Politik

Auch nach Deutschland USA schicken mehr Truppen nach Europa

"Putin wollte die Finnlandisierung Europas", sagt US-Präsident Biden. Stattdessen bekomme er nun die NATOisierung Europas. Entsprechend stocken die USA ihre militärische Präsenz auf dem Kontinent auf. Auch nach Deutschland kommen zusätzliche Soldaten und Soldatinnen.

Infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bauen die USA ihre Truppenpräsenz in Europa weiter aus. "Gemeinsam mit unseren Verbündeten werden wir dafür sorgen, dass die NATO in der Lage ist, Bedrohungen aus allen Richtungen und in allen Bereichen - zu Lande, in der Luft und auf See - zu begegnen", sagte US-Präsident Joe Biden bei einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor dem Gipfel des Bündnisses in Madrid. Die NATO werde "jeden Zentimeter ihres Territoriums verteidigen".

Ein Schwerpunkt der US-Truppenverstärkungen ist nach Bidens Angaben die Ostflanke der NATO. Die USA würden ihre Aufstellung auch weiterhin in enger Abstimmung mit den Verbündeten an die Bedrohungslage anpassen, sagte er weiter. Das Weiße Haus teilte mit, in Deutschland und Italien würden zusätzliche Kräfte zur Luftverteidigung stationiert - in die Bundesrepublik werden demnach rund 625 zusätzliche Soldaten entsandt. Die größte US-Luftwaffenbasis in Deutschland befindet sich im rheinland-pfälzischen Ramstein.

Das Weiße Haus kündigte weiter an, dass in Polen "die ersten permanenten US-Truppen an der Ostflanke der NATO" stationiert würden - bislang sind sie dort auf Rotationsbasis. In Polen soll demnach unter anderem dauerhaft ein Hauptquartier des V. US-Korps eingerichtet werden. Weiter hieß es, in Rumänien und in den baltischen Staaten würden die US-Truppen verstärkt. Eine Brigade mit 3000 US-Soldaten sowie 2000 weiteren Militärangehörigen ist demnach in Rumänien geplant.

100.000 US-Soldaten in Europa

Zwei zusätzliche Geschwader mit F-35-Kampfjets würden nach Großbritannien entsandt, hieß es. In Spanien werde die Zahl der US-Zerstörer von vier auf sechs erhöht. Diesen Schritt hatte Biden schon am Dienstag nach seiner Ankunft in Madrid verkündet. In den vergangenen Monaten haben die USA die Zahl ihrer Soldaten in Europa um rund 20.000 auf mehr als 100.000 erhöht.

Biden betonte mit Blick auf den vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angeordneten Angriff auf die Ukraine, die NATO werde heute dringender gebraucht denn je. Zu Gipfelbeginn wurde der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Madrid dazugeschaltet. Er wollte sich nach Angaben aus Kiew in einer Videoansprache an die Staats- und Regierungschefs richten.

Der US-Präsident dankte Stoltenberg dafür, "das Bündnis durch diese Krise zu führen". Stoltenberg sagte mit Blick auf den bevorstehenden Beitritt Finnlands und Schwedens zur NATO infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine: "Präsident Putin ist es nicht gelungen, die Tür der NATO zu schließen. Er bekommt das Gegenteil von dem, was er wollte."

Biden sagte: "Putin wollte die Finnlandisierung Europas. Er wird die NATOisierung Europas bekommen." Finnland war während des Kalten Krieges offiziell neutral, auch aufgrund der Bedrohung durch die benachbarte Sowjetunion.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP

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