Kurz. "Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet. Anhand dieser Gesichtspunkte muss man Entscheidungen treffen." Dass es internationale Abstimmungen dazu gebe, sei "übertrieben", sagte Kurz. Wegen eines generellen Lockdowns in Österreich sind die Skigebiete dort allerdings zunächst bis zum 6. Dezember ohnehin geschlossen.

Auch für die Schweiz ist eine Schließung der Skigebiete in diesem Winter kein Thema. Das Land erlaubt weitgehend normalen Skibetrieb. "In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg - für den Moment - richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann", sagte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus.

"Wir können uns das nicht leisten"

Gegen Skitourismus in diesem Winter hatte sich bereits Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ausgesprochen, aus dessen Bundesland traditionell besonders viele Urlauber und Tagesgäste zum Skifahren nach Österreich reisen. "Mir wäre lieber, wir würden ein einheitliches Übereinkommen auf europäischer Ebene haben: keine Skilifte offen überall beziehungsweise kein Urlaub überall", sagte Söder am Mittwoch.

Damit unterstützte Söder Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte, der als erster einen entsprechenden Vorstoß wagte: "Es ist nicht möglich, einen Winterurlaub zuzulassen, wir können uns das nicht leisten", sagte Conte angesichts der hohen Infektionszahlen in seinem Land.

Auch der französische Staatschef Emmanuel Macron sprach sich gegen eine Öffnung der Skigebiete noch in diesem Jahr aus. Laut Premierminister Jean Castex werden die Skilifte über die Feiertage geschlossen bleiben. Es wäre nicht klug, große Bevölkerungsströme zusammenkommen zu lassen, betonte Castex. Auch die Krankenhäuser in diesen Gebieten sollten nicht überlastet werden. Es gebe Gespräche mit der Wintersport-Branche, um die Unterstützung der Saisonarbeitskräfte vorzubereiten, so der Premierminister.

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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