Politik

Warum waren die Eltern Spitzel? Nachfahren erfragen Stasi-Vergangenheit

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Unterlagen der Stasi liegen in der Brandenburger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde in Frankfurt (Oder).

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul/dpa)

Nächstes Jahr wird die Stasi-Unterlagenbehörde aufgelöst und in das deutsche Bundesarchiv überführt. Aber auch wenn die Zahl der Anträge auf Einsicht nachlässt, wollen immer noch Tausende in die eigene Vergangenheit schauen. Vor allem Kinder und Enkel suchen in den Papieren nach Antworten.

Im 30. Jahr der Deutschen Einheit haben noch Tausende Menschen bei der Stasi-Unterlagenbehörde beantragt, in die eigene Vergangenheit zu schauen. 2020 wurden - Stand 30. November - 35.356 Anträge auf persönliche Einsicht in die Stasi-Akten gestellt, wie der scheidende Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, sagte. Die Zahl der Anträge nehme rund 31 Jahre nach dem Mauerfall naturgemäß zwar ab. Im gesamten Vorjahr wurde noch 56.526 Mal Einsicht in persönliche Akten beantragt. Seit 1992 gingen bei der Behörde insgesamt knapp 3,4 Millionen solcher Anträge ein.

Kontinuierlich steige die Zahl derer, die mehr über das Leben gestorbener Angehöriger wissen wollen - darauf beziehe sich bereits fast jeder fünfte Erstantrag, erklärte der frühere DDR-Oppositionelle. Unter den Antragstellern seien auch Angehörige früherer Stasi-Mitarbeiter. Sie suchten in den Papieren nach Antworten, warum etwa die Eltern beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) waren und warum sie blieben. "Das ist eine neue Qualität. Es ist wichtig für die innere Einheit, dass die Aufarbeitung stattfindet in den Familien und zwischen den Generationen."

Nach dem Mauerfall war ein Großteil der Stasi-Akten von mutigen Bürgerrechtlern vor der Vernichtung gerettet worden. Die Sicherung der Akten sowie die Einrichtung der Stasi-Unterlagenbehörde gelten als Errungenschaften der friedlichen Revolution.

"Die Akten bleiben offen"

2021 wird das Stasi-Unterlagen-Archiv laut Bundestags-Beschluss Teil des Bundesarchivs. Die Jahn-Behörde wird aufgelöst. 1300 Mitarbeiter werden übernommen, sagte Jahn, dessen Amtszeit im Juni des nächsten Jahres endet. Das Stasi-Unterlagen-Gesetz gelte weiter. "Die Akten bleiben offen, Auskünfte werden weiter erteilt." Ein neuer Vizepräsident oder eine neue Vizepräsidentin im Bundesarchiv werde künftig das Stasi-Unterlagen-Archiv leiten.

Die Überführung der Akten, die aber an den jeweiligen Standorten in Ostdeutschland bleiben, sei ein Gewinn, betonte Jahn. "Damit wird langfristig und dauerhaft ein Teil des nationalen Gedächtnisses gesichert. Und es ist ein Signal, dass die Aufarbeitung der Diktatur und der Teilungsgeschichte eine gesamtdeutsche Aufgabe ist." Zur Stasi-Hinterlassenschaft gehören mehr als 111 Kilometer Schriftgut und Tausende Fotos. In mehr als 15.000 Säcken lagern zerrissene und noch nicht erschlossene Papiere.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

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