Politik

Verband will Tiere abschieben Niederlande-Türkei-Streit erreicht Kühe

88721594.jpg

Der Zorn des türkischen Züchterverbandes richtet sich gegen niederländische Holstein-Kühe, die aber auch in Deutschland sehr verbreitet sind.

(Foto: picture alliance / Martin Schutt)

Bisher stritten die Niederlande und die Türkei vor allem auf diplomatischer Ebene. Doch das ist offenbar nicht genug. Auch ein türkischer Züchterverband kündigt Konsequenzen an. Und Istanbul will nicht mehr Partnerstadt von Rotterdam sein.

Die diplomatische Krise zwischen der Türkei und den Niederlanden eskaliert. Sie treibt aber auch skurrile Blüten. Ein türkischer Züchterverband kündigte an, eine Gruppe niederländischer Kühe aus Protest gegen das Verhalten Den Haags des Landes zu verweisen. "Die erste Gruppe Holsteiner ist verladen worden und wird zurückgeschickt", sagte Bülent Tunc vom Türkischen Verband der Viehproduzenten.

"In Zukunft wollen wir keine Tierprodukte mehr aus Holland", sagte Tunc der Nachrichtenagentur Anadolu. Die Türkei werde in Zukunft eigene Kühe züchten. Sollten die Niederlande die Kühe nicht zurücknehmen, würden sie geschlachtet und ihr Fleisch verteilt.

Derweil kündigte der Istanbuler Stadtrat die Städtepartnerschaft mit Rotterdam auf. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan habe diese Maßnahme gefordert, meldete die Nachrichtenagentur DHA. Erdogan habe Ministerpräsident Binali Yildirim demnach angewiesen, dem Istanbuler Bürgermeister auszurichten, den Städtepartnerschaftsvertrag "einseitig" aufzulösen. "Denn es ist nicht möglich, dass wir mit solchen Leuten eine Städtepartnerschaft unterhalten", sagte Erdogan im zentralanatolischen Afyonkarahisar.

Streit um Wahlkampf

Die Niederlande und die Türkei erleben derzeit die schwerste Krise ihrer Beziehungen, nachdem Ankara auf die Absage türkischer Wahlkampfauftritte mit wüsten Vorwürfen reagiert hatte. Zuletzt warf der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan dem Land vor, für das Massaker von Srebrenica verantwortlich zu sein, bei dem in Bosnien Tausende muslimische Männer und Jungen ermordet wurden.

Tatsächlich hatten bosnisch-serbische Truppen 1995 das Massaker an den Muslimen in Srebrenica verübt. Niederländische Blauhelm-Soldaten der Vereinten Nationen hatten den Angreifern die Stadt zuvor allerdings kampflos überlassen.

In der Türkei wird am 16. April in einer Volksabstimmung über eine Verfassungsänderung zur Einführung eines Präsidialsystems abgestimmt, das Erdogan mehr Macht verleihen soll. Nach Angaben der türkischen Wahlbehörde sind rund 2,97 Millionen wahlberechtigte Türken im Ausland für die Abstimmung registriert. Dafür reisen immer wieder türkische Politiker zu Wahlkampfauftritten ins Ausland - obwohl dies gegen das türkische Wahlrecht verstößt.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.