Politik

Nach Trumps eiligem Abzugs-Plan Nato steckt tief im Afghanistan-Dilemma

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Koffer packen für den Abzug zu Weihnachten: Trumps Afghanistan-Pläne werden in der Nato sehr kritisch gesehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Trump will alle US-Soldaten bis Weihnachten aus Afghanistan abziehen. Mit seiner unabgestimmten Ankündigung setzt der US-Präsident die Nato-Verbündeten schwer unter Druck. Angesichts neuer Taliban-Angriffe ist die Lage in dem Land instabil.

Die Nato steht nach Einschätzung von Generalsekretär Jens Stoltenberg in Afghanistan vor einem Dilemma. Das Bündnis könne entweder entscheiden, Afghanistan zu verlassen und damit riskieren, dass das Land wieder ein Rückzugsraum für internationale Terroristen werde. Die andere Möglichkeit sei, sich für ein Bleiben zu entscheiden, sagte Stoltenberg nach einer Videokonferenz der Verteidigungsminister. Dann riskiere man aber die Fortsetzung des schon jetzt fast zwei Jahrzehnte langen Einsatzes und eine Intensivierung der Kämpfe mit den militant-islamistischen Taliban. "Das ist ein Dilemma, vor dem wir als Bündnis stehen werden", sagte der Norweger. "Wir werden zusammen gehen, wenn die Zeit reif ist", fasste der Nato-Generalsekretär den ungemütlichen Spagat zusammen.

Die Verteidigungsminister der Nato-Staaten hatten vor dem Hintergrund der innerafghanischen Friedensgespräche und der Abzugspläne der USA über die Zukunft des aktuellen Ausbildungseinsatzes beraten - ohne aber Entscheidungen zu treffen. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mit der Mitteilung für Unruhe im Bündnis gesorgt, dass er sich einen Abzug aller US-Truppen in Afghanistan bis Weihnachten wünsche. Eine Absprache mit den Alliierten sieht eigentlich vor, den Abzug daran zu knüpfen, dass die Taliban Absprachen zu den laufenden Friedensgesprächen einhalten. Ein vollständiger Abzug soll demnach erst bis Ende April 2021 angestrebt werden. Dies sieht auch ein Abkommen der USA mit den Taliban vor.

Stoltenberg fürchtet Rückschritte

In der Nato werden die US-Pläne für Afghanistan zum Teil sehr kritisch gesehen. Es wird unter anderem befürchtet, dass es im Fall eines zu schnellen Truppenabzugs wieder zu Rückschritten bei Demokratie und Menschenrechten kommen könnte. Alleine sind die Nato-Partner der USA allerdings nicht in der Lage, den Afghanistan-Einsatz fortzuführen. Stoltenberg forderte die Taliban auf, das "inakzeptable Maß an Gewalt" zu reduzieren und den Weg für einen Waffenstillstand zu ebnen.

Zuvor war bekannt geworden, dass bei einem nächtlichen Taliban-Angriff mindestens 20 Angehörige der afghanischen Streitkräfte getötet wurden. Seit mehr als einer Woche gibt es in Afghanistan erneut schwere Gefechte. Im Süden starben nach einer Taliban-Offensive in der Provinz Helmand inzwischen mehr als 100 Zivilisten, Zehntausende Menschen wurden aus ihren Dörfern vertrieben.

Quelle: ntv.de, mau/dpa