Politik

Nach Detonationen auf der Krim Selenskyj mahnt Ukrainer in besetzten Gebieten zur Vorsicht

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Die Detonationen trüben die Urlaubsfreuden, zahlreiche Feriengäste reisen ab.

(Foto: IMAGO/SNA)

Wer hat die schweren Explosionen auf der Krim verursacht? Russland spricht von Saboteuren, die Ukraine hält sich bedeckt. Präsident Selenskyj fordert derweil ukrainische Bürger in den besetzten Gebieten auf, sich von Einrichtungen der russischen Armee besser fernzuhalten.

Nach einer Reihe von schweren Explosionen in russischen Militäranlagen auf der Krim hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Ukrainer in besetzten Gebieten zu Vorsicht aufgerufen. "Bitte gehen Sie nicht in die Nähe der militärischen Einrichtungen der russischen Armee und all jener Orte, an denen sie Munition und Ausrüstung lagern, wo sie ihre Hauptquartiere unterhalten!", sagte Selenskyj in einer Videoansprache. Er richtete diesen Appell an "alle unsere Leute auf der Krim, in anderen Regionen im Süden der Ukraine, in den besetzten Gebieten des Donbass und in der Region Charkiw".

Selenskyj reklamierte die Detonationen nicht als erfolgreiche Angriffe für die Ukraine. Die Auslöser seien "sehr verschieden", die Russen könnten auch selbst schuld sein. Trotzdem gelte: "Je weniger Möglichkeiten die Besatzer haben, Böses zu tun und Ukrainer zu töten, desto eher können wir diesen Krieg beenden, indem wir unser Land befreien." Die Warteschlange an der Brücke aufs russische Festland beweise, "dass die absolute Mehrheit der Bürger des Terrorstaates bereits versteht oder zumindest das Gefühl hat, dass die Krim kein Ort für sie ist", sagte Selenskyj.

Videos in sozialen Netzwerken zeigen, dass seit Tagen viele russische Feriengäste die Halbinsel verlassen und es Staus vor der Brücke von Kertsch gibt. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti meldete für Montag einen Rekord von 38.300 Fahrzeugen auf der Brücke - allerdings in beide Richtungen. Am Bahnhof der Krim-Hauptstadt Simferopol versuchten am Dienstag viele Touristen, eine Zugfahrkarte zu ergattern.

Explosionen schüren Zweifel an Sicherung der Krim

Schon am 31. Juli war bei der russischen Schwarzmeerflotte in der Hafenstadt Sewastopol nach Moskauer Angaben eine ukrainische Drohne eingeschlagen. Die Ukraine wies die russische Darstellung hingegen als "erfunden" zurück. Die jüngsten Zwischenfälle haben für beide Seiten große symbolische Bedeutung. Bei russischen Beobachtern werfen sie inzwischen Fragen auf, wie gut die von Moskau militärisch hochgerüstete Halbinsel tatsächlich geschützt ist. Kremlchef Wladimir Putin hatte immer wieder angekündigt, dass die Sicherheit der Krim noch weiter verstärkt werden solle.

Auch russische Regionen im Grenzgebiet zur Ukraine berichten seit dem Beginn des Angriffskriegs von einer extrem gespannten Lage. Die Gouverneure von Brjansk, Kursk und Belgorod klagen immer wieder über angeblichen Beschuss durch ukrainische Truppen.

Bislang hat Russland seinen Ankündigungen, Kommandozentralen in Kiew zu bombardieren, wenn der Beschuss nicht aufhöre, aber keine Taten folgen lassen. Doch die Drohungen sind weiter da. Als Kiew etwa bereits im Juli Gegenoffensiven in Richtung Krim in Aussicht stellte, beschimpfte der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew die ukrainische Führung als "überschwängliche Clowns" und schrieb: "Wenn so etwas passiert, wird der Jüngste Tag für sie alle auf einmal kommen. Sehr schnell und hart." Zugleich versicherte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu einmal mehr, sein Land habe entgegen einiger Befürchtungen nicht vor, eine Atomwaffe einzusetzen.

Für viele Ukrainer wiederum haben Angriffe gegen die Krim-Machthaber eine besondere Bedeutung, weil die annektierte Halbinsel für sie bereits seit mehr als acht Jahren ein Inbegriff russischer Aggression ist. "Dieser russische Krieg gegen die Ukraine, gegen das ganze freie Europa, hat mit der Krim begonnen und muss mit der Krim enden, mit ihrer Befreiung", sagte Selenskyj kürzlich. Seit Kriegsbeginn vor knapp einem halben Jahr hat er seinen Landsleuten immer wieder eine Rückeroberung versprochen.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 17. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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