Werde "immer die Wahrheit sagen"Netanjahu-Herausforderer verteilt Seitenhiebe vor der Wahl

Israel steht vor einer Richtungswahl. Umfragen deuten auf ein knappes Rennen zwischen Netanjahu und dem Oppositionspolitiker Eisenkot hin. Dieser wirft seinem Kontrahenten unter anderem eine Spaltung des Landes vor. Aus den USA kommt hingegen Rückendeckung.
Kurz vor der Parlamentswahl in Israel hat der führende Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot bei seiner Abschlusskundgebung versprochen, die Spaltung des Landes zu überwinden. "Unser Ziel ist nicht, dass eine Seite die andere besiegt", sagte der frühere Generalstabschef vor Hunderten Anhängern in Tel Aviv. Er wolle "alle Israelis wieder zusammenbringen - diejenigen, die uns gewählt haben, und diejenigen, die es nicht getan haben".
Eisenkot versprach, sich für Sicherheit und die Wirtschaft einzusetzen sowie für Erfolge und Misserfolge Verantwortung zu übernehmen. Er werde den Menschen "immer in die Augen schauen und die Wahrheit sagen". Zugleich wandte er sich direkt an unentschlossene Anhänger der Likud-Partei von Regierungschef Benjamin Netanjahu: "Tief in eurem Inneren wisst auch ihr, dass es mit Israel so nicht weitergehen kann."
Netanjahu verschärfte unterdessen seine Angriffe auf den Herausforderer. Bei einem Auftritt im regierungsnahen Fernsehsender Channel 14 unterstellte er Eisenkot und dessen Verbündeten, sie wollten einen Palästinenserstaat errichten. Dies wäre eine "Katastrophe für Israel", sagte Netanjahu. Eisenkot lehnt einen Palästinenserstaat allerdings ebenfalls ab.
Zudem warf Netanjahu Eisenkot vor, im Konflikt mit dem Iran nicht entschlossen genug zu sein. Beim Vorgehen gegen das iranische Atomprogramm seien "90 Prozent" der Arbeit erledigt, die restlichen zehn Prozent könne nur er selbst bewältigen, sagte der Regierungschef. Eisenkot hatte seinerseits Netanjahu vorgeworfen, die Bedrohung durch den Iran aus wahltaktischen Gründen in den Vordergrund zu rücken.
Auch der langjährige Oppositionsführer Jair Lapid griff Netanjahu scharf an. Der Regierungschef habe "die Kontrolle verloren", schrieb Lapid im Onlinedienst X. "Wir müssen ihn unbedingt nach Hause schicken", erklärte Lapid, der zusammen mit dem früheren Ministerpräsidenten Naftali Bennett auf der gemeinsamen Liste Bejachad (Hebräisch: Zusammen) antritt und eine Koalition mit Eisenkot anstrebt.
Netanjahu hatte zuvor ein mit Künstlicher Intelligenz erzeugtes Bild veröffentlicht, das einen Atompilz über Tel Aviv zeigt. Dazu verbreitete er einen Text eines rechtsgerichteten Kommentators, in dem der Iran als existenzielle Bedrohung für Israel bezeichnet und andere Wahlkampfthemen als nebensächlich dargestellt wurden.
Aus den USA kommt wiederum Unterstützung für Netanjahu: US-Präsident Donald Trump rief die Israelis in seinem Onlinedienst Truth Social auf, erneut dem amtierenden Ministerpräsidenten ihre Stimme zu geben. "Wenn ihr zur Wahl geht, denkt bitte daran, dass Bibi ein herausragender, kämpferischer Ministerpräsident war", schrieb Trump. Dabei verwies er auf den gemeinsamen Kampf der USA und Israels gegen den Iran als Beispiel dafür, wie man "gemeinsam gewinnt".
Bei der Wahl am Dienstag liefern sich Eisenkot und Netanjahu laut den zuletzt veröffentlichten Umfragen ein knappes Rennen. Eisenkot fordert unter anderem eine staatliche Untersuchung der Versäumnisse vor dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023. Netanjahu und seine Koalition lehnen dies ab. Am Samstag hatten in Tel Aviv Tausende Menschen gegen Netanjahu demonstriert.