Politik

Zornausbruch hinter den Kulissen Noch hält Merz an Laschet fest

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"Solange er seine Aufgaben erfüllen kann": Merz wendet sich noch nicht von Laschet ab.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der glücklose Kanzlerkandidat der Union kann noch auf seinen Parteifreund Merz zählen. Allerdings gilt das nicht bedingungslos: Der CDU-Politiker verlangt, dass Laschet Koalitionsverhandlungen für ein Jamaika-Bündnis zustande bringt. Wie angespannt Merz ist, zeigt ein Zornausbruch nach der Wahlschlappe.

Während der Rücktrittsdruck auf CDU-Parteichef Armin Laschet immer größer wird, knüpft Friedrich Merz seine weitere Unterstützung an Bedingungen. "Wenn wir einen Vorsitzenden gewählt haben, dann unterstütze ich ihn, solange er eine Chance hat, seine Aufgaben auch zu erfüllen", sagte Merz den Zeitungen der Funke Mediengruppe und fügte hinzu: "Diese Chance hat er immer noch." Alles Weitere müsse man abwarten. "Wir sind jetzt in einer extrem empfindlichen und unsicheren Phase der deutschen Politik."

Merz bezeichnete es als entscheidende Frage, ob die Union überhaupt in die Nähe von Koalitionsverhandlungen komme oder es bei den Vorsondierungen mit FDP und Grünen bleibe. "Wenn ich es richtig beurteile, geht es derzeit eher Richtung Ampel. Zwischen SPD, Grünen und FDP scheint es schon sehr intensive Gespräche zu geben", sagte er den Funke-Zeitungen. "Als Zweitplatzierter müssen wir im Augenblick unsere Ansprüche zurückstellen."

Merz zog eine vernichtende Bilanz des Wahlkampfs, der viel zu spät vorbereitet worden sei. Es hätten "die Überschriften, die Themen und die Medienstrategie" gefehlt. "Wir hatten einen Kandidaten mit sehr niedrigen Zustimmungswerten in der Bevölkerung", sagte er. "Da wäre ein Wahlsieg schon ein kleines Wunder gewesen." Der größte strategische Fehler der Union in den letzten drei Jahren sei gewesen, das Amt der Parteivorsitzenden und der Bundeskanzlerin nicht mehr in eine Hand zu legen. "Damit war klar, dass wir ohne einen Amtsbonus aus dem Kanzleramt heraus in die Bundestagswahl gehen", sagte er. "Es wäre besser gewesen, wir hätten die ordnungsgemäße Übergabe von Partei und Kanzleramt frühzeitig vollzogen."

"Söder trifft Mitschuld"

Der frühere Fraktionschef gab auch der CSU und ihrem Vorsitzenden Markus Söder eine Mitschuld an der Wahlniederlage. "Zwei Drittel der Wähler in Deutschland haben die Union nach der Entscheidung über den Kanzlerkandidaten bis zum Tag der Bundestagswahl als zerstritten wahrgenommen", sagte er. "Wäre dieser Eindruck nicht entstanden, wären wir wenigstens stärkste Fraktion geworden, das erscheint mir ziemlich sicher." Merz erinnerte daran, dass auch die CSU ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren habe. "Für gegenseitige Belehrungen und Anweisungen, wer jetzt was zu tun hat, ist dieses Wahlergebnis an keiner Stelle geeignet."

Auf die Frage, ob er sich eine Jamaika-Koalition mit Söder als Kanzler vorstellen könne, sagte Merz: "Das weiß ich nicht, dazu fehlt mir im Augenblick auch die Fantasie. Aber seit dem letzten Sonntag hat sich so viel verändert, dass wir nichts mehr ausschließen können." Lediglich einer neuen Großen Koalition erteilte Merz eine klare Absage. "Die Union als Juniorpartner der SPD? Das wäre die allerletzte ultima ratio und ohne jedes Aufbruchsignal", sagte er. "Die Gemeinsamkeiten zwischen Union und SPD sind aufgebraucht."

Heftiger Wortwechsel zwischen Merz und Brinkhaus

Wie angespannt die Nerven bei der CDU derzeit sind, zeigt ein Schlagabtausch hinter den Kulissen zwischen Merz und Fraktionschef Ralph Brinkhaus. Der Anlass war der Plan Brinkhaus', sich erneut zum Fraktionschef wählen zu lassen, statt vorerst kommissarisch im Amt zu bleiben. Laut "Spiegel" warf Merz Brinkhaus in einer vertraulichen Runde am Dienstagnachmittag vor, mit seinem Vorhaben der Partei zu schaden. Die Union habe gerade größere Probleme, als sich tagelang mit einer Wiederwahl von Brinkhaus zu beschäftigen.

Auch Brinkhaus soll äußerst emotional geworden sein. Er wolle sich nicht einschüchtern lassen, soll er entgegnet haben, die Kritik sei "lächerlich". Daraufhin knallte Merz dem Vernehmen nach ein mit Orangensaft gefülltes Glas auf den Tisch.

Quelle: ntv.de, mau

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