Politik

Der Kriegstag im Überblick Explosionen erschüttern Krim - Russland spricht von ukrainischer Sabotage

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Rauch steigt über dem Dorf Maiskoje auf der Halbinsel Krim auf. Dort befindet sich ein Munitionslager der russischen Streitkräfte. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sollen ukrainische Saboteure dafür verantwortlich sein.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Mehrere Explosionen auf der Halbinsel Krim versetzen Russland in Sorge. Es sollen mehrere militärische Ziele zerstört worden sein. Russland gibt ukrainischen Saboteuren die Schuld. Die Inspektion des Atomkraftwerks Saporischschja scheitert aktuell am Anfahrtsweg der Kontrolleure. Der 174. Kriegstag im Überblick:

Explosionen auf der Krim erschüttern Russland

Die durch Russland annektierte Halbinsel Krim wurde in den Morgenstunden unsanft geweckt. Zunächst berichteten lokale Medien von einem Brand eines Umspannwerks in Dschankoj, später verdichteten sich die Hinweise, dass ein Munitionslager der russischen Streitkräfte im Dorf Maiskoje explodiert war und in der Folge auch besagtes Umspannwerk in Brand geriet. Der von Russland eingesetzte Verwaltungschef Sergej Aksjonow sprach von einer Detonation von Munition und erklärte, dass eine Sicherheitszone eingerichtet wurde und Menschen gerettet würden. Später berichtete er, dass Eisenbahnschienen beschädigt worden seien, so dass viele Menschen vom Zug auf Busse umsteigen mussten. Das russische Verteidigungsministerium macht in einer Erklärung Saboteure für die Explosionen verantwortlich.

Russischer Luftwaffenstützpunkt in Flammen

Gegen Mittag meldete die russische Zeitung "Kommersant" dann weitere Explosionen und Feuer aus der Ortschaft Gwardejskoje im Zentrum der Krim, nahe der Stadt Simferopol. Dabei soll es sich um einen russischen Luftwaffenstützpunkt handeln. Sollte es sich dabei um Beschuss durch die Ukraine oder Sabotageakte proukrainischer Sympathisanten handeln, wäre dies bereits der dritte Schlag gegen die von Russland besetzte Halbinsel binnen kurzer Zeit.

Briten sehen Angriffsgefahr für Odessa nahezu gebannt

Unter anderem auch aufgrund der offensichtlichen Verwundbarkeit des von Russland annektierten Gebiets, kommt Großbritannien zu der Einschätzung, dass Russland Mühe habe, das Schwarze Meer von See aus zu kontrollieren. Patrouillenfahrten seien auf die Gewässer um die Krim beschränkt, teilte das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf die Geheimdienste mit. Die Schwarzmeerflotte setze zur Unterstützung der Bodenoffensiven Langstreckenraketen ein, verhalte sich aber eher defensiv. Die Einschränkungen der Flotte unterliefen Russlands Strategie, heißt es. Die Gefahr einer Landung russischer Truppen in der ukrainischen Hafenstadt Odessa vom Meer aus ist nach Ansicht der britischen Militärexperten weitgehend gebannt.

Russland könnte Attacken aus Belarus vorbereiten

An anderer Stelle versucht Russland dagegen seine militärischen Möglichkeiten auszubauen. So soll der Kreml laut der ukrainischen Luftwaffe seine militärischen Kapazitäten in Belarus verstärken. Ein Sprecher der Luftwaffe erklärte dem Online-Portal Kyiv Independent, dass man deshalb mit verstärkten Raketenangriffen am ukrainischen Unabhängigkeitstag rechne. "Der Feind verwendet solche Daten immer, um 'Glückwünsche' zu verschicken und wir müssen darauf vorbereitet sein", sagte er. Der ukrainische Unabhängigkeitstag ist am 24. August.

Inspektion des Atomkraftwerks Saporischschja kommt nicht voran

Die Lage um das von Russland kontrollierte Atomkraftwerk Saporischschja bleibt indes verfahren. Eine Inspektion der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hängt weiterhin in der Luft. Grund dafür ist die Uneinigkeit Russlands und der Ukraine über den Anfahrtsweg. Demnach weigert sich Russland, dass die Kontrolleure von Kiew aus anreisen. "Stellen Sie sich vor, was es bedeutet, durch Kiew zu fahren - es bedeutet, dass sie durch die Frontlinie zum Atomkraftwerk gelangen", zitiert die Nachrichtenagentur RIA den russischen stellvertretenden Leiter der Abteilung für nukleare Sicherheit und Rüstungskontrolle, Igor Vishnevetsky. Dies sei wegen der "nicht einheitlich aufgestellten" ukrainischen Streitkräfte ein großes Risiko. Die Vereinten Nationen hatten zuvor festgestellt, dass die Ukraine über die logistischen und sicherheitstechnischen Kapazitäten verfüge, um eine IAEA-Delegation nach Saporischschja von Kiew aus zu unterstützen.

