Politik

Erdogan erblickt "Terrorstaat" Neue Gewalt am Tempelberg in Jerusalem

Zwangsräumungen in einem Stadtteil Jerusalems führen erneut zu wütenden Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Jugendlichen und der Polizei. Der türkische Präsident Erdogan wiegelt seine Landsleute und alle Muslime gegen Israel auf. Der Tempelberg steht im Zentrum der Unruhen.

In Jerusalem ist es in der zweiten Nacht in Folge zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Palästinensern gekommen. Bei den Zusammenstößen am Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) setzte die Polizei israelischen Medienberichten zufolge Gummigeschosse, Tränengas und Blendgranaten gegen Steine werfende Palästinenser ein. Laut der Zeitung "Haaretz" hatten dort am Abend Zehntausende Muslime in der Al-Aksa-Moschee am Samstagsgebet zum Ende des Fastenmonats Ramadan teilgenommen. Laut dem palästinensischen Rettungsdienst Roter Halbmond seien 64 Palästinenser durch Polizeigewalt verletzt worden, darunter mehrere Kinder. Auch in Ost-Jerusalem kam es demnach zu ähnlichen Zusammenstößen.

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist sowohl die drittheiligste Stätte im Islam als auch im Judentum von größter Bedeutung, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Spannungen im Ramadan

Bereits in der Nacht auf Samstag war die Lage rund um die Altstadt und das Viertel Scheich Dscharrah eskaliert, auch hier konzentrierte sich die Gewalt auf das Tempelberg-Areal. Von mehr als 200 Verletzten war danach die Rede, die Polizei sprach von über einem Dutzend Sicherheitskräften, die im Einsatz verletzt worden seien. Die Lage im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind wütend, weil die israelische Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hat, um Versammlungen zu verhindern. Außerdem drohen einigen palästinensischen Familien Wohnungsräumungen durch israelische Behörden, was die Spannungen zusätzlich verschärft.

Im palästinensischen Gazastreifen versammelten sich Hunderte von Demonstranten entlang der Grenze zu Israel. Militante Palästinenser sollen mindestens eine Rakete aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert haben, die auf offenem Gelände landete, wie das Militär mitteilte. Auf dem Tempelberg blieb es am Samstagabend ruhig, dort beteten muslimische Gläubige nach dem abendlichen Fastenbrechen ohne Zwischenfälle.

Erdogan ruft zum Protest auf

Derweil heizte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Konflikt weiter an und bezeichnete Israel als "Terror-Staat". Er rief in Istanbul alle muslimischen Staaten und die internationale Gemeinschaft dazu auf, wirksame Schritte gegen Israel einzuleiten. "Das grausame Israel, der Terror-Staat Israel greift gnadenlos und unmoralisch Muslime in Jerusalem an."

Die Türkei habe die UN, die Organisation für islamische Zusammenarbeit und andere Organisation dazu aufgefordert, aktiv zu werden. Vor der israelischen Botschaft in Ankara hatten bereits am Freitagabend Hunderte gegen das Vorgehen der Sicherheitskräfte in Jerusalem protestiert.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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