Russland beklagt Sabotageakte auf im Gebiet Kursk

Allerdings gibt es nicht nur auf ukrainischem Boden Probleme mit Atomkraftwerken. In der russischen Region Kursk, die an die Ukraine angrenzt, soll es Störungen in einem russischen AKW gegeben haben, berichtete der russische Inlandsgeheimdienst FSB. Dafür wurden "ukrainische Sabotage-Gruppen" verantwortlich gemacht. Diese hätten in den vergangenen zwei Wochen mehrere Strommasten beschädigt und Betriebsstörungen im Kernkraftwerk ausgelöst. Damit nicht genug, berichtete die russische Medienseite Baza, dass ebenfalls in der Region Kursk ein Anschlag auf eine Bahnstrecke verübt worden wäre. Die Strecke sei vorher für den Güterverkehr eingesetzt worden, heißt es weiter.

Schoigu: Briten und US-Amerikaner planen ukrainische Militäroperationen

Die Führung im Kreml bezichtigt allerdings nicht nur ukrainische Saboteure gezielter Aktionen gegen Russland. Der Verteidigungsminister Sergej Schoigu behauptete in einer Rede auf der internationalen Sicherheitskonferenz in Moskau, dass die ukrainischen Militäroperationen von den Vereinigten Staaten und Großbritannien geplant würden. Er behauptete ferner, dass die NATO ihre Truppenstationierung in Ost- und Mitteleuropa "um ein Vielfaches" erhöht habe.

Finnland und Lettland erschweren Russen die Einreise

Druck gibt es für Russland dagegen aus ganz anderen Ländern. In Finnland und Lettland werden es russische Staatsbürger künftig schwerer haben. Die finnische Regierung will ab September weniger Touristenvisa an russische Staatsbürger ausstellen. Es sollten künftig nur noch zehn Prozent der bisherigen Zahl solcher Einreisegenehmigungen ausgegeben werden, erklärte Außenminister Pekka Haavisto. Konkret würden ab September weniger Termine für einen Antrag zur Verfügung gestellt, was zu weniger Visa für Menschen aus dem Nachbarland führen werde. Nach Angaben des lettischen Regierungschefs Krisjanis Karins sollen befristet an Staatsbürger Russlands ausgestellte Aufenthaltsgenehmigungen künftig generell nicht mehr verlängert werden. Dies soll auch für Belarussen gelten. Nur noch in sehr seltenen Ausnahmefällen soll es möglich sein, sagte er in Riga.

Erster ukrainischer Getreidefrachter am Ziel angekommen

Möglich scheint zudem der Getreidetransport aus ukrainischen Häfen nach Syrien. Dort kam das erste Schiff, das nach dem Abkommen zwischen den Kriegsparteien, der Türkei und der UN das Schwarze Meer verließ, heute an. Die "Razoni" legte im Hafen von Tartus an. Zudem konnte das erste von der UN gecharterte Schiff mit Getreide für den afrikanischen Kontinent den Schwarzmeerhafen Piwdennji verlassen. Die mit 23.000 Tonnen Weizen beladene "MV Brave Commander" befindet sich nun auf dem Weg nach Dschibuti. Von dort soll das Getreide weiter nach Äthiopien geschickt werden.

Scholz will Bürgern Mehrwertsteuer auf Gasumlage erstatten

Nachdem die EU der Bitte von Finanzminister Christian Lindner, die Gasumlage von der Mehrwertsteuer zu befreien, nicht entspricht, versucht Bundeskanzler Olaf Scholz die Situation zu retten und will nun eine Möglichkeit suchen, den Bürgern die Mehrwertsteuer zu erstatten. "Diesen Weg werden wir jetzt ganz schnell mit der (EU-)Kommission besprechen", sagte Scholz in Berlin. Die Bundesregierung will mit der Umlage Gasimporteure entlasten, die wegen der gedrosselten Lieferungen aus Russland anderswo für viel Geld Gas einkaufen müssen, um ihre Verträge zu erfüllen.

Weitere wichtige Texte zum Ukraine-Krieg:

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, als/dpa/AFP/rts

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